Chronik | Österreich
27.11.2018

Nach Bluttat in Innsbruck: Eine Ausgehmeile im Brennpunkt

Die „Bögen“ sollen Versuchslabor für ein Waffenverbot werden. Ein Test, der abgewartet werden sollte. Eine Analyse

Ein Stich in den Hals hat in der Nacht auf Sonntag einen 21-Jährigen Vorarlberger in Innsbruck aus dem Leben gerissen. Ein 24-jähriger Afghane ist tatverdächtig. Am Mittwoch wird über die Verhängung der U-Haft entschieden. Die Ermittlungen laufen indes weiter.

Die Innsbrucker Bogenmeile, an deren Ende sich die schreckliche Bluttat ereignet hat, steht einmal mehr im Fokus. Ab 1. Dezember soll das Ausgehviertel, wie berichtet, zur Waffenverbotszone werden. Ehe diese Maßnahme erprobt werden kann, fordert Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) bereits die Prüfung weiterer Zonen in anderen Bundesländern.

Fußstreifen und mehr Polizisten gefordert

Niemand wird bestreiten, dass Besucher von Partymeilen keine Waffen mit sich führen sollen. Doch ein Praxistest der durch eine Novelle im Sommer ermöglichten Verbotszonen wäre durchaus angebracht. Ansonsten droht die Verordnung einer Beruhigungspille ohne Wirkung. Offene Fragen rund um die Umsetzung und Wirksamkeit der Maßnahme gibt es, wie berichtet, genügend.

„Das Wesentliche ist der Vollzug. Und dafür braucht es Präsenz“, merkte etwa Tirols Landeshauptmann und Ex-Innenminister Günther Platter (ÖVP) am Dienstag zu der Verordnung, die er grundsätzlich begrüßt, kritisch an.

Er fordert von Kickl Klarheit über die versprochene Aufstockung der Polizeikräfte und für Tirol 300 Stellen mehr. „Fußpatrouillen sind in Hotspots dringend notwendig“, sagte Platter.

Generelle Entwicklung

Eine gewisse Polizeipräsenz in einer Ausgehmeile ist ungeachtet des tragischen Todesfalls wohl nie ein Fehler. Denn dort wo Alkohol fließt, münden Auseinandersetzungen mitunter in Gewalt. Die aufgebrachte Brutalität – bis hin zum vermehrten Einsatz von Stichwaffen – hat freilich auch abseits von Ausgeh-Hotspots zugenommen – ein grundlegendes Problem, für das die Bogenmeile nur ein Brennpunkt ist.

Hier wird seit Mitte der 1990er-Jahre gefeiert. Seither unter anderem dort beobachtet: Ein Schläger, der ohne Anlass einem Lokalgast das Gesicht mit der Faust zertrümmert, randalierende Neo-Nazis und Wirte, die Störenfriede aus dem Lokal befördern.

29 Gastro-Bögen

An der Tagesordnung waren und sind Gewalttaten in den von großteils friedlichen Besuchermassen frequentierten Bögen, von denen 29 gastronomisch genutzt werden, dennoch nicht. Aber Schärfe und Zahl der Delikte haben laut Exekutive zugenommen.

Zudem soll sich die Dealerszene – von anderen Hotspots vertrieben – vermehrt in der Bogenmeile umtreiben. Auch der Bluttat Samstagnacht dürfte ein Drogengeschäft in einem Bogen-Lokal vorausgegangen sein.