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Chronik Österreich
04/12/2020

Isolation in der Corona-Krise: Not macht erfinderisch

Kommunikation als Grundbedürfnis gegen die Einsamkeit. Egal wie und auf welchen Kanälen.

von Daniel Voglhuber, Katharina Salzer

Voller Inbrunst sang sie in ihre Haarbürste eine Corona-Version ihres Hits „Vogue“ und tanzte. Madonna filmte sich vor einigen Tagen dabei in ihrer Selbstquarantäne. All das um drei Uhr in der Nacht.

Not macht erfinderisch, heißt es. ‚„Wer isoliert ist, sucht nach Lösungen“, sagt Arnd Florack, Professor für Sozialpsychologie an der Uni Wien. „Das sehen wir jetzt sehr gut.“ Etwa bei der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Oder auch bei den vielen Internet-Memes.

Wobei: „Wir reagieren nicht alle gleich.“ Bei vielen Menschen wirkt sich Isolation ganz und gar nicht gut aus. „Wenn ich in schlechter Stimmung bin, werde ich weniger assoziativ denken.“ Soll heißen, die Kreativität lässt nach.

Und wenn es nur das wäre: Einsamkeit (auch gefühlte) verkürzt die Lebenserwartung, schwächt das Immunsystem, weckt Aggressionen. Und das ist nur eine Auswahl. Der Grund liegt bei unseren Vor-Vor-Vorfahren. „In der Geschichte der Evolution ist Einsamkeit etwas Bedrohliches. Es war eine Gefahr, allein zu sein.“ Man musste immer Aufmerksamkeit auf Gefahren legen. Gleichzeitig musste man das System mobilisieren, um schnell reagieren zu können.

Einsamkeit ist eine negative Emotion wie das Schmerzgefühl. Bei Schmerz  hat man die Motivation, Anschluss zu suchen.

Arnd Florack Sozialpsychologe

Langfristig führt das zu Herz-Kreislauferkrankungen. Im Schlaf war es für die Menschen noch einmal gefährlich. Auch heute stört Einsamkeit die Nachtruhe. „Es kommt zu Momenten des Erwachens.“ Das führt zu geringerer Leistungsfähigkeit. Und man altert frühzeitig.

Eines sei wichtig: „Einsamkeit ist eine negative Emotion wie das Schmerzgefühl. Bei Schmerz hat man die Motivation, Anschluss zu suchen.“ Menschen gehen online, suchen im Internet Kontakt zu Freunden – selbst zu jenen, die sie 20 Jahre nicht gesehen haben. Und: „Wenn ich mit Familienmitgliedern zusammen wohne, online Freunde sehe, dann bin ich nicht einsam. Dann treten die negativen Effekte meist gar nicht auf.“

Kommunikation sei ein Grundbedürfnis, erklärt Soziolinguist Manfred Glauninger. „Die Isolation führt uns vor Augen, wie wichtig sie ist.“ Kommunikation heißt nicht nur reden. Menschen kleben Rezepte auf die Fenster und Nachrichten auf Türen, sie veranstalten Balkon-Konzerte, sie tratschen über den Hof hinweg, sie tauschen sich über alle möglichen Plattformen im Internet aus.

Das direkte Gespräch kann das aber nicht immer ersetzen. Bei Telefonaten ist gar keine Mimik zu sehen, bei Chats oft nur wenig. Auf diese sind Menschen aber auch angewiesen (genauso wie auf Berührungen).

Glauninger hält seine Vorlesungen derzeit via Internet ab. Er nimmt die Tonspur zu seiner Powerpoint-Präsentation auf. Für eineinhalb Stunden Vorlesung dauert das drei Stunden. Auch weil man zusätzlich viel erklären muss, was sich normalerweise aus dem Kontext erklärt. Oder einfach auch nur, weil er die Reaktion seiner Studenten nicht sehen kann.

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