Die tonnenschwere Nassschneelawine verschüttete die Kärntnerin.

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Österreich
02/02/2021

Lawinenabgang: "Und plötzlich war ihr Gesicht im Schneeloch vor mir"

Flugretter Wolfgang Guggenberger rettete eine Skitourengeherin innerhalb von sechs Minuten aus einer Lawine. Am Tag seines 30-jährigen Dienstjubiläums.

von Anja Kröll

Eines will Wolfgang Guggenberger nicht sein. Ein Held. Doch genau als das gilt er heute in Kärnten. Der 53-jährige Flugretter und sein Pilotenkollege Klaus Jäger retteten am Montag innerhalb von nur sechs Minuten eine bis zu zwei Meter tief verschüttete Frau nach einem Lawinenabgang unweit der Kohlmaierhütte in der Gemeinde Lendorf.

"Wir haben uns gerade auf den Rückflug von einer Lawinenkontrolle in Kals befunden, als wir den Notruf über den Einsatz per Funk und Telefon erhalten haben", erzählt der Flugretter, der auch Polizeibergführer ist. 

Zu dem Unglück war es gekommen, als sich ein 48-jähriger Tiroler mit seiner 47-jährigen Freundin auf der Abfahrt von der Nordseite des Hummelkopfs befand. Im Bereich eines Forstweges auf rund 1.500 Meter Seehöhe löste sich, für die erfahrenen Alpinisten völlig unvorhersehbar, eine tonnenschwere Nassschneelawine von selbst. Der 48-Jährige kam mit dem Schrecken davon, doch die 47-Jährige wurde eineinhalb bis zwei Meter tief verschüttet.

Mächtige Lawine

"Wir haben vom Hubschrauber aus gesehen, wie ein Mann wie wild am Lawinenkegel geschaufelt hat. Die Lawine war mächtig. Da geht dein Puls schon mal von 60 auf 180", erinnert sich Guggenberger . Pilot Jäger ließ ihn oberhalb der Lawine aus dem Hubschrauber aussteigen. "Ich bin mit der Schaufel raus und nur zur Unglücksstelle und da hab ich dann in das Loch geschaut, dass der Freund der Frau bereits ausgegraben hat und den Moment vergesse ich nie. Aus dem Loch hat mich das Gesicht der Frau angeschaut", erinnert sich der Flugretter. Und nach einer Pause: "Das war, als würde dir ein Kind, das in so Stoffwindeln eingewickelt ist, entgegenschauen."

Ski erschwerten Bergung

Die 47-Jährige war ansprechbar, stand aber unter Schock. Guggenberger beginnt sofort sie weiter auszugraben. "Das Problem war, dass sie ihre Ski noch anhatte, die haben wie ein Anker in der Lawine gewirkt." Während der Flugretter gut eine halbe Stunde schaufelte, kümmert sich der Lebensgefährte der Frau um die Verschütte. "Er hat aufgepasst, dass sie den Schnee vom Schaufeln nicht ins Gesicht bekommt. Man schaufelt da ja nicht den Schnee einfach so weg, wie wenn er vor der Haustür liegt", erklärt der 53-Jährige. 

Ausrüstung als Lebensretter

Das Glück der Verunglückten war, dass sie für eine Skitour richtig ausgestattet waren. "Sie hatten die drei Dinge mit, die auf einer Skitour Grundvoraussetzung sind: Ein LVS-Gerät, eine Sonde, eine Schaufel. Und der Mann hat die Kameradenbergung perfekt beherrscht. Weil das beste Gerät nützt dir nichts, wenn du damit nicht umgehen kannst", sagt der Alpinpolizist. Nachsatz: "Ohne das, wäre die Frau tot gewesen."

Im Rückblick, war der Einsatz für Guggenberger ein schöner. "Als Flugpolizist bist du unterwegs, wenn sich jemand verirrt, oder in eine alpine Notlage kommt, oder eben leider bei Totbergungen. Dazwischen liegt viel Spielraum. Darum gibt einem so ein Einsatz, der gut endet, viel Aufschwung."

Doch nicht nur wegen des Einsatzes, war der Montag ein besonderer Tag für den Polizisten, der seinen Dienst normalerweise auf der Polizeiinspektion Kötschach-Mauthen versieht. Guggenberger feierte genau am Tag des Lawinenabgangs sein 30-jähriges Dienstjubiläum. 

Doch darüber will der bescheidene Kärntner eigentlich nicht reden: "Ich glaube, das schönste Geschenk, hat der 48-Jährige seiner Freundin gemacht. Noch vor dem Valentinstag hat er ihr einen zweiten Geburtstag ermöglicht".

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