Hoteliers: Hochrisikogebiet ist atmosphärische Katastrophe

Hoteliers: Hochrisikogebiet ist atmosphärische Katastrophe
Laut der Chefin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) würden nur Geimpfte oder Genesene buchen.

Deutschland hat Österreich zum Corona-Hochrisikogebiet erklärt - die Infektionszahlen schießen hierzulande noch wesentlich deutlicher in die Höhe als in dem Nachbarland. "Diese Reisewarnung ist eine atmosphärische Katastrophe", sagte die Chefin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Michaela Reitterer, zur APA. "Es geht um die Stimmung - und es verunsichert jeden, der geimpft ist", so die Hotelière.

Bisher hätten die hohen Coronainzidenzen in Österreich noch zu keiner Stornowelle unter den Urlaubern geführt. "Wir haben ohnehin 2G in den Hotels, bei uns buchen nur Geimpfte und Genesene", betonte Reitterer. "Wir wollen einen Winter haben, wir sind gut darauf vorbereitet", sorgt sich die Touristikerin um das Geschäft. Der vergangene Winter 2020/21 war für die Branche wegen des monatelangen Lockdowns ein Totalausfall.

Wenig überraschend

Christian Schützinger, Chef von Vorarlberg Tourismus, zeigte sich von der Reisewarnung Deutschlands angesichts der hohen Infektionszahlen wenig überrascht. Die Unsicherheit in Deutschland, Österreich betreffend, werde steigen. "Das wird zu Stornos und Zurückhaltung bei den Buchungen führen", so Schützinger über den Effekt der Reisewarnung. Dabei sei die Buchungslage bisher sehr gut. Die Nachfrage sei da, "aber eben sehr fragil". Sorge bereite die Frage der Urlauberkinder.

Vorarlberg habe einen hohen Anteil an deutschen Gästen, sie sind der Hauptmarkt für den hiesigen Tourismus. Aufgrund der 2G-Regel in der Beherbergung dürften sich ohnehin nur geimpfte und genesene Gäste im Land aufhalten, "aber wir dürfen die Kinder nicht vergessen", betonte Schützinger. Gerade um Weihnachten urlaubten viele Familien im Land. Deren nichtgeimpfte Kinder müssten nach der Rückkehr in Quarantäne, gab er zu bedenken. Wie viele deutsche Gäste in der derzeitigen Zwischensaison im Land sind, lasse sich schwer einschätzen, es handle sich aber wohl um zumeist bereits geimpfte Erwachsene.

Nicht überrascht hat sich auch Tirols LH Günther Platter (ÖVP) über die deutsche Einstufung von Österreich als Hochrisikogebiet gezeigt. Die Reisewarnung habe sich "bereits abgezeichnet", sagte Platter auf APA-Anfrage. Der Landeshauptmann, dessen Bundesland touristisch zu den besonders von der Maßnahme betroffenen zählt, betonte aber, dass für Geimpfte und Genesene der Urlaub ohne große Einschränkungen möglich sein wird. In der Tourismusbranche sah man dagegen ein "Desaster".

"Sicherheit ist das Herzstück des heurigen Winterurlaubs", meinte Platter, der darauf verwies, dass Deutschland aktuell rund 70 Länder als Hochrisikogebiete einstufe. Die Tiroler Tourismusbetriebe und Skigebiete hätten sich jedenfalls mit "umfassenden Hygiene- und Sicherheitskonzepten" akribisch vorbereitet.

"Kühlen Kopf bewahren"

Kärnten Werbung-Chef Christian Kresse übt sich dennoch in Optimismus, die Stimmung für einen Winterurlaub sei immer noch gut. Es würde diese Saison zwar weniger Buchungen, aber wohl mehr kurzfristige Urlaubsentscheidungen geben. Tourismus-Landesrat Sebastian Schuschnig (ÖVP) bezeichnete die Entscheidung Deutschlands als "herben Rückschlag".

"Wir haben immer gewusst, dass es ein schwieriger Winter wird und auch, dass wir nicht in die Normalität gekommen wären. Aber das Ausmaß der hohen Infektionszahlen trifft uns alle unerwartet", erklärte Kresse auf APA-Anfrage. Dennoch sei ein solcher Trend in ganz Europa zu verzeichnen. "Jetzt gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und optimistisch auf die Maßnahmen zu bauen, die der Tourismus gesetzt hat", sagte Kresse. Für die Branche sprechen würde, dass "in den letzten eineinhalb Jahren nicht einmal vier Prozent aller Infektionen" auf den Tourismus zurückzuführen gewesen seien.

Quarantänepflicht für Ungeimpfte 

Ab Sonntag gilt in Deutschland Quarantänepflicht für alle, die aus Österreich zurückkehren und weder geimpft noch genesen sind. Das hat der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag laut Reuters in Berlin bestätigt. Ein Freitesten aus der zehntägigen Quarantäne ist frühestens nach dem fünften Tag möglich.

Geimpfte und Genesene sind von der Quarantänepflicht ausgenommen. Sie müssen sich künftig vor der Einreise verpflichtend digital anmelden und dabei ihr Impf- oder Genesungszertifikat hochladen. Bei der Einreise ist die Bestätigung der Anmeldung mitzuführen.

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