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Chronik Österreich
05/20/2020

Leere Praxen und leere Kassen – Ärzte in Finanznot

Während des Shutdowns blieben viele Patienten aus, deshalb fehlen Einnahmen. Die Gesundheitskasse fordert nun Geld vom Bund.

von Theresa Bittermann

Die Diskussion läuft schon seit Anfang April. Sinkende Patientenzahlen während des Lockdowns führen auch zu sinkenden Einnahmen der niedergelassenen Ärzte. „Je nach Fachgebiet und Lage der Ordination gab es teilweise massive Rückgänge. Es gibt Ordinationen, die den ganzen Tag geöffnet hatten, aber nur von drei, vier Patienten besucht wurden“, sagt Christoph Reisner, Präsident der Ärztekammer Niederösterreich (ÄK NÖ). In den Zahlen werde sich das erst später niederschlagen, da die Quartale mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) immer erst nachträglich abgerechnet werden.

Seitens der ÖGK reagierte man auf die sich ankündigenden Finanzschwierigkeiten, indem man die Vorauszahlungen für die Ärztinnen und Ärzte erhöhte. Sollten die Mediziner dann allerdings weniger einnehmen als vorausbezahlt, müssen sie die Differenz ab 2021 zurückzahlen. Bis Ende 2022 soll die Frist für diese Ausgleichszahlungen laufen. Diese Lösung hält Reisner für inakzeptabel. Die Verhandlungen gingen weiter.

ÖGK fordert Bund

Nun verkündete die ÖGK, es wurden „alle Maßnahmen gesetzt, die die gesetzliche und wirtschaftliche Situation hergibt, um die Versorgung für unsere Versicherten zu gewährleisten“. ÖGK-Generaldirektor Bernhard Wurzer bedankte sich bei allen Ärztinnen und Ärzten. Seitens der ÖGK möchte man nun dabei unterstützen, die notwendigen Ausgleichszahlungen vom Bund einzufordern. „Woher das Geld kommt, ist für uns egal – wesentlich ist, wir brauchen einen Finanzausgleich“, sagt Reisner.

In dieser Diskussion gehe es aber nicht nur um finanzielle Verluste, sondern um wirtschaftliche Existenzen und die Aufrechterhaltung der Versorgung, so die Kritik der Ärztekammer. „Wenn es keinen Ausgleich gibt, werden einige das wirtschaftlich nicht überleben und es wird Lücken in der Versorgung geben“, sagt Max Wudy, Sprecher der Hausärzte bei der ÄK NÖ. Besonders kritisch sieht er die Situation im Hinblick auf eine mögliche „zweite Welle“ an Corona-Erkrankungen. „Wenn die Praxen jetzt ausgehungert werden, dann werden manche in der zweiten Welle vielleicht einfach nicht mehr offen haben. Weil wir auf eigene Kosten den Betrieb weiterführen. Gar nichts zu tun, wäre billiger für uns Hausärzte“, sagte Wudy auf Anfrage des KURIER.

Hinzu komme, dass die Bedingungen unter denen gearbeitet wurde, besonders schwierig waren. „Wir hatten ja anfangs auch kaum Schutzausrüstung“, sagt Reisner.

Diesen besonderen Einsatz der Ärzteschaft erkennt man auch seitens des Gesundheitsministeriums an. Bis Geld fließt, wird es aber noch dauern. Auf KURIER-Anfrage hieß es aus dem Ministerium: „Weitere Gespräche werden auf Basis konkreter Zahlen zu den Auswirkungen geführt werden.“ Da nicht alle Ärzte in gleichem Maß von den Einbußen betroffen waren, müsse man die Situation prüfen, um fair handeln zu können. Eine klare Zusage gab es also nicht.

Nach wie vor sind weniger Patienten als üblich in den Praxen. „Wir haben aber wieder steigende Patientenzahlen“, sagte Reisner. Er geht von einem Normalzustand im Laufe des Sommers aus.