Die stille Katastrophe: Wie extreme Hitze die Natur zerstört
Hitze kann den Ökosystemen massive Schäden zufügen.
Den großen Wumms gab es nicht, diese Katastrophe kam schleichend. Doch ihre Auswirkungen werden noch lange zu spüren sein. Hitzewellen belasten nicht nur die Menschen, sondern auch Natur und Artenvielfalt.
Lebensräume verschwinden: Lacken und Tümpel trocknen aus, und mit ihnen sterben Amphibien, Insekten und Fische. „Laich und Kaulquappen haben keine Chance auf Überleben. Auch Regenwürmer ziehen sich in tiefere Erdschichten zurück, um nicht auszutrocknen“, heißt es beim WWF.
Das hat Effekte auf das gesamte Ökosystem. Amseln und Störche finden noch schwerer Futter. Auch die Insekten leiden: Die Hitze verkürzt die Blütezeit vieler Pflanzen, Nahrungsquellen versiegen. Das ist bei Weitem nicht das einzige Problem für die Bestäuber: Experimente zeigen, dass die Fruchtbarkeit der Insekten mit steigenden Temperaturen abnimmt.
Wo ist das Wasser?
Die Wassertemperaturen in Flüssen und Seen klettern nach oben. Montagmittag zeigte das Thermometer im Neusiedler See bei Neusiedl 30 Grad. Auch der Wasserstand sinkt deutlich. Der See verliert Wasser fast nur durch Verdunstung – und diese nimmt bei Hitze stark zu. Der See ging allerdings schon mit einem deutlichen Minus in die heißeste Phase des Sommers.
Ein ähnliches Bild zeigt sich am anderen Ende Österreichs. Am vergangenen Wochenende war der Bodensee so warm wie noch nie um diese Zeit: 26,9 Grad. Die Messstelle Bregenz meldet wenig Wasser. Schon im Frühsommer war der Mangel deutlich sichtbar.
Der Bodensee verzeichnete schon Anfang Juni einen niedrigen Wasserstand.
Wer den Attersee kennt, bemerkt auch hier einen niedrigen Pegel. Das Irrsee-Mondsee-Attersee-System im nördlichen Salzkammergut „liegt im Niedrigwasserbereich“, sagt Reinhard Enzenebner vom Hydrographischen Dienst des Landes OÖ. Schuld daran: der schneearme Winter. Die drei Seen sind durch Achen verbunden, der Attersee bildet das Endglied der Kette. Vom Minimalstand ist man aber noch entfernt: Attersee und Mondsee fehlen jeweils 40 bis 50 Zentimeter, dem kleineren Irrsee 20 Zentimeter. Auch wenn derzeit kein Regen in Sicht ist, kann sich das rasch ändern, so der Experte – eine Prognose möchte er deshalb nicht stellen.
Relativ gut gefüllt sind hingegen Almsee, Traunsee und Hallstätter See. Letzterer profitiert vom Hallstätter Gletscher, dem größten Gletscher am Dachstein. Grundsätzlich hängt der Wasserpegel eines Sees von seinem Einzugsgebiet ab – also davon, wie hoch er liegt und wie lange ihn die Schneeschmelze speist. Die Faustregel lautet: Je höher gelegen, desto länger fließt Schmelzwasser aus den Bergen nach.
Österreich
Das Wasser in der Alten Donau in Wien war Montagnachmittag 29,2 Grad warm. Die Hitze hat die Kärntner Seen bereits Ende Juni auf Spitzentemperaturen aufgeheizt. Der Rauschelesee war mit 29,3 Grad der wärmste See in Kärnten. Der Wörthersee lag bei 28,8 Grad.
Adria
In Split wurden Montagfrüh im Wasser 26 Grad gemessen, in der Lagune von Venedig 29. Steigende Temperaturen beschleunigen den Lebenszyklus von Quallen.
Ein großes Problem sind nach wie vor die sinkenden Grundwasserstände. 78 Prozent aller Messstellen zeigen mit Ende Juni niedriges oder sehr niedriges Grundwasser, meldet Greenpeace. Besonders betroffen sind der Osten Österreichs und Vorarlberg. „Dieses Jahr entwickelt sich zu einer wahren Durststrecke“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Greenpeace-Wasserexperte. Äcker verdorren an der Oberfläche, das Grundwasser unter der Erde sinkt vielerorts immer weiter ab. „Auch wenn es doch mal regnet, verdunstet das meiste Wasser aufgrund der unerträglichen Hitze, bevor es in die Tiefe sickern kann.“
Es gibt auch gute Nachrichten: In der Süd- und Oststeiermark sowie in Kärnten konnten starke Juni-Niederschläge einen Teil des Grundwasserdefizits wettmachen.
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