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Chronik Österreich
07/13/2022

Kollision mit zwei Autos: Prozess wegen Mordversuchs in Salzburg

Laut Staatsanwaltschaft fuhr 29-Jähriger mit selbstmörderischer Absicht.

Ausweichen war nicht mehr möglich: Im März 2019 prallte ein nun 29-jähriger Türke mit seinem zwei Tonnen schweren, PS-starken Auto im Flachgau in den Wagen eines anderen Lenkers, der noch versucht hatte, das Lenkrad herumzureißen. Sein Auto überschlug sich und blieb am Dach liegen. Auch einen zweiten Pkw erfasste der Türkei und manövrierte ihn in den Straßengraben. Drei teils schwer verletzte Insassen waren die Folge.

Am Mittwoch musste sich der 29-Jährige dafür in Salzburg vor einem Geschworenengericht verantworten. Der Vorwurf: Er sei ungebremst und mit Suizid-Absicht auf die Gegenfahrbahn und in die Autos auf der Lamprechtshausener Straße gefahren, weshalb die Anklage auf dreifachen Mordversuch lautet.

Alkohol und Drogen

Denn wie sich nach dem Unfall herausstellte, hatte der in Salzburg geborene und im Innviertel lebende Türke 1,32 Promille Alkohol im Blut und stand unter Einfluss von Kokain. Zudem habe er unmittelbar davor ohne Freisprecheinrichtung mit seinen Eltern telefoniert und wegen einer unerledigten Arbeit mit seinem Vater gestritten. Dabei soll der 29-Jährige gesagt haben, dass es ihm leidtue. Er werde auf die Gegenfahrbahn fahren und sich umbringen.

Die Staatsanwaltschaft beruft sich dabei auf Aussagen der Ex-Freundin des Angeklagten, die das Gespräch offenbar mitgehört hat. Zwar spricht die Frau selbst kein Türkisch, sie habe aber von der Mutter vom Inhalt erfahren. „Er hat geweint. Und gesagt, schaut, was ich euch antue. Ich enttäusche euch immer wieder. Es hat keinen Sinn mehr“, gab die Ex-Freundin zu Protokoll.

Grob fahrlässig

„Er hat nicht die Absicht gehabt, die drei zu töten“, sagte der Staatsanwalt. „Aber er hat es für möglich gehalten und sich damit abgefunden, dass andere Personen sterben.“ Der Verteidiger forderte hingegen einen Schuldspruch wegen grob fahrlässiger schwerer Körperverletzung. Dies wäre – anders als bei versuchtem Mord – nicht mit einer Mindeststrafe von zehn Jahren Haft, sondern mit maximal zwei bis drei Jahren verbunden. „Er hat den Unfall betrunken und unter Drogen verursacht und er ist aus Unaufmerksamkeit auf die andere Straßenseite gekommen“, räumte der Anwalt ein. Die Aussagen der Ex-Freundin seien vor dem Hintergrund großer Streitigkeiten gemacht worden.

„Es tut mir leid“, meinte der 29-Jährige selbst. „Ich bekenne mich zur Körperverletzung schuldig und werde den Schaden gut machen.“ Es sei eine dumme Idee gewesen, ins Auto zu steigen. Als sein Vater anrief, habe er zum Handy gegriffen, weil die Freisprechanlage nicht verbunden war. „Dann ging alles so schnell. Die Mutter nahm das Telefon und sagte, ich soll nach Hause kommen – und plötzlich sah ich Licht und dann war schon die Kollision.“ Suizid würde er niemals begehen. Seine Ex habe sich das ausgedacht. Ein Arzt in der Landesnervenklinik habe eine Selbstmordgefährdung ausgeschlossen.

Zu dem Verfahren kam es erst am Mittwoch, weil der Türke bis März 2022 untergetaucht war. Ein Urteil war gestern noch nicht gefallen.

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