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Wissen Gesundheit
04/09/2020

Wenn Ärzte und Pfleger das Coronavirus verbreiten

Superverbreiter: In Italien dürften bis zu zehn Prozent des medizinischen Personals mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sein.

In der Behandlung von schwer Erkrankten sind sie besonders gefragt: Ärzte und Spitalspersonal spielen eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Pandemie. Aber sie kommen den Patienten auch besonders nahe - und können sich aufgrund ihrer exponierten Situation selbst leicht mit dem SARS-CoV-2-Virus anstecken.

In Italien geht man bereits davon aus, dass acht bis zehn Prozent des gesamten medizinischen Personals betroffen sind. Am Donnerstag wurde die Schwelle von 100 toten Ärzten erreicht, berichtete die italienische Ärztekammer. Allein seit Mittwoch seien vier Mediziner gestorben. Tausende Sanitäter wurden infiziert.

Auch in China und Spanien wurde über Erkrankungen des Personals berichtet.

Besonders dramatisch ist es aber dann, wenn sie nichts von ihrer Infektion wissen und unwissentlich andere anstecken. Wenn die Helfer zu sogenannten "Superspreadern", also Superverbreitern des Virus werden, ist das fatal, berichtete unter anderem das Magazin der spiegel.

Im Grunde wissen Ärzte und Pfleger zwar von ihrer gefährdeten Lage und wissen sich auch zu schützen, unter anderem mit Schutzanzügen und speziellen Atemschutzmasken. Das verkleinert das Risiko wiederum.

Schutzkleidung ist allerdings mancherorts Mangelware. Auch in Österreich warnt die Ärztekammer davor, das medizinische Personal nicht ausreichend mit Schutzkleidung auszustatten.

Diese Berufsgruppen öfters auf eine Erkrankung zu testen, ist aber kein Ersatz dafür. Einerseits, weil der Nachweis auf das Erbgut des Virus erst beim Auftreten von Symptomen möglich ist - andere anstecken kann man aber bereits früher.

Andererseits sind derzeit die Testkapazitäten dafür nicht ausreichend. Experten in Deutschland argumentieren damit, dass sonst womöglich zu wenige Tests für bereits symptomatische Patienten verfügbar wären.