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Chronik Österreich
10/02/2019

IS-Waisenkinder sind zurück in Österreich

Es handelt sich um die Buben der verstorbenen Wienerin Sabina S. Salzburgerin Maria G. und ihre Kinder müssen noch warten.

von Michaela Reibenwein

Monatelang liefen die Vorbereitungen, Mittwochmittag war es so weit: Zwei österreichische IS-Kinder wurden aus dem Lager Al-Hol in Nordostsyrien geholt und an der syrisch-irakischen Grenze den österreichischen Behörden übergeben. Es handelt sich dabei um die beiden Söhne (2 und 3,5 Jahre) der mutmaßlich in Syrien ums Leben gekommenen Wienerin Sabina S.  Am Nachmittag erfolgte der Flug vom irakischen Erbil nach Wien. Nach der Landung am Mittwochabend wurden die Kinder in eine  Heereseinrichtung gebracht und dort abgeschirmt.

„Nachdem die Identität der Kinder im Lager Al-Hol mittels DNA-Tests zweifelsfrei geklärt worden war, wurde die Rückholung der beiden Kleinkinder eingeleitet“, bestätigte Peter Guschelbauer, Sprecher des Außenministeriums, im Vorfeld. Die Rückholung erfolgte unter anderem im Beisein österreichischer Sicherheitskräfte. Senada S., die Großmutter die die Kinder nach Hause holte, soll nicht vor Ort gewesen sein.  

Psychologische Hilfe

Anwalt Clemens Lintschinger berichtete bereits vor der Ankunft in Wien-Schwechat, dass es den beiden Kindern gut gehe. „Sie sollen so rasch wie möglich zu ihrer Großmutter.“ Wichtig sei die Nachbetreuung der Buben. „Sie brauchen Normalität. Und sie brauchen psychologische Unterstützung und Hilfe beim Deutschlernen, damit sie sich möglichst rasch integrieren.“ Zumindest der ältere Bub dürfte etwas Deutsch sprechen.

Es habe aus seiner Sicht viel zu lange gedauert, ehe die Rückholaktion stattgefunden habe. „Das Risiko war groß, weil man sich so lange Zeit gelassen hat“, erklärt er in Richtung Außenministerium.

Die Wienerin Sabina S. war im Jahr 2014 mit ihrer Freundin Samra K. in den „Heiligen Krieg“ gezogen. Damals war sie 15 Jahre alt. Bei den Luftangriffen auf die letzten IS-Rückzugsorte dürfte sie getötet worden sein.

Ihre Kinder wurden von den Kurden ins Lager Al-Hol gebracht, dort wurden sie von einer Fremden versorgt. Bis zuletzt hatte Sabina  Kontakt zu ihrer Mutter Senada S. „Alle drei Tage meldet sie sich“, sagte die Frau in einem KURIER-Interview.

Nach dem Tod ihrer Tochter machte sich die Wienerin auf die Suche nach ihren Enkelkindern. Gemeinsam mit dem Politikwissenschafter Thomas Schmidinger gelang es ihr im vergangenen Mai, ins Lager zu gelangen. „Wir sind mit dem Foto der Buben, begleitet von kurdischen Kämpfern, stundenlang durch das Zeltlager und haben uns durchgefragt. Anders ging es nicht, da leben mehr als 70.000 Menschen“, schilderte Schmidinger.

Ein Pflegegericht sprach Senada S.  das Sorgerecht für ihre beiden Enkelkinder zu. Zuvor musste die Verwandtschaft durch einen DNA-Test bestätigt werden – was mehrere Monate in Anspruch nahm.

Bei Salzburgerin fehlen DNA-Tests

Die Salzburgerin Maria G. und ihre zwei Kinder im Alter von eineinhalb und drei Jahren sind allerdings noch immer in Al-Hol. Noch fehlen in diesem Fall die erforderlichen DNA-Tests. Erst dann können Mutter und Kinder heimgeholt werden.

Die Mutter von Maria G. hatte bereits versucht, ihre Tochter und die Enkelkinder nach Österreich zu bringen. Maria G. hatte sich 2014 dem Islamischen Staat angeschlossen und einen Syrer geheiratet. Im Dezember 2017 hatte die Mutter versucht, über einen Schlepper die Rückreise zu organisieren. 6.000 Euro zahlte sie dafür. Doch die Rückholung kam nicht zustande. Stattdessen musste sich die Frau wegen des Verdachts der Terrorismusfinanzierung vor Gericht verantworten – sie wurde aber freigesprochen.

Nach der Ankunft in Österreich wird Maria G. wohl sofort festgenommen werden. Gegen die 22-Jährige besteht seit 2015 ein Haftbefehl (wegen ihrer Ausreise nach Syrien).
Und auch eine weitere junge Frau wartet indes auf ihre Rückholung nach Österreich. Die 20-Jährige und ihr kleiner Sohn sitzen im Camp Roj in Nordsyrien fest.  

 

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