Chronik | Österreich
23.01.2018

Lawinengefahr: Leichte Entspannung, aber weiter Gefahr

Die zweithöchste Gefahrenstufe ist weiterhin in sieben Bundesländern aufrecht.

Die Lawinensituation in Österreich hat sich am Dienstag leicht entspannt. Dennoch herrschte in allen Bundesländern außer Wien und dem Burgenland die zweithöchste Gefahrenstufe 4. Mehrere Orte am Arlberg waren ab dem Nachmittag wieder erreichbar. In manchen Regionen sollte sich die Situation weiter beruhigen, für Tourengeher und Variantenfahrer bleibt die Situation aber auch am Mittwoch heikel.

In Vorarlberg waren oberhalb von 1.600 Metern bis Dienstagfrüh noch einmal 20 bis 40 Zentimeter Neuschnee hinzugekommen, lokal auch ein halber Meter. Zwar wurde im Raum Gargellen die höchste Warnstufe 5 widerrufen, in den höheren Lagen herrschte aber weiter landesweit große Lawinengefahr der Stufe 4. Die Einsatzkräfte blieben in erhöhter Alarmbereitschaft. Daran werde sich auch in den kommenden Tagen nichts ändern, sagte Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP).

Die Arlberg-Orte Lech, Zürs und Stuben waren ab dem frühen Nachmittag wieder auf dem Straßenweg erreichbar. Die Sperren der Arlbergstraße (L197) und des entsprechenden Abschnitts der Lechtalstraße (L198) wurden durch die Lawinenkommission aufgehoben. In Vorarlberg war damit nur noch Gargellen im Montafon von der Umwelt abgeschnitten. Wann die Gargellener Straße (L192) wieder ohne Gefahr befahrbar sein wird, stand vorerst nicht fest.

Ischgl, See und Kappl wieder erreichbar

Die Experten des Landes Tirol meldeten ebenfalls leichte Entspannung bei der Lawinengefahr. Oberhalb von 2.000 Metern wurde sie jedoch weiterhin als groß eingestuft, also mit Stufe 4. Mit der Freigabe der Arlbergstraße war St. Anton wieder auf dem Straßenweg ungehindert erreichbar. Die Landesstraße (L197) zwischen St. Christoph am Arlberg und Alpe Rauz wurde zur Räumung frei gegeben. Mit einer Öffnung war laut ÖAMTC noch im Lauf des Nachmittags zu rechnen.

Ebenfalls aufgehoben wurde die Sperre auf der Reschenstraße (B180), somit war Nauders am Straßenweg wieder erreichbar. Auch die Paznauntalstraße (B188) konnte am Dienstag gegen Mittag zumindest teilweise wieder freigegeben werden. Die Orte Ischgl, See und Kappl waren wieder erreichbar. Ab Mathon war die Straße jedoch weiterhin gesperrt, wodurch Galtür nach wie vor von der Außenwelt abgeschnitten war. Die Sperre auf der wegen Lawinengefahr unterbrochenen Arlbergbahnstrecke dürfte noch bis Mittwochmittag aufrecht bleiben. Die ÖBB begannen Dienstagnachmittag mit dem Räumeinsatz.

Warnstufe vier in Teilen des Landes

In großen Teilen Salzburgs herrschte ebenfalls weiterhin Lawinenwarnstufe 4. Laut ÖAMTC blieben deshalb nach wie vor einige wichtige Straßenverbindungen zu. In beide Richtungen gesperrt waren etwa der Pass Lueg, der Dientnersattel und der Filzensattel, die Postalm Panoramastraße und die Gerlos Straße über den Gerlospass. Am Dienstag ab 17.00 Uhr sollte hingegen der Radstädter Tauern - und damit der Wintersportort Obertauern - auch vom Süden her wieder erreichbar sein. Für Skitourengeher und Variantenfahrer bleibt die Situation auch am Mittwoch heikel. Es reicht laut Lawinenlagebericht schon das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers, um Schneebretter auszulösen.

In Oberösterreich galt oberhalb von 1.400 Metern Seehöhe Warnstufe 4, darunter 3. Pyhrnpass und Hengstpass waren laut ÖAMTC in beiden Richtungen für den gesamten Verkehr wegen Lawinengefahr gesperrt, ebenso die Langbathseestraße zwischen Kohlstatt und Langbathsee, die Koppental Landesstraße zwischen Bad Aussee und Obertraun sowie einige weitere Verkehrsverbindungen im Salzkammergut und im Mühlviertel.

Die zweithöchste Stufe 4 blieb auch in Niederösterreich in den Ybbstaler Alpen und im Rax-Schneeberggebiet oberhalb der Waldgrenze aufrecht. Darunter und in den Türnitzer Alpen wurde das Risiko als erheblich (Stufe 3) eingeschätzt.

Große Gefahr auch in Hohen Tauern

In Kärnten herrschte am Dienstag immer noch weit verbreitet erhebliche Lawinengefahr. Laut Informationen des Lawinenwarndienstes Kärnten galt in den Hohen Tauern oberhalb von 2.200 Metern Seehöhe sogar noch Warnstufe 4, also große Lawinengefahr. "Vereinzelt können hier höhergelegene und exponierte Güterwege von spontanen Lawinen betroffen sein", hieß es. Zusätzlich belastet werde die Schneedecke durch vermehrte Sonneneinwirkung. In hohen Lagen sorgte noch dazu starker Wind für immer wieder frische Triebschneeablagerungen. Im Osten Kärntens wurde die Lawinengefahr mit überwiegend mäßig angegeben.

Große bis erhebliche Lawinengefahr gab es auch noch in der Obersteiermark. Allerdings waren fast überall die Schneefälle in Regen übergegangen, für das weststeirische Randgebirge wurde die Warnstufe von 3 auf 2 zurückgenommen. Auf vielen Bergstraßen war Kettenpflicht vor allem für Lkw verhängt, einige Straßen nach OÖ bzw. Salzburg waren wegen drohender Lawinen gesperrt.