Innsbruck: Obdachlos für den guten Zweck

Innsbruck: Obdachlos für den guten Zweck
Zwei Tiroler wollen im Rahmen einer Spendenaktion für drei Tage und Nächte auf der Straße leben.

Es ist ein schmaler Grat, auf dem sich Reinhold Happ und Reinhard Sachsenmaier bewegen. Das ist ihnen klar. Von Sonntag bis Mittwoch wollen die beiden in Innsbruck das Leben von Obdachlosen leben: Drei Tage und drei Nächte lang kalte Straße statt warmer Stube. Aber eben nur auf Zeit.

„Wir können uns natürlich nicht mit den Leuten vergleichen, die seit Jahren auf der Straße leben. Wir könnten ja jederzeit abbrechen. Aber wir werden einen guten Einblick bekommen“, sagt Happ, der betont: „Das ist für uns kein Jux oder eine Challenge.“

Viel mehr geht es darum, auf die Lage jener aufmerksam zu machen, die keine Wahl haben. Und Spenden für die Betroffenen zu sammeln: Schlafsäcke, Iso-Matten, Lebensmittelgutscheine und Geldspenden. Die zwei Tiroler sind mit ihrem Sozialverein (siehe Infobox) schon seit mehreren Jahren aktiv und unterstützen unter anderem in Not geratene Familien. Für Happ ist auch die Situation von Obdachlosen keine Unbekannte.

Innsbruck: Obdachlos für den guten Zweck

Sachsenmaier (l.) und Happ sammeln Schlafsäcke und Iso-Matten.

„Ich habe schon sehr lange mit den Betroffenen zu tun. Seit neun Jahren fahre ich beim Vinzibus mit und bin seit fünf Jahren im Vorstand“, erzählt Happ. Der Bus fährt das ganze Jahr hindurch zu mehreren Standplätzen in Innsbruck, an denen warme Mahlzeiten ausgegeben werden. Nicht nur an Menschen, die auf der Straße leben.

Es gibt auch die Mindestpensionisten oder die Mutter mit Kind, die nicht über die Runden kommen. „Das ist traurig mitanzusehen in so einem reichen Land“, sagt Sachsenmaier, der ebenfalls schon mit an Bord war.

Am heutigen Sonntag um 15 Uhr beginnt für die zwei Tiroler das vorübergehende Leben auf der Straße bei der Innsbrucker Annasäule – ohne Geld und in Gewändern von der Kleiderausgabe.

Ins Gespräch kommen

Ihre Mahlzeiten werden die Männer gemeinsam mit den Obdachlosen dort einnehmen, wo auch sie versorgt werden. „Wir wollen mit ihnen ins Gespräch kommen“, sagt Happ. Worauf sie nicht verzichten, ist das Handy. Damit werden die Tiroler, die im normalen Leben bei Swarovski arbeiten und dort auch Betriebsräte sind, in Videobotschaften ihre Eindrücke im Internet teilen.

Für das soziale Angebot der Stadt Innsbruck haben sie prinzipiell lobende Worte: „Jeder bekommt hier was zu essen und zu trinken. Und in der Regel gibt es für jeden einen Schlafplatz, der ihn braucht“, sagt Happ.

Nächtigungsverbot

Doch es gibt genügend Menschen, die diese Einrichtungen nicht aufsuchen – etwa weil sie unter psychischen Problemen leiden. Ihnen hat die Stadt in den vergangenen Jahren das Leben schwer gemacht. In weiten Teilen der Innsbrucker Innenstadt gibt es ein Nächtigungsverbot.

Diese Bereiche werden Happ und Sachsenmaier bewusst zum Schlafen aufsuchen. „Hier wollen wir durchaus anecken“, sagen die beiden. Strafen würden sie natürlich aus eigener Tasche zahlen. Am Mittwoch endet die Aktion mit einem Spenden-Flashmob vor dem Landhaus.

Benefizverein:
„Reini Happ und Freunde“ ist ein kleiner Tiroler Verein, der seit 2017 Menschen in Notlagen unterstützt

Aktion:
Vom 20. bis 23.12. leben zwei Vereinsmitglieder auf der Straße. Die Aktion endet mit einem Spenden-Flashmob. Infos auf der Facebook-Seite des Vereins

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