Chronik | Österreich
18.06.2018

Interpol-Mann heuert beim BVT an

Verfassungsschutz: Seit 1. Juni ist der Kärntner Karl Lesjak ist für die Spionageabwehr zuständig.

Der frühere BVT-Abteilungsleiter Martin W., der mit seinen Zeugenaussagen die Affäre um das Bundesamt für Verfassungsschutz ( BVT) wesentlich befeuert hat, hat sich in die Privatwirtschaft verabschiedet. Seit 18. Mai 2018 ist Martin W. laut Wirtschaftskammer Österreich als Unternehmensberater in Wiener Neustadt tätig.

In der Zwischenzeit wurde aber die Leitung der Abteilung 2 im BVT neu besetzt. Sechs Bewerber, darunter zwei Frauen, hatten an der Ausschreibung teilgenommen. Zwei Männer kamen schließlich als „höchst geeignet“ in die Endrunde.

Seit 1. Juni ist nun Karl Lesjak die neue Führungskraft im BVT. Der gebürtige Kärntner leitet damit die Informationsgewinnung und die Ermittlungen. Damit unterstehen ihm die Referate Extremismus und Terrorismus, die Spionageabwehr und der Bereich internationaler Waffenhandel/Proliferation. Außerdem gehört die sogenannte Auswertung zu seinen Agenden.

Sicherheitsbüro

Lesjak ist seit 1986 bei der Polizei, war jahrelang im Wiener Sicherheitsbüro tätig und ab 1995 Chef der legendären Einsatzgruppe D zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (EDOK) und Anti-Drogenkoordinator im Innenministerium.

Die EDOK war 1992 vom damaligen Generaldirektor Michael Sika gegründet worden und ging rund zehn Jahre später im Bundeskriminalamt auf. Lesjak wechselte dann 2003 zur Interpol nach Lyon. Dort leitete der studierte Jurist als Vize-Direktor das Command and Coordination Center (CCC), die erste Anlaufstelle für alle Interpol-Mitgliedsstaaten. Später war er Koordinator in der Abteilung „Police Services“ im Generalsekretariat Lyon. Ab Mai 2012 koordinierte Lesjak das Projekt „EU Support to Law Enforcement“ in Sarajewo, Bosnien- Herzegowina.

Im durch die umstrittene Razzia und die vielen gegenseitigen Anwürfe paralysierten Verfassungsschutz erwartet Lesjak nun eine Art Herkulesaufgabe.