Künstler Rudi Klein mit Kater Franz

© Kurier/Jeff Mangione

Hausbesuche
04/18/2021

Jäger und Sammler

Zu Gast bei Menschen mit Jagdtrieb nach Außergewöhnlichem

von Barbara Mader, Jeff Mangione

Sammler sei er wohl keiner, sagt Rudi Klein. Sein Wohn- und Arbeitsatelier teilt der Künstler mit zwei ziemlich schlimmen Bengalen-Katern (Franz und Fritz) und hunderten Objekten und Bildern, die dicht aneinander über die ganze Wand bis zur Decke hängen. Petersburger Hängung nennt man das. Rudi Klein, aufgewachsen im 21. Wiener Gemeindebezirk, nennt es Floridsdorfer Hängung. Als Sammler würde sich Klein trotzdem nicht bezeichnen. Denn ein Sammler ist einer, der Wert auf Vollständigkeit legt. Bei Rudi Klein ist das nicht so. Die Dinge sind ihm im Lauf der Zeit zugewachsen.  

Spindtüren aus einer Lokomotivfabrik. Alte Feuerzeuge. Alte amerikanische Drehbleistifte. Schallplatten. Gerade hat er wieder was gekauft. Eine alte Aufnahme des Jazzmusikers Ferell Sanders. Und eine Platte von einer finnischen Band, die so ähnlich wie „Die Leoparden“ heißt.

Bilder, von Künstlern wie Arnulf Rainer, Peter Kogler, Oswald Tschirtner. Meist gegen eigene Kunst getauscht. Das Auftreiben der Schätze macht nicht mehr so viel Freude wie früher. Da ist er oft monatelang durch Europa gejagt, auf der Suche nach einer seltenen Platte. Heute schaut er im Internet nach und hat sie drei Tage später. Die Jagd ist weniger aufregend geworden. 

Baby, Makramee ist der wahre Rock’n’ Roll     

Beim Eingang grüßt Kultrocker Lemmy Kilmister. Man weiß, wo man hier ist. Und doch wieder nicht. Constances Welt vereint Sticken und Makramee mit Poledance und Rock’n’ Roll. Constanze Baumfrisch ist Poledance-Lehrerin und Grafikerin.

Zu behaupten, die junge Frau mit Künstlernamen Killerqueen_c sei kreativ, wäre untertrieben. Sie bringt Blumenampeln und Heiligenbilder mit 15-cm-Absätzen und Salzstreuern in Form von Dildos unter einen Hut. Fotos von Papa, Mama, Alice Cooper. Ein altes Barschild aus dem Lieblingslokal in Pfaffstätten, Roadhouse. We’ll meet again. 

„Manchmal denk ich: Ich schmeiß jetzt alles raus“ 

Unter einer opulenten Plafondmalerei mit Gewitterstimmung sagt Jürgen Adhofer: „Das Puristische gefällt mir. Immer, wenn ich so cleane Appartements sehe, denk ich mir: Ich will das auch. Ich schmeiß jetzt alles raus.“ 
Ist natürlich unmöglich. Man lebt zwischen Barock und Empire und viel Fantasie. Leidenschaft und Beruf: Altes suchen und reparieren.

Jürgen Adhofer ist Antiquitätenhändler, sein Partner Ara Bazmi Reiki-Meister. Die beiden leben in einer Beletage-Wohnung in der Lenaugasse in Wien-Josefstadt. Kaum zu glauben, dass Jürgen mit seinen vielen Sachen schon acht Mal umgezogen ist. Der jüngste Umzug soll der letzte gewesen sein. Hier will man nun bleiben.

Jürgen, ein Steirer, hat zwanzig Jahre lang Jugenddiskotheken betrieben. Antiquitäten waren immer sein Hobby.  „Schon als kleines Kind hat mir das Alte besser als das Neue gefallen. Wir hatten Biedermeierschränke Zuhause am Dachboden und meine Eltern wollten mir ein modernes Jugendzimmer einrichten, das wollte ich partout nicht haben, sondern lieber die Biedereierschränke. Wahrscheinlich hab ich diese Affinität vom Großvater geerbt, der war auch so. Der Opa hat mich auch immer mitgenommen zu Antiquitätenhändlern.  Die anderen in meiner Familie wollten immer nur das Moderne, sie haben sogar in der  Altbauwohnung von der Uroma moderne Zwischendecken eingezogen und über den schönen Parkettboden einen Teppich gelegt! Grauenhaft!“ 

Deshalb: Modern ist hier gar nichts. Hier eine Barockbibliothek, dort ein Lager mit dreihundert Jahre alten Kachelöfen und eine Lusterwerkstatt. „Das ist mein größtes Hobby. Renovieren, verkaufen, umbauen. Dinge  in die Ursprungsform zurückbauen. Ich war immer schon ein Bastler.“  An den Wänden Malereien eines Freundes, der früher hier gewohnt hat. Sogar ein kleines gotisches Zimmer mit Geheimtüren gibt es. Besucher, die das hier zum ersten Mal sehen? „Die finden das lustig. Mir kommt es normal vor, ich kenne Leute, bei denen ist es zehnmal ärger!"

Wie Jürgen die Wohnung beschreiben würde? „Ich würde sagen, der ist irgendwie verrückt. Warum muss sich der so viele Sachen hereinstellen? Aber mir passiert das einfach, ich versuche eh immer, wenn ich wo neu einziehe, möglichst wenig reinzustellen, aufzuhängen, die Wände freizuhalten, nicht wieder  eine Kommode hier, ein Sessel dort. Aber dann finde ich wieder Dinge und plötzlich ist der Raum voll und man sieht keinen freien Winkel. Ich mag das Cleane. Aber es gelingt mir nicht.“

Der Stil dieser Wohnung?  Bunt gemischt. Fix ist hier gar nichts, man ist ständig auf der Suche nach Neuem. Filme, Videos und Serien wurden hier  schon gedreht, vieles wird regelmäßig verliehen. Es ist nicht alles Gold, das glänzt. Einiges, das auf den ersten Blick wertvoll und teuer aussieht, war tatsächlich erschwinglicher als so manche Kaufhausware. „Andere gehen zum Leiner oder zum Lutz. Ich laufe viel herum, bin bei Geschäftsauflösungen, Versteigerungen, wenn alte Hotels aufgelassen werden.  Die Wohnung ist ein ständiges Projekt und wird nie fertig. Ich bin immer auf der Suche.“

Manchmal träumen Jürgen und Ari von weißen Wänden. „Aber sobald ich einmal wo Platz habe, wird er gleich wieder vollgeräumt. Es ist ganz schlimm. Sogar die Toilette und das Badezimmer. alles vollgeräumt. Aber es gehört halt zu mir.“

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