Chronik | Österreich
29.07.2017

Millionenbetrug: Fünffacher Mutter droht neuerlich Haftstrafe

Staatsanwaltschaft geht von mehr als 1,6 Millionen Euro Schaden aus. 47-Jährige gaukelte Geldgebern unter anderem vor, ihr Mann sei schwer krank. Auch bekannte Klöster sind unter den Geschädigten.

Im Juli 2015 wurde die mehrfach vorbestrafte Claudia W. am Salzburger Landesgericht wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, ein Jahr davon unbedingt. Ein Lerneffekt ist bei der Frau aber offenbar nicht eingetreten. Die 47-Jährige muss sich am 9. August neuerlich wegen massiver Betrugsvorwürfe vor Gericht verantworten.

Wie im Dezember berichtet, soll Claudia W. einen Salzburger Teppichhändler um rund 280.000 Euro gebracht haben. Dabei dürfte es nicht geblieben sein, wie die umfangreichen Ermittlungen ergaben. Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau mehr als 900.000 Euro Schaden vor. Bei weiteren knapp 700.000 Euro seien ihre Betrugsversuche gescheitert. Das geht aus der Anklageschrift hervor, die dem KURIER vorliegt.

Zu den mutmaßlichen Opfern der Frau zählen unter anderen ein Mann (220.000 Euro Schaden), den sie über das Internet kennengelernt hatte, und ein Möbelhaus (85.000 Euro).

Auch auf das Vermögen der Katholischen Kirche hatte es die Frau augenscheinlich abgesehen. Sie soll sechs Einrichtungen um insgesamt 290.000 Euro geprellt haben. Darunter befinden sich die namhaften Stifte Melk und Heiligenkreuz (beide NÖ) sowie Admont (Steiermark). Laut Anklage gaukelte die Frau zumeist vor, ihr Mann sei schwer erkrankt, um an Darlehen zu kommen. Sie schreckte offenbar auch nicht davor zurück, mit ihrem Kleinkind vorstellig zu werden, um Mitleid zu erregen.

W. wollte sich laut Anklage in ihren Einvernahmen nicht zur den Vorwürfen äußern. Auch ihr Anwalt Kurt Jelinek möchte die Causa nicht näher kommentieren, meint aber, seine Mandantin sei "teilweise geständig".

Gab vor, Autorin zu sein

Für die mutmaßliche Wiederholungstäterin klickten Mitte Dezember in der Nähe von Bad Tölz (Bayern) die Handschellen. Sie wurde von den österreichischen Behörden mit internationalem Haftbefehl gesucht. Davor soll sich die 47-Jährige auf der Nordseeinsel Sylt als Autorin ausgegeben haben, um einen Computerhändler und drei ihrer Vermieter zu betrügen.

Kurios: Die Frau hatte nach ihrem Schuldspruch 2015 ihre Haftstrafe noch nicht verbüßt. Da sie schwanger war, kam sie vorübergehend auf freien Fuß. Sie musste daher nach ihrer erneuten Festnahme noch einen Teil ihrer Gefängnisstrafe absitzen. "Mittlerweile befindet sie sich in Untersuchungshaft", sagt Staatsanwaltschafts-Sprecherin Barbara Fischer. Der Angeklagten drohen im Falle einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft.