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Chronik Österreich
08/07/2019

Zehn Bankomat-Coups kosten bereits Millionen

Bande landete nun im Burgenland den nächsten Erfolg. Die Polizei hat eine Taskforce gebildet, aber bisher wenig Glück.

von Patrick Wammerl

Die Gangster sind den Ermittlern immer ein Quäntchen voraus.  Nach neun Bankomat-Coups seit Jahresbeginn in Niederösterreich hat eine hochprofessionelle Bande in der Nacht auf Mittwoch in einem Spar-Markt im burgenländischen Walbersdorf bei Mattersburg zugeschlagen. Die Kriminellen flexten kurz vor 3.30 Uhr früh die Geldkassetten aus dem Stahlschrank im Foyer des Supermarktes und legten anschließend ein Feuer, um ihre Spuren zu verwischen. Sie flüchteten mit einem dunklen, großen Wagen; vermutlich einem Audi.

Aufgrund des Modus Operandi ist sich die Taskforce beim nö. Landeskriminalamt sicher, dass man es mit einer Gruppe und nicht mehreren parallel Agierenden zu tun hat.

Angesichts des Millionenschadens, den die Gangster bereits angerichtet haben, sind die Ermittler alles andere als entspannt. Für Landespolizeichef Franz Popp und den Leiter des Landeskriminalamtes, Omar Haijawi-Pirchner, dauert die Serie schon viel zu lange. Derzeit werden alle Energien in einen baldigen Ermittlungserfolg gesteckt, sagt Haijawi-Pirchner. Man ermittle mit allen Möglichkeiten, die der Polizei zur Verfügung stehen würden.

Aber die Kriminalisten wissen, dass ihnen die Bande noch eine Nasenlänge voraus ist. Da die Gangster meistens zeitnah zu den Coups in Ostösterreich oder dem benachbarten Ausland PS-starke Autos stehlen, läuten bereits bei jedem angezeigten Kfz-Diebstahl die Alarmglocken. Allerdings haben diese Hinweise noch keine Früchte getragen und nach den Taten werden die Karossen meist abgefackelt. Damit sind alle Spuren vernichtet. Auch die Vorbereitung der Täter ist höchst professionell. Im Zuge einer spektakulären Verfolgungsjagd wurden den Polizeistreifen stählerne Krähenfüße, die die Bösewichte dabei hatten, vor die Reifen geworfen.

Vor dem Coup am Mittwoch suchten die Bankomat-Knacker die Polizeidienststellen rund um den Tatort heim und stachen die Reifen aller Streifenwagen auf, bestätigt der Leiter des burgenländischen Landeskriminalamtes, Ernst Schuch. Eine Verfolgung war damit unmöglich.

800 Standorte

Der Leidtragende des enormen Sachschadens ist die Handelskette Spar. Durch eine Kooperation mit dem Aufsteller der Bankomaten stehen in rund 800 Spar-Filialen in Österreich Geldautomaten im Foyer. „Gemessen an den vielen Standorten ist diese Serie in Ostösterreich zum Glück noch überschaubar. Leider sind wir aber immer durch die gelegten Brände massiv betroffen“, sagt Spar-Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann.

Obwohl man laufend mit der Polizei über Maßnahmen diskutiert, will man derzeit an dem Konzept der Geldautomaten nichts verändern. „Mehr als 80 Prozent der Einkäufe werden bei uns immer noch mit Bargeld getätigt. Wir sehen es als wichtiges Service für den Kunden, dass er Geld abheben kann“, sagt Berkmann.

Eine „Cash-Back“-Variante, bei der die Kunden direkt an der Kasse des Marktes Geld abheben können, will man zum Schutz der Angestellten nicht einführen. Die dafür notwendigen hohen Bargeldsummen könnten Räuber anlocken. Geprüft werden derzeit bauliche Varianten, bei denen die Bankomaten am Parkplatz und nicht im Foyer stehen.