© Roland Pittner

Chronik Österreich
09/05/2019

Mutter starb bei Schussunfall: Betroffenheit in Heimatgemeinde

Schuss aus Flinte soll sich „gelöst“ haben, als ihr 19-jähriger Lebensgefährte sie von der Wand nahm.

von Roland Pittner, Michael Pekovics

Am Tag nach dem tragischen Tod einer 19-jährigen Mutter herrscht in der oststeirischen Gemeinde Fehring (Bezirk Südoststeiermark) beziehungsweise dem Ortsteil Hohenbrugg tiefe Betroffenheit über die tragischen Umstände.

„Wenn so etwas passiert, ist das Wahnsinn, auch wenn ich die junge Frau nicht persönlich gekannt habe“, sagt ein Nachbar der Familie, die eines der etwa zehn Häuser in der Streusiedlung (Rotte) Ahrbach bewohnt.

Weder er noch ein weiterer vom KURIER befragter Nachbar hatten den Schuss gehört, der sich am Mittwochabend gegen 21.20 Uhr aus einer Hahnbüchsflinte, einer Langwaffe mit je einem Schrot- und einem Kugellauf, laut Polizeiangaben „gelöst“ hatte und die 19-jährige Mutter direkt ins Gesicht traf.

Tödlicher Schuss

Wie sich der Vorfall genau zugetragen hat, ist Gegenstand weiterer Erhebungen. Bislang ist bekannt, dass die Jungfamilie – zwei 19-jährige Eltern und ihr dreieinhalb Monate alter Sohn – am Mittwoch aus dem burgenländischen Mogersdorf (Bezirk Jennersdorf) nach Hohenbrugg ins Elternhaus des jungen Vaters umgezogen ist.

In Mogersdorf waren sie zum Zeitpunkt des Vorfalls noch offiziell in einer Genossenschaftswohnung als Hauptwohnsitzer gemeldet, Bürgermeister Josef Korpitsch hatte der jungen Familie erst unlängst zur Geburt ihres Sohnes gratuliert. „Dass sie einen Umzug planen, habe ich bereits gehört“, sagt Korpitsch. Engeren Kontakt habe er aber nicht gehabt.

In den späten Abendstunden waren die beiden Lebenspartner laut Polizei mit ihrem Kind alleine im Haus und hielten sich im Schlafzimmer im ersten Stock auf – Medienberichten zufolge soll es das ehemalige Kinderzimmer des jungen Vaters gewesen sein.

Gegen 21.20 Uhr soll der 19-Jährige die an der Wand aufgehängte Flinte heruntergenommen haben. Aus einem bisher noch unbekannten Grund löste sich aus der vermeintlich ungeladenen Waffe ein Schrotschuss und traf die 19-jährige Mutter im Gesichts- und Halsbereich. Ihr Freund lief zu seinem im Nebenhaus wohnenden Onkel, um Hilfe zu holen. Dieser alarmierte Rettung und Polizei. Der Notarzt konnte allerdings nur mehr Tod der 19-jährigen Frau feststellen.

Ermittlungen laufen

Das Landeskriminalamt Steiermark übernahm die weiteren Ermittlungen im Fall. Die Staatsanwaltschaft Graz ordnete eine Obduktion an. Außerdem wurde eine Blut- und Harnuntersuchung beim Jungvater angeordnet, um herauszufinden, ob er getrunken hatte oder unter Einfluss anderer Mittel gestanden war.

Die Angehörigen und der 19-Jährige wurden von einem Kriseninterventionsteam betreut. Wegen seines angegriffenen psychischen Zustandes musste der junge Mann in eine Nervenklinik gebracht werden. Bezüglich einer möglicherweise unsachgemäßen Verwahrung der Waffe wird noch ermittelt. „Noch ist nicht ganz klar, ob sie tatsächlich an der Wand hing und wem sie überhaupt gehört“, sagt Polizeisprecher Leo Josefus. Erkenntnisse zu diesen Fragen werden in den kommenden Tagen erwartet. Derzeit geht die Polizei von „grob fahrlässigem Handeln“ aus.