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Chronik Österreich
06/15/2021

Long Covid: "Es ist eine heimtückische Krankheit"

Noch lange nach der Infektion mit Corona leiden zehn bis 20 Prozent der Betroffenen an den Folgen. Viele brauchen auf ihrem Weg zurück ins Leben die Hilfe einer Reha-Klinik.

von Elisabeth Holzer

Manuela Unterweger kann wieder lachen. So richtig, mit einem breiten Grinsen. Das ging lange nicht: Covid-19 lähmte die linke Gesichtshälfte der Steirerin, verbunden mit „Kopfschmerzen, als ob jemand einen Nagel in dich hinein treibt“, wie Unterweger sagt. „Ich bin eine robuste Frau, aber das war kaum auszuhalten.“

Die 49-Jährige ist einer jener Menschen, die an Long Covid leiden – Folgen einer Corona-Erkrankung, die erst lange nach der akuten Infektion auftreten.

Primar Karl Horvath und sein Team betreuen im Klinikum Bad Gleichenberg rund 40 Betroffene. Etwa ein Drittel aller Patienten in der Reha-Einrichtung wird derzeit wegen Long Covid behandelt.

„Es gibt Marathonläufer, die bei uns jetzt ein Problem haben, ein Stockwerk zu gehen“, sagt Horvath. „Covid macht etwas mit den Leuten, das ist klar.“

Schwere Folgen

Von Long Covid sprechen die Experten, wenn mit dem Coronavirus Infizierte nach dem akuten Verlauf krank bleiben oder erst danach so heftig erkranken, dass sie eine Behandlung brauchen.

Nationalratsabgeordneter Michel Reimon (Grüne) machte jüngst seine Long-Covid-Situation bekannt, auffallend dabei: Der Politiker wurde nie als infiziert diagnostiziert. Er hatte also einen symptomlosen Verlauf – mit umso schwerwiegenderen Folgen.

Neben Lungenschäden treten Mattigkeit, Abgeschlagenheit, dauernde Erschöpfung auf Symptome, die mittlerweile als Fatigue-Syndrom zusammengefasst werden.

Doch das ist noch nicht alles: Geruchs- und Geschmacksstörungen, Konzentrationsprobleme, Hirnschädigungen sind bekannte Corona-Folgen, die zeitverzögert auftreten können.

„Es sind viele Krankheiten, die durch diesen einen Erreger ausgelöst werden“, sagte etwa Karlheinz Tscheliessnigg, Vorstand der steirischen Krankenanstaltengesellschaft, vor Kurzem.

Entzündeter Sehnerv

Wie bei Manuela Unterweger: Die 49-Jährige infizierte sich im Dezember. Sie musste zwar nicht stationär in ein Spital, laboriert aber seither an Corona-Folgen: „Dieses Virus hat leider den Kopfnerv in Mitleidenschaft gezogen, die linke Gesichtshälfte war geschwollen, der Sehnerv entzündet.“

Der Rückzug von den Menschen, die sie sonst gern um sich hatte, machte fast so zu schaffen wie die Schmerzen selbst. „Dir tut alles weh, du willst dann niemanden mehr sehen“, erinnert sich die Steirerin. „Das ist eine heimtückische Krankheit. Schrecklich, was die mit einem macht.“

Genau dieses „breite Spektrum“ an Schäden ist für Primar Horvath ein Spezifikum von Long Covid. Ein weiteres sei, dass „sehr viele Leute erst Wochen oder Monate nach der Infektion von schweren Symptomen betroffen sein können“, sagt der Mediziner.

Training auf der Treppe

Arno Fischbacher, Stimmtrainer aus Salzburg, kämpfte neben der Müdigkeit und Erschöpfung auch noch mit Geruchsverlust. „Ich rieche fast nichts. Aber ich arbeite daran, das bisschen, was noch an Erinnerung da ist, mit Gerüchen zu verknüpfen. Ein Kraut irgendwo oder mein eigenes Deodorant.“

Doch es gibt Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität, seine Lunge erhole sich schon gut. „Hier wohne ich im fünften Stock, da gehe ich zu Fuß hinauf. Meine Regel lautet: kein Lift“, sagt Fischbacher. „Die ersten Male habe ich geschnauft wie ein Berserker. Aber jetzt geht es deutlich besser.“

Auch Manuela Unterweger will bald wieder ihrer Passion nachgehen, dem Wandern: Erlebte sie vor der Covid-Erkrankung noch Sonnenaufgänge auf Berggipfeln in der Obersteiermark, „war ich nachher fix und fertig, wenn ich nur in den zweiten Stock gehen wollte. Da habe ich mich dann hinlegen müssen. Die normalsten Sachen waren mühsam.“

Während der Reha sei sie erstmals wieder auf „einen Hügel“ gegangen, erzählt sie: „Man glaubt gar nicht, wie ich mich darüber gefreut habe.“

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