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Chronik Österreich
09/18/2021

Nach dem Hundeboom: Das Schicksal der Pandemiehunde

Zu Beginn der Coronazeit nahmen sich viele einen Hund – allzu oft boten sie ihm aber nur ein Zuhause mit Ablaufdatum.

von Valerie Krb

Zwei Mal musste das Tierschutzhaus Vösendorf diesen Sommer bereits wegen Überfüllung schließen. Dabei ist es Österreichs größtes Tierheim und kann bis zu 250 herrenlose Hunde versorgen. Aber es waren einfach zu viele Anfragen, um Tiere abzugeben. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Grazer Tierheim, das derzeit fast voll ist. Und in Linz, wo sowieso schon Wartelisten für Abgaben geführt werden.

Tierheime im ganzen Land müssen abfangen, was Menschen aufgrund von Blauäugigkeit und Langeweile verursacht haben. Sich nämlich unüberlegt während der Pandemie einen Hund zuzulegen.

Google-Suche verdoppelt

„Der Hundeboom während Corona war massiv. Das hat in der zweiten Wochen des ersten Lockdowns begonnen“, sagt Oliver Bayer vom Tierschutzhaus Vösendorf. Die Google-Suchanfragen zu „Welpen kaufen“ haben sich seit dem Frühjahr 2020 mehr als verdoppelt. In Wien gab es ein Plus von 23,6 Prozent bei den Hundeanmeldungen.

Im Juni dieses Jahres wendete sich das Blatt, und viele wollten ihr neues Haustier wieder loswerden. Konkret haben sich die Anfragen für Abgaben im Tierschutzhaus Vösendorf vervierfacht. „Wir wussten, dass das passieren wird. Aber wir waren überrascht, dass es so früh losging“, sagt Bayer.

Corona öffnete auch dem skrupellosen Geschäft der Welpenmafia Tür und Tor. Laut Schätzungen der EU werden jedes Monat 50.000 Welpen illegal gehandelt. In osteuropäischen Vermehrungsstationen gezüchtet, werden sie viel zu klein und meist schwerkrank über das Internet angeboten. „Es gibt immer noch Menschen, die es nicht obskur finden, sich um halb zwölf Uhr in der Nacht auf einem Parkplatz in Gramatneusiedl einen Hund zu holen“, meint Bayer. Sind sie zu krank, um noch verkauft zu werden, werden sie ausgesetzt. Und landen zum Beispiel im Tierquartier Wien. Dieses ist zuständig für behördlich abgenommene, freilaufende oder eben ausgesetzte Tiere. „Viele sterben kurz danach. Aber wir haben auch Anfragen von Menschen, die sich so einen Hund zugelegt haben und die Tierarztkosten nicht mehr tragen können“, erklärt Evelyn Horak vom Tierquartier.

629.120 Hunde leben laut einer Erhebung der Statistik Austria aus dem Vorjahr in Österreichs Haushalten.

Mischlinge sind in Wien am beliebtesten, gefolgt vom Chihuahua. In NÖ ist Letzterer sogar am gefragtesten.

53 Euro geben Hundebesitzer im Schnitt pro Monat für ihren Vierbeiner aus.

Hund sucht Halter

Wohlüberlegt und gut informiert sollte die Anschaffung eines vierbeinigen Begleiters also ablaufen. In Vösendorf befragt man Interessenten genau nach den Lebensumständen und empfiehlt ein Tier, das dazu passt. „Wenn jemand in einer kleinen Wohnung lebt und kaum Zeit hat, werden wir ihm keinen Husky mitgeben“, meint Bayer. Und wenn es unbedingt ein Rassehund sein muss, empfiehlt er: nur vom österreichischen Züchter, wo man die Elterntiere kennenlernt und alle Papiere bekommt. „Ein guter Züchter sucht den Halter seines Welpen genau aus und gibt sie nicht irgendwem.“

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