CORONA: SCHULEN IM LOCKDOWN

© APA/HERBERT NEUBAUER / HERBERT NEUBAUER

Chronik Österreich
03/19/2021

Junge aktuell am stärksten befroffen: Wie geht es weiter mit den Schulen?

Die Infektionen in den einzelnen Altersgruppen zeigen ein klares Bild. Experten sind über weiteres Vorgehen geteilter Meinung.

von Kevin Kada, Michael Leitner

Schule geöffnet halten, wieder schließen oder nur die Osterferien etwas verlängern? An dieser Frage scheiden sich aktuell die Geister. Während manche Experten dafür sind, die Ferien zu verlängern, sind wieder andere der Meinung, dass die Maßnahmen die aktuell ergriffen wurden, ausreichend sind.

Ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Monate zeigt jedenfalls ein deutliches Bild: Die Altersstruktur bei den Neuinfektionen hat sich seit dem Beginn des dritten Lockdowns klar verschoben.

Aktuell liegt das Durchschnittsalter der Neuinfizierten bei 37,9. Zu Beginn des dritten Lockdowns lag das Durchschnittsalter bei 47,4 - der höchste Wert seit dem ersten Lockdown.

Und eine Altersgruppe sticht ganz besonders hervor.

Gerade der Bereich der 0-14-Jährigen ist seit dem dritten Lockdown stark von Neuinfektionen betroffen. Aktuell sind 25 von 5.900 Schulen in Österreich behördlich geschlossen.

Aus diesem Grund und wegen der stark steigenden Neuinfektionen befürwortet Epidemiologe Gerald Gartlehner eine Verlängerung der Osterferien um eine Woche. Damit könnte man das Infektionsgeschehen abbremsen, ohne dass zu viel Unterricht verloren ginge. "Wir sehen wirklich, dass es in den Schulen zu vermehrten Infektionen kommt. Das ist wahrscheinlich aufgrund der britischen Variante", so der Experte für Evidenzbasierte Medizin von der Donau-Universität Krems in der ZiB2 am Donnerstagabend.

Man müsse sich zwar um die Kinder wenig Sorgen machen, da diese eine Sars-CoV-2-Infektion meist sehr gut überstehen. Sie würden aber die Infektionen auch zu den älteren Bevölkerungsschichten tragen.

Klar ist aber auch, dass die Zahl der Neuinfektionen gerade unter Schulkindern erst so stark ansteigt, seit es, seit 8. Februar, die sogenannten "Nasebohrertests" gibt. Ähnlich wie bei einem Antigen-Test, müssen auch diese bei einem positiven Ergebnis mit einem PCR-Test abgeglichen werden.

Dass das Infektionsgeschehen an Schulen trotz der geltenden Schutzmaßnahmen - regelmäßige Antigenschnelltests, Schichtbetrieb bei den Über-14-Jährigen, Masken- bzw. FFP2-Maskenpflicht für die Älteren - zunimmt, liegt laut Gartlehner an einer vermutlich nicht optimalen Umsetzung vor Ort. Er sei auch nach wie vor nicht von der Aussagekraft der eingesetzten "Nasenbohrer"-Tests überzeugt. "Es ist besser als kein Test, aber ich glaube, man sollte wahrscheinlich auf andere, treffsichere Tests in der Zukunft umstellen."

Simulationsexperte Popper ist anderer Meinung

Anders der Simulationsexperte Niki Popper: Er würde die Schulen nach Ostern öffnen - eben weil dort mit dreimal wöchentlich durchgeführten Tests breite Screenings möglich seien, so Popper zur APA. Das wäre allemal besser, als die Kinder und Jugendlichen ungetestet zu lassen.

Die Schülerinnen und Schüler des Landes dürfen seit 8. Februar wieder in die Klassenzimmer zurückkehren, wenn auch nicht alle gleichzeitig. Nur die Volksschulen starteten in den vollen Regelbetrieb. Für die Sekundarstufe I und II gibt es einen Schichtbetrieb. Voraussetzung für die Teilnahme am Unterricht ist ein "Nasenbohrer"-Selbsttest. Wird er verweigert, muss das Kind im Distance Learning bleiben. Auch im Schulbereich gilt die FFP2-Maskenpflicht, allerdings nur für Schüler ab 14 Jahren. Kinder ab 6 Jahren benötigen den herkömmlichen Mund-Nasen-Schutz.

Elternvertreter protestieren unterdessen gegen einen möglichen Unterrichtsentfall nach Ostern. Sollte dies tatsächlich umgesetzt werden, müsse stattdessen an den Schulen an allen Wochentagen Lernunterstützung und Betreuung angeboten werden, hieß es in einer Aussendung des Dachverbands der Elternverbände an den Pflichtschulen. Lehrer wiederum müssten die ausgefallenen Stunden dann im August in einer für die Schüler freiwilligen Sommerschule "nachunterrichten".

Schultests drei Mal pro Woche

Ab heute, Freitag, wird an den Schulen dreimal wöchentlich per anterio-nasalem Schnelltest auf eine Covid-19-Infektion untersucht. Mit Tests am Montag, Mittwoch und Freitag wird unter der Woche damit alle 48 Stunden in der Nase gebohrt. Damit werden an den Schulen wöchentlich rund zwei Millionen Antigen-Selbsttests durchgeführt, so das Bildungsministerium in einer Aussendung.

Unterdessen sind sich Experten uneins über eine mögliche Verlängerung der Osterferien. "Wir streben einen möglichst sicheren Schulbetrieb an und intensivieren unsere Anstrengungen", so Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP)."Infektiöse Kinder werden durch die hohe Frequenz der Testungen noch besser gefunden und schnell aus dem System genommen."

Nach wie vor unklar ist der Schulbetrieb nach Ostern. Hier soll es am Montag gemeinsam mit anderen Bereichen eine Entscheidung geben. SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner meinte im Ö1-Morgenjournal, dass man angesichts der drohenden Überlastung der Intensivstationen nichts ausschließen könne. Allerdings müssten Schulen und Kindergärten das "letzte Mittel sein, das man zum Gegensteuern verwendet".

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.