Weinlandbad Mistelbach

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Debatte
06/24/2016

Kritik an Badeverbot für Asylwerber

Kurzzeitig kein Zutritt im Freibad Mistelbach. Caritas und Diakonie warnen vor pauschaler Verurteilung.

von Natascha Marakovits, Johanna Kreid, Claudia Koglbauer-Schöll

Update von 4. Juli 2016: Da sich herausgestellt hat, dass die Vorwürfe erfunden waren, wurde das damals veröffentlichte Phantombild aus diesem Artikel entfernt.

Die Ansage war klar und deutlich: „Today no entry for refugees“ stand auf dem Schild, das am Donnerstag beim Eingang des Freibades in Mistelbach (NÖ) aufgestellt wurde. Der Anlass: Ein sexueller Übergriff auf ein 13-jähriges Mädchen in der Umkleidekabine. Der Täter: Ein noch unbekannter Mann „südländischen“ Typs. Wegen eines anderen Übergriffs fordert der Ring Freiheitlicher Jugend (RFJ) im Burgenland nun gar ein „Freibad-Verbot für Asylwerber“. Kritik an einer Diskriminierung sowie pauschalen Verurteilung von Asylwerbern kommt hingegen von Caritas und Diakonie.

Zum Fall in Mistelbach: Entgegen einiger Medienberichte sei noch keinesfalls bewiesen, dass es sich beim Täter tatsächlich um einen Asylwerber handle, stellt Markus Haindl von der Landespolizeidirektion NÖ am Freitag klar: „Es gibt einen unbekannten Täter, nicht mehr und nicht weniger.“ Die Fahndung läuft. Ein Phantombild wurde veröffentlicht. Die Polizei bittet um sachdienliche Hinweise an 059133-3260.

Alfred Pohl, ÖVP-Bürgermeister von Mistelbach, stellt klar, dass das Schild Asylwerber nicht diskriminieren, sondern schützen sollte: „Es gibt in der Region eine aktive rechte Szene. Wären Asylwerber an diesem Tag ins Bad gegangen, wären sie möglicherweise von Rechten attackiert worden.“

Caritas-Geschäftsführer Klaus Schwertner schildert, die im Ort untergebrachten Flüchtlinge seien schockiert gewesen, als sie vom Übergriff erfuhren: „Sie kooperierten mit der Polizei und schilderten den Beamten ihre Beobachtungen.“ Die Caritas habe der Gemeinde auch ihre Hilfe angeboten. Mittlerweile wurde das Schild entfernt. Asylwerber dürfen wieder ins Bad. Wie Bademeister Jürgen Gindl erklärt, patrouillieren nun vier Securitys im Bad: „Bei Bedarf können sie auch aufgestockt werden.“

Unterdessen fordert der burgenländische RFJ-Obmann Werner Wassicek ein „Freibad-Verbot für Asylwerber in ganz Österreich“. Anlass sei ein Vorfall in Eisenstadt: Eine 23-Jährige wurde bei einem Geschäft von zwei Asylwerbern sexuell belästigt, die Frau erstattete Anzeige. Die Polizei bestätigt den Fall. Wassicek ortet nun die „größte Gefahrenquelle“ für Frauen und Mädchen in Freibädern.

Panik-Schalter

Vonseiten der Stadtgemeinde Eisenstadt winkt man angesichts der Freiheitlichen Forderung ab: „Ein Freibad-Verbot wird es in Eisenstadt nicht geben. Das Freibad ist aber gut gerüstet für etwaige Vorfälle“, heißt es aus dem Büro von Bürgermeister Thomas Steiner (ÖVP). Was es sehr wohl gebe sind „Verhaltensregeln in öffentlichen Bädern“, die auf Arabisch, Farsi und Englisch übersetzt wurden und in den Flüchtlingsunterkünften verteilt wurden. Die Angestellten des Freibades seien durch eine Sicherheitsfirma geschult worden, um im Ernstfall deeskalierend einschreiten zu können. Im Juli werden in schlecht einsehbaren Bereichen auch sogenannte Panik-Schalter installiert, mit denen man per Knopfdruck Hilfe anfordern kann.

Michael Chalupka, Direktor der Diakonie, warnt vor pauschaler Verurteilung: „Das Wichtigste für die Opfer ist, dass die Täter schnell gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden“, schickt er voraus. Man könne aber nicht jemanden für eine Tat bestrafen, die ein anderer begangen habe: „Das ist ein Grundprinzip unserer Rechtsordnung – und das schützt uns alle.“