© Cool Alps / Christoph HUBER

Chronik Österreich
07/12/2021

Selbstständigkeit in Corona-Zeiten: „Jetzt musst dir was überlegen“

Im ersten Corona-Jahr machten sich mehr Personen selbstständig als je zuvor. Plötzlich war Zeit für die Umsetzung von Ideen.

von Elisabeth Holzer

„14. März, drei Uhr in der Nacht.“ Kaum ein Unternehmensgründer dürfte so genau wie Michael Pfeifenberger wissen, wann er seine neue Firma auf die Beine gestellt hat. Doch der 31-Jährige hat das im Kopf, gestaltete er da doch den Ziegenbock, der künftig seine Sportbekleidungskollektion zieren sollte. „So hat’s mit der Modemarke begonnen“, erinnert sich der Steirer. Was so locker klingt, hat einen gar nicht leichten Hintergrund: Pfeifenbergers „Cool Alps“ entstand am Anfang der Corona-Pandemie und knapp vor dem ersten Lockdown.

4.487 Neugründungen allein in der Steiermark

Der Jungunternehmer aus Gröbming ist damit nicht allein. Laut Wirtschaftskammer gab es 2020 4.487 Neugründungen in der Steiermark, das ist gegenüber 2019 ein plus von 82 beziehungsweise 1,9 Prozent. Damit schlug das erste Corona-Krisenjahr sogar den bisherigen Rekordhalter 2019; rechnet man die selbstständigen Personenbetreuer dazu, gab es sogar 5.918 Gründungen. „Diese Zahlen belegen, dass die Selbstständigkeit oder oder gerade in herausfordernden Zeiten eine echte Alternative ist“, überlegt Josef Herk, Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark. „Trotz erschwerter Planbarkeit haben diese Menschen Eigeninitiative bewiesen.“

Pfeifenberger hatte bereits zwei kleine Unternehmen, eine Werbeagentur sowie eine Textildruckfirma. Doch wegen Corona fehlten beiden die Aufträge. „Es war ja alles runtergeschraubt, es hat keine Feste gegebene, keine Hochzeiten“, erinnert sich der Steirer. „Da hab’ ich mir gesagt, so, jetzt muss du dir was überlegen, wie du deine Firmen befüllst.“ Dann eben die nächtliche Idee: Warum nicht beide kombinieren? „Ich hab’ ja schon für Fremdfirmen Textildrucke gemacht“, schildert der 31-Jährige. „Das könnte ich auch mit eigener Mode.“

Body für Babys

Der Anfang war klein, Pfeifenberger gestaltete Kapperln mit seinem Ziegenbock-Logo. Die trug er selbst, einige Freunde auch. „Dann ist das weiter gegangen. Wenn’s ein Kapperl gibt, wieso soll es dann keine Hose oder kein Leiberl dazu geben?“ 40 Artikel hatte der Steirer anfangs im Repertoire, hauptsächlich funktionale Sport- und Wanderkleidung sowie Shirts, aber auch Babybodies und Hemden, ich hab’ zwei kleine Kinder, da hab’ ich das dann auch gleich für sie probiert. Und Hemden für den Opa.“ Also quasi ein Familienversuchslabor für das Familienunternehmen.

150 Artikel hat der Steirer mittlerweile im Online-Sortiment, die er bedruckt und gestaltet. Am Freitag eröffnete er auch sein Geschäftslokal in der Heimatgemeinde.

Die Rohware unter anderem aus Bio-Baumwolle bezieht er von einem Textilgroßhändler, der rund 200 Herstellermarken unter Vertrag hat. „Sämtliche Designs kommen dann aus Gröbming“, betont Pfeifenberger. „Ich kann auch meine Kollektion farblich und stimmig anpassen.“

Krise als Chance

Rund 45.400 Beratungsgespräche mit potenziellen Jungunternehmen führte die Wirtschaftskammer im Vorjahr. „Natürlich haben einige auch die Krise als Chance genützt, lang gehegte Ideen umzusetzen“, berichtet Michaela Steinwidder, Leiterin des Gründerservice. Bei Michael Pfeifenberger war das jedenfalls so. „Ohne Corona gäbe es vielleicht keine Modefirma, weil ich keine Zeit dafür gehabt hätte.“ Anderen Unternehmern rät er, „einfach dran bleiben. Wenn man eine Idee hat, dann durchziehen“.

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