Chronik | Österreich
06.05.2018

Ex-Kickboxer verteidigt Ustascha-Gedenken: "Ich bin ein Patriot"

Der ehemalige Wiener Kickbox-Weltmeister Miroslav Piplica ist Mitorganisator des Treffens in Bleiburg.

Als „größtes Faschistentreffen Europas“ bezeichnet das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) die kroatische Gedenkfeier in Bleiburg, die am kommenden Samstag wieder stattfindet. Im Organisationskomitee sitzt auch Miroslav Piplica. Ehemaliger Profi-Kickbox-Weltmeister, Vorstand der kroatischen Regierungspartei HDZ in Österreich und Präsident der Vereinigung für Veteranen aus dem Kroatien-Krieg im Ausland. Er betreibt ein Lokal in Wien. Seit 1990 lebt er hier.

KURIER: Herr Piplica, die Kritik am Bleiburg-Treffen nimmt zu, nachdem es zu sichtbaren Zwischenfällen gekommen ist.

Miroslav Piplica: Im Vorjahr haben einzelne Junge gestört, die provozieren wollten. Aber manche kroatische Journalisten schleusen solche Personen ein. Den Jungen wird eine Fahne in die Hand gedrückt und sie kommen in die Zeitung. Probleme hat es hauptsächlich außerhalb des Areals gegeben.

Warum sollten Journalisten das tun?

Wir glauben, dass das von bestimmten NGOs aus Kroatien initiiert wird, die das Ganze verbieten wollen. In Kroatien gibt es einen enormen Unterschied zwischen linken und rechten Politikern. Für die richtigen Kroaten war immer die Zusammenkunft bei der Heiligen Messe wichtig, die Ehrerbietung gegenüber den Opfern.

Zu welchem politischen Lager zählen Sie sich?

Ich bin ein Patriot und ich liebe mein Land. Aber ich lebe in Österreich, und sollte Österreich irgendwann Krieg führen, wäre ich an seiner Seite.

Wo hört Patriotismus auf und wo beginnt Nationalismus?

Im Nationalismus geschehen extreme Dinge. Dagegen bin ich. Ich habe hier in Wien nie ein Problem unter Kroaten, Serben, Muslimen etc. erlebt. Selbst wenn Kroaten gegen Serben Fußball spielen, gibt es hier keine Probleme.

Haben Sie serbische Freunde?

Heute ist es schwer, Freunde zu haben. Aber ich habe Bekannte. Die Kellnerin, die seit drei Jahren bei mir arbeitet, ist Serbin. Ich hasse niemanden. Ich begrüße jeden mit Handschlag.

Als Freund bezeichnen Sie Dario Kordic, einen verurteilten Kriegsverbrecher. Er wurde für Verbrechen im Dorf Ahmici verantwortlich gemacht, in dem 116 Bosniaken, darunter 32 Frauen und elf Kinder, ermordet wurden.

Er ist ein guter Freund, ich habe auch ein Buch über ihn geschrieben. Ich kann garantieren, dass Kordic niemals den Befehl gegeben hat, jemanden umzubringen. Es hat Verbrechen gegeben. Und die müssen verurteilt werden. Aber dieser Prozess war eine politische Aktion. Kordic war 17 Jahre unschuldig in Haft.

Aber er ist zu 25 Jahren Haft verurteilt worden (er wurde frühzeitig entlassen, Anm.).

Es gab keine Beweise für seine angeblichen Untaten.

Das DÖW hat die Veranstaltung als größtes Faschistentreffen Europas bezeichnet.

Sicher nicht. Hier treffen sich Leute, die Freude über die Selbstständigkeit Kroatiens zeigen. Die Organisatoren haben nie gewollt, dass jemand mit diesen Abzeichen oder Fahnen kommt.

Aktuell wird ein Verbot dieser Symbole in Österreich diskutiert. Sind Sie dafür?

Generell bin ich gegen Verbote. Aber an diesem Ort sollten sie verboten werden.

Sie werden wieder teilnehmen?

Ich fahre mit meiner Frau und den zwei Kindern hin. Wir werden die Messe besuchen und dann essen gehen. Das wird ein schöner Ausflug.