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Chronik Österreich
09/22/2021

Schafriss im Wohngebiet: Den Wolf zieht es ins Tal

In Kärnten gibt es Hinweise für Wolfsrisse im Tal. Erstmals streifen auch zwei Wolfsweibchen umher. Vorzeichen für ein Wolfsrudel?

von Anja Kröll

120 MATK: Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich ein Wolf. Und zwar nicht irgendeiner, sondern ein echter Problemwolf. Noch bis Ende September darf auf den drei Gailtaler Almen, Poludnigalm, Eggeralm und Wipfelalm, Jagd auf das Tier gemacht werden. Einzig: 120 MATK ist verschwunden. Hermagors Bezirksjägermeister, Bruno Maurer: „Der Wolf ist ein Wildtier und der Jagderfolg nicht erzwingbar.“

84 Schafsrisse gab es im Sommer kärntenweit, die nachweislich auf das Konto des Wolfes gehen. „Dabei haben viele Bauern ihre Schafe heuer erst gar nicht auf bzw. früher abgetrieben“, erklärt Roman Kirnbauer, Wolfsbeauftragter in Kärnten.

Apropos Almabtrieb: Dieser ist mittlerweile in fast allen Regionen erfolgt. Die leichte Futterquelle für den Wolf in höheren Gebieten ist somit versiegt. Eine Folge daraus: Die Wölfe zieht es nun scheinbar in die Tallagen, den Schafen nach. Wie ein Fall am vergangenen Wochenende in Hohenthurn zeigt. Dort wanderte ein Wolf bis ins Siedlungsgebiet und riss zwei trächtige Schafe. Direkt hinter einem Wohnhaus.

Ein Verhalten, das Wildbiologe Kirnbauer nicht überrascht. „Woher soll ein Wolf wissen, dass er unten nichts fressen darf? Wenn sich ihm die Gelegenheit bietet, wird er das tun – und es ist nicht das erste Mal.“

Gemeint ist das Jahr 2019 und ein Wolf in Förolach, ebenfalls im Gailtal, der rund einen Monat lang herumstreifte. Besorgte Eltern alarmierten sogar die Polizei, weil sie befürchteten, ihre Kinder könnten am Schulweg angefallen werden.

Sind Angriffe auf Menschen denkbar? Kirnbauer gibt sich zurückhaltend. „Das weiß ich nicht. Im Moment gibt es keine Anzeichen, dass er sich Menschen nähern würde. Die Frage stellt sich, wie das Tier habituiert wird. Frisst es aus Mülltonnen oder vom Komposthaufen, dann sind dies Signale, dass es keine Berührungsängste mehr hat.“ Realistischer sieht der Experte die Gefahr für Hunde. „Hier kann es durchaus zu Angriffen kommen.“

Acht Wölfe in Kärnten

Entscheidend sei auch, ob die acht Wölfe, die es in Kärnten aktuell gibt, im südlichen Bundesland verweilen. Und: Ob es zu einer Rudelbildung kommt. Denn erstmals wurden heuer zwei Weibchen nachgewiesen. „In Oberitalien gibt es 10 bis 15 Wolfsrudel, die sich aktiv reproduzieren. Die halbwüchsigen Wölfe müssen mit rund zwei Jahren ihr angestammtes Rudel verlassen und begeben sich auf Rudelsuche. Wenn sie in Kärnten fündig werden, was mit zwei Weibchen denkbar ist, dann könnten wir erstmals ein Wolfsrudel haben“, sagt Kirnbauer, der sich sicher ist, dass die Wolfspräsenz in der Alpenrepublik zunehmen wird.

Was passiert nach Fristende?

Ebenso wie die Arbeit für die Wildbiologen. „Es gibt keinen Tag, an dem wir nicht Risse begutachten, oder in Besprechungen zum Thema Wolf sind.“

Zurück zu Problemwolf 120 MATK. Was passiert, wenn er bis kommenden Donnerstag nicht abgeschossen wird? „Das muss dann die Behörde entscheiden. Bis jetzt haben wir keinen weiteren Auftrag“, erklärt der Bezirksjägermeister.

Wie hieß es im August noch aus dem Büro des zuständigen Landesrates, Martin Gruber: „Das ist das Ende der Almsaison, dann werden die Tiere heruntergetrieben. Wir gehen davon aus, dass dann eine Gefahr für Weidetiere nicht mehr gegeben ist.“

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