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Chronik Österreich
09/28/2021

Kärntens Jagdreferent: "Koexistenz von Wolf und Bauer nicht möglich"

Kärnten hat die Frist zur Bejagung des Problemwolfs verlängert. Landesrat Gruber (ÖVP) plant bereits weiter.

von Anja Kröll

Zwei Wochen und dann? Diese Frage stellen sich im Gailtal momentan viele. Wie berichtet, wurde die Abschussgenehmigung für "120 MATK" verlängert.

Jener Wolf, der in Kärnten offiziell als Problemwolf gilt, darf nun ebenso offiziell bis zum 17. Oktober bejagt werden. Auch für die Zeit nach dem 17. Oktober gibt es bereits einen Plan.

Doch der Reihe nach: Eigentlich hätte die Frist für seine "Entnahme", wie es im Fachjargon heißt, am Donnerstag, geendet. Da das Tier, das im Sommer für Schafrisse auf drei Almen verantwortlich war, nun aber im Tal und somit im Siedlungsgebiet umgeht, darf Isegrim neben der Poludnigalm, Eggeralm und Kirchbacher Wipfel nun auch auf der Feistritzer und Achomitzer Alm sowie im Jagdgebiete in den Gemeinden Hohenthurn, Feistritz/Gail und Arnoldstein abgeschossen werden.

Gefahr für Mensch nicht ausgeschlossen

"Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es in diesem Bereich zu Situationen kommt, die eine Gefahr für Menschen, insbesondere für Kinder, darstellen können", sagt Jagdreferent und Landesrat Martin Gruber (ÖVP) im KURIER-Gespräch. Der Wolf ist auf Videoaufnahmen eines Jägers zu sehen, wird für Schafsrisse hinter einem Wohnhaus verantwortlich gemacht und wurde sogar nahe einer Bushaltestelle gesichtet. Woraufhin der Bürgermeister, aus Angst um die Sicherheit der Volksschulkinder, die Polizei einschaltete.

Einzig: Weder Polizei noch Jäger werden des Wildtiers habhaft. "Wie ein Lotto-Sechser sei es, einen Wolf zu schießen", heißt es aus Jagdkreisen. Oder wie es Hermagors Bezirksjägermeister, Bruno Maurer, auf den Punkt bringt: "Der Wolf ist ein Wildtier und der Jagderfolg nicht erzwingbar."

84 Schafsrisse gab es im Sommer kärntenweit, die nachweislich auf das Konto des Wolfes gehen. Acht Wölfe gehen in Kärnten um, davon auch zwei Weibchen, was für viele ein eindeutiger Hinweis auf ein baldiges Wolfsrudel im Süden des Landes ist. "Wir müssen handeln, bevor es dazu kommt. Ist ein Rudel da, ist es zu spät", ist auch Jagdreferent Gruber überzeugt.

Erster Wolfsabschuss in Kärnten

Dabei hatte der Bescheid des Landes im August, dass der Wolf nun ein Problemwolf sei und bejagt werden dürfe, für Erleichterung bei Landwirten und Jägern gesorgt. Gruber erteilte als erster Kärntner Jagdreferent überhaupt, eine Freigabe zum Abschuss eines Wolfes. Die Reaktionen hätten von "Unterstützung bis zu massiven Beschimpfungen gereicht", sagt er im Rückblick.

Wie es mit dem Wolf weitergeht, falls er bis zum Ende der neuen Frist, am 17. Oktober, nicht entnommen wird? "Wenn bis dahin kein Abschuss stattfindet, müssen wir überprüfen, ob noch eine Gefahr für die Bevölkerung und die Tiere gegeben ist." Und falls ja? "Ist eine weitere Verlängerung der Frist denkbar", erklärt der Landesrat.

Wolfsverordnung soll kommen

Für die betroffenen Bauern, die heuer zum Teil aus Angst vor dem Wolf ihr Vieh früher ab- bzw. erst gar nicht auf die Almen aufgetrieben haben, bleibt noch eine andere Ungewissheit: Wie geht es kommenden Sommer weiter? Gruber setzt vor allem auf eine eigene Wolfsverordnung, die durch schnellere Bescheide zum Abschuss, die tatsächliche Zeit bis zur Entnahme verkürzen soll.

Und auch bei einem weiteren Punkt gibt es eine klare Antwort von Kärntens Jagdreferent. "Nein, eine Koexistenz von Wolf und Bauer ist nicht möglich."

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