Chronik | Österreich
12.11.2017

Kärnten: Perchten bei Umzug außer Rand und Band

Bei einem Perchtenlauf in Völkermarkt gab es sechs Verletzte. Für die Polizei sind solche Fälle schwer zu ahnden.

Krampus- und Perchtenläufe sind in Österreich in den vergangenen Jahren zu Massenevents geworden. Das teuflische Treiben ist in einigen Regionen ein wahrer Publikumsmagnet. Doch der Trend hat eine Kehrseite. Immer wieder kommt es zu Attacken durch die Maskierten, bei denen Zuschauer zum Teil schwer verletzt werden.

Samstagnacht ist ein Umzug in Völkermarkt, an dem Gruppen aus ganz Kärnten teilnahmen, aus dem Ruder gelaufen. Einem Burschen wurde dabei mit einer Rute ins Gesicht geschlagen. Ein Mädchen brach sich auf der Flucht einen Finger. Am Sonntagnachmittag wusste die Polizei bereits von sechs Verletzten. "Zwei der über 20 Gruppen haben mehrere Personen verletzt", sagt Rudolf Stiff vom Kriminalreferat in Völkermarkt.

Die Polizei wurde vom Veranstalter selbst alarmiert, nachdem die Perchten außer Rand und Band gerieten. "Als wir eintrafen, war die Situation durch die Ordner bereits wieder befriedet", berichtet Stiff. Die Gruppen, aus denen die Attacken kamen, waren schnell ausgeforscht, da die Truppen nummeriert waren – laut Stiff mittlerweile Standard in Kärnten.

Maskierte Täter

Einzelne Täter in solchen Fällen dingfest zu machen, ist jedoch eine Herausforderung für die Polizei. "Das ist extrem schwierig", bestätigt Stiff. Zu ähnlich sehen sich Masken und Kostüme. Vom Verhüllungsverbot sind Perchtenläufe als Traditionsveranstaltungen ausgenommen.

In Völkermarkt waren etwa 150 Perchten unterwegs. Und es gibt weit größere Umzüge. Beim laut Angaben der Veranstalter größten Krampusspektakel Österreichs in Schladming in der Steiermark werden 8000 Besucher und 800 Maskierte erwartet. Besonders rau geht es immer wieder in Osttirol zu. 2015 wurden etwa im Zuge der Krampustage im Bezirkskrankenhaus Lienz rund 100 Verletzte gezählt – Zuschauer und Akteure hielten sich dabei die Waage. 2013 erlitt ein 15-Jähriger in Matrei eine Schädelfraktur, nachdem er von einem "Kleibeif" zu Boden gerissen wurde und dabei mit dem Kopf auf den Asphalt prallte.

Es gibt jedoch auch Brauchtumsgruppen, die solche Auswüchse mehr als kritisch sehen und sich selbst strenge Regeln auferlegen. In Salzburg schlüpften etwa die Anifer Krampusse schon vor mehreren Jahren in eine Vorreiterrolle. "Bei uns wird nicht zugedroschen und unter der Maske ist Alkohol verboten", sagt Vereinsobmann Michael Friesacher.

Auswüchse anderer Gruppen sieht der 27-Jährige kritisch. "Da gibt es Krampusläufe, bei denen die Teilnehmer nicht mit Ruten, sondern mit Ketten und anderen Dingen unterwegs sind und damit auf die Leute einschlagen. Das hat mit Tradition nichts zu tun", sagt der Hotelier, der sich seit seinem vierzehnten Lebensjahr Fell und Maske überzieht.

Seminare gegen Angst

Bei ihren eigenen Veranstaltungen richten die Anifer Krampusse für Kinder eigene Zonen ein, in denen sie abgetrennt von den furchteinflößenden Kerlen das Spektakel mitverfolgen können. Und für Erwachsenen veranstaltet der Vereine seit mehreren Jahren mit einer Therapeutin Seminare gegen "Krampusangst". Die sind jedes Mal bestens gebucht.