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Chronik Österreich
09/20/2021

Nach dem Tod zweier Mädchen: Familien und Anwälte fordern Änderung im Asylsystem

Manuela wurde von einem syrischen Flüchtling ermordet. Vier afghanische Männer sollen für den Tod von Leonie verantwortlich sein.

von Michaela Reibenwein

"Ich habe den Mord an meiner Tochter nicht verhindern können. Der Mörder meiner Tochter ist als Schutzbedürftiger nach Österreich gekommen. Er ist schon zuvor straffällig geworden", sagt Manuela K.

"Mein größter Wunsch ist: Mein Kind könnte noch leben. Hätten wir eine andere Asylpolitik, strengere Regeln....", sagt Hannes W.

"Die Politik muss aufwachen. Das soll keinem anderen Mädchen mehr passieren", sagt Mutter Melanie P.

Es sind die Stimmen der Angehörigen, mit denen die Anwälte Florian Höllwarth und Johannes Öhlböck am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien aufmerksam machen wollen. Es sind die Eltern der toten Mädchen Manuela (16) und Leonie (13).

Manuela wurde im Jänner 2019 in Wiener Neustadt von einem jungen Syrer ermordet. Leonie wurde im vergangenen Juni sexuell missbraucht und schließlich leblos auf einem Grünstreifen in Wien-Donaustadt abgelegt. Die vier mutmaßlichen Täter, es handelt sich um Männer aus Afghanistan, befinden sich in U-Haft bzw. Auslieferungshaft. Zumindest einer von ihnen war vorbestraft.

"Es geht nicht um Rache"

Höllwarth und Öhlböck vertreten die Hinterbliebenen. Und sie betonen: "Den Eltern geht es nicht um Rache." Es gehe vielmehr um eine "Änderung des Systems". "Am Ende des Tages soll hier aber nicht das Stichwort Fremdenhass stehen", sagt Öhlböck.

Sie haben fünf Punkte ausgearbeitet, um derartige Taten künftig möglichst zu verhindern - auch in Absprache mit den Eltern.

Rasch integrieren 

Ein Punkt sei die Integration bzw. Betreuung von Asylwerbern. So müssten Asylwerber rasch in den Arbeitsmarkt integriert werden, auch ausreichendes Sportangebot soll helfen. "Diese Menschen brauchen eine Perspektive. Was spricht dagegen, wenn sie sich etwas verdienen können und mit anderen Menschen zusammenkommen?"

Verpflichtender Deutsch- und Werteunterricht sei ein wesentlicher Punkt. Ebenso wie der Kindergartenbesuch bei kleinen Kindern oder freiwillige Arbeit - was auch kontrolliert werden müsse. Asylbetreuer würden eine eigene Ausbildung benötigen.

Kurze Verfahren

Ein weiterer Punkt betrifft das Asylverfahren selbst. So müssten Asylwerber schon beim ersten Interview mit Anwalt und gerichtlich beeidetem Dolmetsch beigestellt werden - um Verfahrensfehler zu vermeiden und die Verfahrensdauer zu verkürzen. Zudem sollen die Altersangaben schon zu Beginn eines Verfahrens überprüft werden.

Volle Härte fordern sie bei straffällig gewordenen Asylwerbern. "Bedingungslose Abschiebung", lautet hier das Credo der Anwälte. Und wenn das rechtlich gar nicht möglich ist? "Die fallen ja nicht in Österreich vom Himmel, mussten ja vorher durch andere Länder", sagen die Anwälte. Und auch das Thema Sicherungshaft bringen die beiden wieder aufs Tapet. 

Ein Expertenteam, bestehend aus Arbeitsmarkt-Experten, Polizisten, Juristen, Verhaltensökonomen aber auch Sporttrainern soll Vorgaben ausarbeiten - so der Wunsch. Man sei bereits mit dem Bundeskanzleramt und dem Innenministerium in Kontakt. "Und diese Pressekonferenz ist auch eine Bitte an das Justizministerium, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen", meinen die Anwälte.

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