THEMENBILD: BANKOMAT

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Chronik Österreich
12/11/2020

Kein Bankomat: Am Land droht das Bargeld auszugehen

Laut Studie braucht es im Schnitt drei Minuten Fahrzeit zu einem Geldautomaten. Festspiel-Gemeinde kämpft um ihren Bankomaten.

von Patrick Wammerl

Bei den diesjährigen Festspielen hätte eigentlich Ferdinand Raimunds „Der Bauer als Millionär“ aufgeführt werden sollen. Aber selbst als wohlhabender Landwirt wird es in Zukunft im niederösterreichischen Gutenstein (Bezirk Wiener Neustadt) schwer, an Bares zu kommen. Die örtliche Volksbank schließt kommenden Sonntag überraschend ihre Selbstbedienungszone samt Bankomat. Die Filiale selbst wurde schon vor Jahren dicht gemacht. Um spontan an Bargeld zu gelangen, müssten die 1.800 Einwohner und jährlich 8.000 Festspielgäste zum Bankomaten in das sieben Kilometer entfernte Pernitz fahren.

Bürgermeister Michael Kreuzer ist darüber aufgebracht. Seit er mittels Postwurf von den Bankenplänen erfahren hat, kämpft er vehement für den Erhalt des Geldautomaten. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen der Bank und einem externen Bankomat-Betreiber. „Der demografische Wandel hat natürlich auch bei uns nicht Halt gemacht. Dennoch ist es uns gelungen die Abwanderung zu stoppen. Deswegen trifft uns der Verlust des einzigen Bankomaten wie ein Keulenschlag“, so Kreuzer.

Und er ist damit in bester Gesellschaft. Während im städtischen Bereich die Zahl der Automaten nicht zuletzt deshalb steigt, weil Banken die Selbstbedienungsstellen forcieren, kommt es im ländlichen Bereich zu einer Ausdünnung.

Die Österreichische Nationalbank hat in einer Studie untersucht, wie leicht oder schwer es für die Österreicher ist, an Bargeld zu kommen. Durch die Automatisierung in den Bankstellen bewegt sich die Zahl der Geldautomaten auf konstantem Niveau – über 9.100 Stück sind es aktuell laut Nationalbank.

Wie die Studie zeigt, liegt für einen Großteil der Bevölkerung der nächstgelegene Geldautomat im Schnitt 1,2 Kilometer entfernt und ist in maximal drei Minuten Fahrzeit erreichbar. In Großstädten beträgt die durchschnittliche Wegstrecke 0,5 Kilometer. In Gemeinden mit 10.000 bis 50.000 Einwohnern sind es 1,3, in Kommunen unter 2.000 Einwohner muss man im Schnitt zwei Kilometer zurücklegen.

Auf Auto angewiesen

Es gibt aber auch ländliche Regionen, die ein ähnliches Schicksal teilen, wie es nun Gutenstein droht. In 108 österreichischen Gemeinden muss man laut Studie der Nationalbank fünf bis zehn Kilometer mit Rad, Auto oder Bus bewältigen, bis man bei einem Bankomaten angekommen ist.

Zu den Leidtragenden zählt besonders die ältere, nicht so mobile Bevölkerungsschicht. „Wenn die Bürger dazu gezwungen werden, für ihre Bankgeschäfte in den nächsten Ort zu fahren, erledigen sie dort auch gleich ihren Einkauf“, sieht Kreuzer einen volkswirtschaftlichen Schaden für die betroffenen Kommunen. Letzter Hoffnungsschimmer in dem Streit sind Ausgabegeräte externer Finanzdienstleister.

Im besten Fall gibt es ein Abkommen zwischen diesen Anbietern, einem Bankbetreiber und Gemeinden die beispielsweise die Räumlichkeiten für den Geldautomaten zur Verfügung stellen. Die etwa 1.200 Euro an laufenden monatlichen Kosten pro Gerät werden durch eine 40-Cent-Transaktionsgebühr von den Bankinstituten abgedeckt. „Dafür benötigt es allerdings 3.000 Behebungen pro Monat. Das ist in kleineren Gemeinden ein riesiges Problem“, so Alexander Gradl-Noll vom Finanzdienstleister Euronet.

In solchen Fällen wird nämlich der Endkunde zur Kasse gebeten – und zwar mit immerhin 1,95 Euro pro Transaktion, egal welche Summe behoben wird.

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