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Chronik Österreich
05/06/2020

Millionendeal bei Anker-Fabrik: Wie viel verdient Ex-Kanzler Faymann daran?

41 Millionen Kaufpreis - nach nur wenigen Monaten wurde ein satter Gewinn gemacht.

von Dominik Schreiber, Kid Möchel

Die Ankerbrotfabrik in der Wiener Absberggasse 35-37 hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie wurde 1891 als Wiener Brot- und Gebäck-Fabrik von Heinrich & Fritz Mendl errichtet. Viele Besitzerwechsel gab es in den folgenden 129 Jahren. Diese Woche wurde durch einen Bericht des Gewinn ein weiterer bekannt.

Mittendrin ist Österreichs ehemaliger Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), der nun daran mit verdient. Was bisher unbekannt ist, ist, wie viel Gewinn der ehemals ranghohe SPÖ-Politiker bei diesem Deal macht.

Der KURIER begab sich auf Spurensuche:

Die vier Hektar umfassende Ankerbrot-Liegenschaft wurde erst Mitte Juni 2019 um 33,25 Millionen Euro an die CNG Immobilienentwicklung GmbH verkauft. Die CNG gehört über eine Zwischengesellschaft der Imfarr Beteiligungs GmbH der Wiener Investorenfamilie Farrokhnia, an der wiederum die 4Pro Projektmanagement- und KommunikationsgmbH etwas mehr als sechs Prozent hält. Letztere gehört je zur Hälfte Faymann und seinem früheren Sprecher Matthias Euler-Rolle.

Zwischengeparkt

Doch es hat den Anschein, dass das Ankerbrotareal bei der CNG eigentlich nur zwischengeparkt war. Denn schon einen halbes Jahr später, am 27. Dezember 2019, verkaufte die CNG laut Aktenlage die zum Teil denkmalgeschützte Liegenschaft an die Projektgesellschaft Allora Alpha um Immobilienentwickler Peter Ulm.

Der aktuelle Kaufpreis beträgt laut Vertrag 41 Millionen Euro, davon entfallen 30 Millionen Euro auf die Übernahme eines Hypothekarkredits und nur elf Millionen Euro sollen cash geflossen sein. Zugleich soll ein weiteres Hypothekar-Pfandrecht in Höhe von 5,5 Millionen Euro beglichen worden sein.

Sollte es dem Käufer gelingen, eine Umwidmung des Industriegebiets (IG) in eine höhere Kategorie bis Ende Juni 2023 zu erreichen, und dadurch deutlich mehr Bruttogrundfläche erzielen, sollen noch bis zu fünf Millionen Euro an die Verkäufer als Nachbesserung fließen.

Das Closing des Kaufs des Ankerbrotareals wurde am 15. März durchgeführt. Auf Deutsch: Der Deal ist seit diesem Tag endgültig in trockenen Tüchern – mit einem saftigen Millionengewinn für das Faymann-Konsortium.

Vorschüsse bleiben bei Konsortium

Die Käuferin Allora Alpha übernimmt auch den Pachtvertrag mit der Ankerbrotfabrik, die noch ein paar Jahre dort weiterproduzieren will. Auffällig und überraschend dabei ist aber, dass die von Ankerbrot geleisteten Mietzinsvorauszahlungen bei der Verkäuferin verbleiben.

Was hat nun der frühere Bundeskanzler an diesem Deal verdient? Das kann man nur über den Daumen hochrechnen. Sind elf Millionen Euro Cash geflossen, würde Faymanns Firma theoretisch auf einen Anteil von 660.000 Euro kommen. Doch davon sind wahrscheinlich noch diverse Kosten abzuziehen.

Hälfte geht an ehemaligen Kanzlersprecher

Wird der Kaufpreis durch eine Umwidmung des Ankerbrotareals noch um fünf Millionen Euro auf 46 Millionen Euro nachgebessert, fließen so alleine 300.000 Euro an die Faymann-Firma. Da Faymann und Euler-Rolle je 50 Prozent an der Firma halten, müssen die Beträge  noch durch zwei geteilt werden. Und am Ende müssen diese Einnahmen noch versteuert werden.

Übrig dürfte für Faymann bei dem Deal wohl etwa das Jahresgehalt eines Bundeskanzlers bleiben. Das sind rund 300.000 Euro brutte beziehungsweise 180.000 netto.

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