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Millionencoup
11/20/2020

Wie safe ist der Safe? Täter dürften aus dem Ausland anreisen

Schon drei Banken in NÖ und Wien als Tatorte. Indizien, dass die Täter an mehreren Standorten gleichzeitig zuschlagen.

von Patrick Wammerl

Der Fall bekommt eine weit größere Dimension als anfangs angenommen. Mit einer völlig neuen Masche schaffen es Kriminelle, in den Hochsicherheitsbereich von Banken einzudringen und die Kundenschließfächer zu plündern. Der vom KURIER aufgedeckte Fall in der Zentrale der Raiffeisen Regionalbank Mödling von Mittwoch war keine Eintagsfliege. Etwa zeitgleich dürfte dieselbe gewiefte Bande auch die Filiale der UniCredit Bank Austria in Klosterneuburg sowie eine Raiffeisen-Filiale in der Muthgasse in Wien-Döbling heimgesucht haben. Bei der Polizei rechnet man bereits damit, dass noch weitere Tatorte dazukommen. Noch ist den Ermittlern schleierhaft, wie die Kriminellen unbemerkt die Sicherheitssysteme umgehen konnten, um völlig ungestört an die Kundensafes zu gelangen.

Das Bankschließfach gilt noch als die letzte Bastion, die nicht im Kontenregister erfasst und daher für Finanz- und Ermittlungsbehörden Tabu ist. Ob Bargeld, Schmuck, Diamanten, Gold oder Wertpapiere: Gerne werden in den Safes kleine oder große Vermögen vermeintlich einbruchssicher gebunkert. Auch ein Mödlinger Unternehmer verwahrte deshalb eine Sammlung der Münze Österreich im Wert von rund 36.000 Euro in einem Schließfach der Raika Mödling. Als er Mittwochabend einen Versuch unternahm, neu angeschaffte Goldmünzen in das Schließfach zu legen, waren die Schatullen leer, erzählt Johannes Stephan Schriefl, der Mödlinger Rechtsanwalt des Betroffenen. Der Jurist will sich um die Anliegen der Geschädigten kümmern. Da die Schließfächer im Normalfall nur bis zu einem Wert von zirka 3.500 Euro versichert sind, geht er von einer riesigen Schadenssumme aus.

Computergestütztes Schließfachsystem

Nach demselben Modus Operandi wie in Mödling haben die Kriminellen auch an den Tatorten in Klosterneuburg und Döbling zugeschlagen. In allen drei Fällen gibt es keine Einbruchsspuren an den Schließfächern. Die Täter haben es durch Manipulation des Sicherheitssystems und ohne Gewalteinwirkung geschafft, an die Kassetten zu gelangen. Ermittler des nö. Landeskriminalamtes und IT-Experten der jeweiligen Banken sind laut Polizeisprecher Johann Baumschlager vor Ort, „weil wir prüfen müssen, wie der oder die Täter in die Bank gekommen sind“. Die Mödlinger Bank vertraut beispielsweise auf ein neuartiges, computergestütztes Schließfachsystem. 365 Tage im Jahr kann man rund um die Uhr aus einem eigenen Raum im Foyer mittels Bankkarte und Zugangscode auf den Safe zugreifen. Der Safe wird per Lift in ein Ausgabefach geliefert. „Am Sonntag und Montag konnte mein Mandant wegen einer technischen Störung nicht darauf zugreifen. Vielleicht ist das schon ein Indiz für die Tathandlung“, so Schriefl.

Im Fall der Filiale in Wien-Döbling geht die Polizei davon aus, dass die Diebe seit Oktober bis zu dieser Woche in vermutlich mehreren Angriffen Schließfächer leer räumten. Erste Indizien deuten darauf hin, dass die Kriminellen für die Zugriffe in den Banken aus dem Ausland anreisen und zeitgleich an mehreren Standorten zuschlagen. In gut informierten Ermittlerkreisen ist von einer international agierenden Truppe die Rede. Auch in anderen Nachbarländern sind ähnlich gelagerte Fälle bekannt. Nähere Aufschlüsse erwartet man sich von der Auswertung der Überwachungsvideos. Noch scheint sich die Verunsicherung der Kundschaft in Grenzen zu halten. Derzeit sei nicht spürbar, dass die Bankkunden ihre Safes räumen, heißt es bei Raiffeisen.

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