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Chronik Österreich
04/13/2020

Lernen aus der Corona-Krise: Was wir nicht mehr missen wollen

Digitale Rezepte, mehr E-Learning und den älteren Nachbarn helfen: Welche Notmaßnahmen sich bewährt haben.

von Elisabeth Holzer, Michaela Reibenwein

Die Maßnahmen, die die Verbreitung des Coronavirus eindämmen sollen, sind einschneidend: Schulen wurden geschlossen, gearbeitet wird im Homeoffice. Es gibt kein Treffen mit Freunden nach Dienstschluss, das ist a) untersagt und b) haben die Lokale sowieso noch zu.

Aber nicht alles ist schlecht. Den Arzt anrufen, um seine Medikamente zu bekommen? Online Lernunterlagen herunterladen? Für die älteren Nachbarn einkaufen gehen? Türen der Öffis, die sich ohne Knopfdruck an Haltestellen öffnen? Das hat Potenzial, dauerhaft zu bleiben. Hier ein Überblick über positive Entwicklungen in einer schwierigen Zeit.

Medikamente per Mausklick

Lange wurde darüber nachgedacht, aber erst durch den Druck der Corona-Krise wurde es extrem flott  umgesetzt: das  elektronische Rezept.


Es erspart den Patienten oder den Menschen, die derzeit für Senioren Besorgungen machen, den (Um-)Weg  in die Ordination. Ärzte können seit Mitte März Rezepte auch nach einem Anruf ausstellen und in der eMedikation des Patienten speichern. Apotheker können darauf zugreifen; um die  Arzneien abzuholen, sind bloß Name und Sozialversicherungsnummer des Empfängers nötig. Auch das Stecken der eCard entfällt. Das ist praktisch.

Virtuelle Klassen

Zugegeben, ausschließlich zu Hause unterrichtet zu werden oder von daheim aus zu unterrichten, kann kein Klassenzimmer ersetzen.


Aber: Durch die Schulschließungen wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, die das österreichische Schulsystem auf ein anderes Level hebt. Lehrer, die Unterrichtsmaterial so aufbereiten, dass sie es online stellen können. Über Chats sind sie für die Kinder und Jugendlichen in Griffweite. Gleichzeitig lernen die Schüler, selbstständig(er) zu arbeiten. Die Verschränkung von virtuellem mit realem Unterricht ist auch weiterhin reizvoll.

Chatten statt (viel) reisen

Mitarbeiter von Unternehmen müssen trotz Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen Besprechungen abhalten.    Persönliche Begegnungen  werden jetzt großteils durch Videokonferenzen ersetzt. Das gilt momentan auch für Politiker.


Leicht fortzusetzen wäre dieses Element auch nach der Krise: Deutsche Ökonomen errechneten, dass sich Firmen bis zu acht Milliarden Euro jährlich sparen könnten, würden sie auch künftig einen Teil der Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzen. Die „Fridays for Future“-Bewegung würde stellvertretend für die Umwelt applaudieren.

Behördenwege telefonisch gehen

Unterstützungen der öffentlichen Hand,  etwa die Mindestsicherung, können derzeit ohne persönliche Vorsprache in den zuständigen Ämtern beantragt werden.


Auch bei Zuschüssen  von Krankenkassen etwa zu Heilbehelfen  gelten derzeit andere, aber sehr kundenfreundliche Regeln. So können die Firmen nach Vorliegen einer ärztlichen Verordnung direkt mit der Kasse verrechnen.

Lieferservice vom Heurigen bis Haubenwirt

Die Gastronomie hat die Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Wirte müssen neue Wege beschreiten. Und plötzlich werden  Tafelspitz und Co.  vom Profi auch nach Hause geliefert.

In NÖ bringen etwa die Haubenwirte Josef Floh aus Langenlebarn oder Philipp und Christoph Wagner aus Hollabrunn ihre Speisen zum Kunden. Den Lieferservice bieten übrigens  auch schon etliche Heurigenbetriebe an.

Online bei Politik und Gottesdienst

Zur  Zeit können Interessierte etwas   miterleben, das sonst nur Journalisten zugänglich ist: Pressekonferenzen von Politikern.  Neu sind Livestreams zwar nicht, sie wurden aber bisher selten angeboten.  Sie könnten in der Zeit nach den Corona-Maßnahmen bleiben.

Das gilt auch für Online-Gottesdienste: Gläubige Menschen, die schwer außer Haus können, dürften sich freuen, wenn dieses Service bleibt.

Frisch vom Bauern - zu jeder Zeit

Plötzlich  waren sie im Supermarkt Mangelware: Einkäufer schaufelten Erdäpfel, Zwiebeln und Eier  in ihre Einkaufswagerl, als gäbe es kein Morgen.  
Aus dieser Not machen etliche Bauern eine Tugend. Sie packen ihre Lagerbestände ab und verkaufen ihre Produkte jetzt immer häufiger direkt ab Hof.

Ganz ohne persönlichen Kontakt – so wie es in Corona-Zeiten sein soll. Etliche haben kleine Holzschuppen aufgestellt und einen Stromanschluss für den Kühlschrank installiert. Und schon kann sich jeder selbst bedienen und auch bei  selbstgemachten Säften und Marmeladen gustieren.

Senioren im Alltag unterstützen

Ältere Menschen, die keine jungen Verwandten haben, hätten es derzeit ohne Nachbarschaftshilfe gerade sehr schwer.  Warum sollten diese freundlichen Gesten (beim eigenen Einkauf etwas für die alte Dame nebenan mitnehmen) nach der Krise aufhören?

Auch eigens eingerichtete Telefondienste für einsame Senioren (in Graz etwa das „Tratschofon“) dürfen ruhig bleiben.

Sprühnebel für saubere Einkaufswagen

So viel  Desinfektionsmittel wie in den vergangenen Wochen dürften weder Hände noch Gegenstände bisher abbekommen haben.
Da wäre zum Beispiel  die Sache mit den Einkaufswagerln: Deren penible Reinigung und Desinfizierung,  die die Supermärkte derzeit vor Publikum zeigen, ist eine gute Sache, wenn auch aus einer  gar nicht guten Situation geboren.

Das darf bleiben,  zum Beispiel im Hinblick auf die nächste Influenza-Welle. Apropos Grippe oder grippaler Infekt: Die simplen Regeln, die das Coronavirus am Ausbreiten hindern, helfen auch gegen Grippeviren.

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