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Chronik Österreich
04/24/2022

Lagerzelte und Traglufthallen als Schwarzbauten

Genehmigungspflicht nach der Bauordnung hat viele Hürden, wer sie nicht einhält, macht sich strafbar.

von Marlene Penz

Das behördlich angeordnete Aus für eine geplante Traglufthalle über einem Freiluft-Tennisplatz in Groß Gerungs in NÖ, hat eine Problematik deutlich gemacht, mit der sich Unternehmer – Zeltverleiher und andere – schon seit jeher konfrontiert sehen: Der Unmöglichkeit, ein Lagerzelt oder eben eine Traglufthalle legal aufzustellen. Zumindest dann nicht, wenn sie darin keine Veranstaltung planen, es schnell gehen muss, oder es sich nicht um einen Katastrophenfall handelt.

„Zelte, im Fachterminus ,fliegende Bauten’, sind etwa in der nö. Bauordnung nicht zu finden und werden daher wie Gebäude behandelt, die immer einer Genehmigungspflicht unterliegen“, erklärt Heinz Gruber, Präsident der Österreichischen Zelttechnikervereinigung.

Komplexes Baurecht

Und genau hier hakt es. So ein Genehmigungsprozess ist aufwendig und kostspielig und nicht selten steht am Ende nach monatelanger Wartezeit ein negativer Baubescheid, weil die Zeltbauten wie Gebäude behandelt werden müssen und dadurch meist nicht den geltenden Energiestandards entsprechen – um nur einen Punkt zu nennen.

Hier in die gesamte Komplexität des Baurechts, das in jedem Bundesland unterschiedlich geregelt ist, einzutauchen, würde zu weit führen. Fakt ist: Für Zelte, Traglufthallen und zeltähnliche Konstruktionen gibt es abseits von Veranstaltungen keine gesonderte Richtlinie. „70 bis 80 Prozent dieser Zelte stehen nicht ganz legal“, sagt Gruber.

Notfälle

Ausnahmen werden von den Baubehörden in einzelnen Gemeinden gemacht, befristete Bewilligungen vergeben, „oder es gibt in kleinen Gemeinden mündliche Absprachen mit den Bürgermeistern“, wie zahlreiche Beispiele quer durch Österreich zeigen würden – in manchen Gemeinden kann in einer Traglufthalle auch ohne Turnier Tennis gespielt werden.

Aber hierbei geht es nicht nur um Zelte, die zur sportlichen Betätigung aufgestellt werden. Firmen würden bei Zeltunternehmen meistens anfragen, wenn es Probleme beim bestehenden Lager, beim Verkauf oder in der Produktion gibt – also in dringenden Fällen, wenn Ware oder Mitarbeiter ungeschützt sind. „Diese Probleme entstehen durch Brand, Wasserschäden, Kontaminierungen oder, wie in dieser Zeit häufig, durch Rückstaus in der Produktion durch Covid-19 oder den Ukraine-Krieg“, erklärt Gruber, Unternehmer würden das Risiko einer Strafe deswegen in Kauf nehmen. Nimmt man die nö. Bauordnung her, dann kann diese Verwaltungsstrafe bis zu 10.000 Euro hoch sein.

In der Wirtschaftskammer ist man sich laut Gruber dem Problem bewusst. „Das ist eine heiße Kartoffel. Vor allem jetzt, wo sich das Problem verschärft.“

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