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Chronik Wien
05/03/2019

Sabina S. zog in den Dschihad: Mutter will Enkel nach Wien holen

Rückholung der Kinder (3 und 1,5 Jahre alt) könnte aber an fehlenden Dokumenten scheitern.

von Michaela Reibenwein

Mit 15 Jahren zog Sabina S. mit ihrer Freundin Samra in den Dschihad nach Syrien. Am letzten Tag der großen Schlacht um die IS-Hochburg Baghuz soll die junge Frau gestorben sein. Sie hat in Syrien zwei Kinder geboren. Um die kämpft nun Sabinas Mutter, Senada S., berichtet die Presse. Die Wienerin will ihre Enkel (1,5 und drei Jahre), die aktuell im Camp Hol untergebracht sind, nach Österreich holen. Doch das dürfte schwierig werden – die Kinder haben keinerlei Dokumente. „Wenn Kinder sterben müssen, weil sie keine Geburtsurkunde haben, geht das eindeutig zu weit“, sagt Rechtsanwalt Clemens Lintschinger, der Senada S. unterstützt.

Der Ball liegt aktuell bei der Wiener MA 35; sie ist für Staatsbürgerschaften zuständig. „Das ist ein sehr ungewöhnliches Verfahren, einen derartigen Fall hatten wir noch nie“, sagt der stellvertretende Leiter Dominik Haider. Weil es weder Geburtsurkunde noch sonstige Dokumente gibt, müsse wohl ein DNA-Test bestätigen, dass es sich tatsächlich um die Kinder von Sabina S. handelt. „Erst dann können wir eine österreichische Staatsbürgerschaft bestätigen“, sagt Haider. Und erst dann können die Kinder das Lager in Syrien verlassen.

„Es muss schnell gehen“

Großmutter Senada S. ist aktuell vor Ort. Sie hofft darauf, ihre beiden Enkel bald nach Österreich bringen zu können. „Es muss schnell gehen“, drängt Anwalt Lintschinger. Derzeit werden die Kinder von Syrerinnen betreut, die ebenfalls in dem Camp festgehalten werden. „Die kurdische Verwaltung lässt die Kinder erst gehen, wenn Österreich zustimmt.“ Und Senada S. hat keinen Zugang zum Camp. Nur einmal konnte sie mit Hilfe des Politologen Thomas Schmidinger hinein und ihre Enkelkinder ausfindig machen.