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Moore in Österreich: Zustand hat sich deutlich verschlechtert

Forscher der Uni Wien verglichen den Zustand von rund 200 Mooren mit der Situation von Ende der 1980er-Jahre und empfehlen rasche Schutzmaßnahmen.
Moore werden renaturiert

Zusammenfassung

  • Der Zustand der Moore in Österreich hat sich seit den 1980er-Jahren deutlich verschlechtert: weniger Feuchtigkeit, mehr Nährstoffe, moortypische Pflanzen werden verdrängt.
  • Klimawandel, veränderte Landnutzung und höhere Nährstoffeinträge führen zu stärkerer Durchlüftung und Torfabbau, wodurch gefährdete Moorarten zunehmend Konkurrenz bekommen.
  • Dringende Schutzmaßnahmen wie Extensivierung der Landwirtschaft und Wiedervernässung sind nötig, da nur wenige Moore Verbesserungen zeigen.

Der Zustand der Moore in Österreich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verschlechtert. Sie sind im Mittel weniger feucht und auch nährstoffreicher als Ende der 1980er-Jahre, und moortypische Pflanzen werden zunehmend verdrängt, wie eine am Montag in Bad Goisern (OÖ) präsentierte Studie der Uni Wien zeigt. In dieser wurde die Biodiversität in rund 200 Mooren mit der Situation vor 35 Jahren verglichen. Rasche Schutzmaßnahmen wären notwendig, so das Forschungsteam.

"Moore sind Klimahelfer, Kläranlagen, Hochwasserschutz und Dürreversicherung in einem", erklärte der Geoökologe Stephan Glatzel vom Institut für Geographie und Regionalforschung der Universität Wien. Denn diese Feuchtgebiete speichern Kohlenstoff, kühlen ihre Umgebung, filtern das durch sie hindurchfließende Wasser und wirken wie Schwämme. Zudem sind sie wichtige Rückzugsorte für bedrohte und endemische Arten.

1988 hat der Vegetationsökologe Gert Michael Steiner von der Uni Wien für die Erstellung des Österreichischen Moorschutzkatalogs rund 200 Moore untersucht. Mehr als drei Jahrzehnte später hat nun das Team um Glatzel in einem vom Biodiversitätsfonds 2021 des Landwirtschaftsministeriums und der EU geförderten Projekt überprüft, ob sich in diesen Naturlandschaften die Vegetation und damit die Standortbedingungen geändert haben.

Weniger Nässe, mehr Schatten und Nährstoffe

Tatsächlich hat sich der Zustand deutlich verschlechtert: Im Mittel sind Österreichs Moore heute weniger nass, mehr beschattet und nährstoffreicher als vor 35 Jahren. "Die Klimaerwärmung spielt dabei sicher eine Rolle", erklärte Projektkoordinatorin Pamela Baur gegenüber APA. So würden etwa niederschlagsgespeiste Hochmoore durch die höhere Verdunstung und veränderte Niederschlagsverteilung und -menge beeinflusst. Auch die grundwassergespeisten Niedermoore seien aufgrund geringerer Grundwasserneubildung und damit niedriger Grundwasserstände von der Klimaerwärmung beeinflusst.

Wie entscheidend die Rolle des Klimawandels sei, lasse sich aber mit den in der Studie erhobenen Daten nicht quantifizieren, auch andere direkte und indirekte anthropogene Faktoren hätten Einfluss. "So konnten wir aufgrund der großen Anzahl an untersuchten Mooren nicht für jeden einzelnen Standort alle möglichen Nutzungsänderungen, Drainageerneuerungen etc. im Einzugsgebiet untersuchen", sagte Glatzel zur APA.

Durchlüftung führt zu Abbau von Torf

Der sinkende Wasserstand führt jedenfalls dazu, dass die Poren vom Torf nicht mehr ständig oder deutlich weniger mit Wasser gefüllt und daher stärker durchlüftet sind als vorher. "Dadurch kommt mehr Sauerstoff in den Torf und dessen Zersetzung nimmt deutlich zu", so Baur. Zu diesem Abbau trägt auch das Auftreten nicht moortypischer Pflanzen bei, die über ihre Wurzeln mehr Sauerstoff in den Torf bringen.

Geringere Wassersättigung und höhere Durchlüftung führen zu einer höheren Artenzahl in den Mooren. "Das klingt zwar gut, ist allerdings im Fall der Moore problematisch, weil es bedeutet, dass die moortypischen, oft stark gefährdeten Arten zunehmend Konkurrenz bekommen und von anderen Pflanzen verdrängt werden", so Baur. So finden sich immer mehr Gehölzpflanzen wie Latschen oder Birken in Mooren und auch nicht moortypische krautige Arten wie das Pfeifengras. "Wenn die Flächen verbuschen, kommt weniger Licht auf den Boden und moortypische Pflanzen wie die Torfmoose, die das Licht brauchen, können nicht mehr wachsen", sagte Glatzel.

Fast überall haben die Forscherinnen und Forscher auch einen höheren Nährstoffeintrag festgestellt, "der uns Sorgen macht. Denn die moortypischen Pflanzen haben in nährstoffreicher Umgebung keine Chance zu überleben, dann setzen sich die konkurrenzfähigeren nährstoffliebenden Arten durch". Die Ausnahme bildet hier nur der Moortyp "Großseggenriede", wie sie etwa im Klagenfurter Becken vorkommt und ohnedies an viele Nährstoffe gewohnt ist. Als Gründe für den höheren Nährstoffgehalt nennt Glatzel die Austrocknung, durch die der Torf mineralisiert und sich dabei Stickstoff im Boden anreichert, Nutzungsänderungen im Umland, durch die mehr Düngemittel in einem Moor landen, und schließlich hohe atmosphärische Stickstoffdispositionen, die aus Landwirtschaft, Verkehr und allen Verbrennungsprozessen stammen.

Schäden unterschiedlich ausgeprägt

Auch wenn sich im Mittel der Zustand aller Moorlebensräume verschlechtert hat, sind die Schäden der Studie zufolge nicht überall gleich ausgeprägt: Bei etwa einem Drittel der rund 200 untersuchten Moore sei der Trend so negativ, dass dringend Schutzmaßnahmen notwendig seien. Bei etwa 60 Prozent seien die Veränderungen gegenüber 1988 vergleichsweise weniger schlimm, was darauf hindeute, dass viele Moore noch relativ resilient sein könnten. "Dennoch sollte man auch hier an Moorschutz-Maßnahmen denken, um ihre Funktionen auch für die Zukunft zu erhalten", so Glatzel.

Als Schutzmaßnahmen nennt der Experte neben der Eindämmung von Klimawandelfolgen eine Extensivierung der Landwirtschaft im Umfeld von Mooren, um Nährstoffeinträge zu verringern. Zudem geht es darum, einst zur Entwässerung angelegte Gräben wieder zu schließen, damit das Wasser nicht mehr so schnell abfließt.

Revitalisierte Moore

Verbessert hat sich der Zustand nur bei fünf Prozent der untersuchten Moorlebensräume. Bei drei Mooren ist eine Verbesserung in den nächsten Jahren zu erwarten: Im Zuge des Projekts wurden in Kooperation mit den Bundesforsten (ÖBf) in Gosau und Bad Ischl das "Große Langmoos", das "Torfmoos" und die "Moosklausalm" auf Flächen des ÖBf-Forstbetriebs Inneres Salzkammergut revitalisiert und dort Infotafeln über diese Lebensräume angebracht. Diese sind ebenso im Internet abrufbar wie vier Podcast-Folgen, die das Team im Zuge des Projekts produziert hat.

Hier geht es zum Podcast Moorvielfalt der Uni Wien.

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