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Hipp-Erpressung aus Rache? Das sagt der Tatverdächtige

Der 39-jährige Slowake leugnet die Tat. Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei ihm Rattengift sichergestellt.
Viele Gläser mit Babynahrung der Marke Hipp stehen nebeneinander.

Er dürfte ein auffälliger Mann sein, wie man aus dem Heimatort des mutmaßlichen Hipp-Erpressers hört. Seit Montag befindet sich der 39-jährige Slowake in der Justizanstalt Eisenstadt, bald soll die U-Haft verhängt werden.

Seit bekannt wurde, dass mehrere Gläschen Babynahrung mit Rattengift versetzt worden waren, um zwei Millionen Euro in Kryptowährung bei der Firma Hipp zu erpressen, steht die Frage im Raum, wer zu so einer Tat fähig ist.

Seit Montag hat der dringend Tatverdächtige, der bislang alle Vorwürfe leugnet, einen bekannten Wiener Strafverteidiger. Auf Manfred Arbacher-Stöger wird ein schweres Stück Arbeit zukommen, denn laut Ermittlern sind die Beweise in dem Fall erdrückend.

Verdächtiger verlor seinen Job bei Hipp

Bei einer Hausdurchsuchung an der Adresse des 39-Jährigen in St. Gilgen am Wolfgangsee haben Kriminalisten Rattengift sichergestellt. Ob es genau jene Substanz ist, mit der auch die Hipp-Gläser vergiftet wurden, sollen Laboranalysen zeigen. "Mein Mandant beteuert seine Unschuld. Das Arbeitsverhältnis mit Hipp ist amikal und einvernehmlich aufgelöst worden. Er hat daher kein Motiv", meint Arbacher-Stöger.

Der Slowake war bei der Hipp-Niederlassung in Gmunden (OÖ) tätig und im vergangenen Februar einer von insgesamt 26 Mitarbeitern, die das Unternehmen überraschend verlassen mussten. Der deutsche Konzern hatte entschieden, eine der vier Produktionslinien am Standort Gmunden einzustellen. Laut Ermittlern ist darin das Motiv zu finden, weshalb der 39-Jährige die Firma erpresst haben soll. 

Strafverteidiger Manfred Arbacher-Stöger

Strafverteidiger Manfred Arbacher-Stöger

Wieso der Slowake Rattengift in seiner Wohnung hatte, erklärt sein Anwalt so: "Er hat eine Landwirtschaft in seiner Heimat in der Slowakei und hat das Rattengift dort benötigt." Für die Kriminalisten ist das eine reine "Schutzbehauptung".

Was das Alibi anbelangt, beruft sich der 39-Jährige unter anderem auf die Bewegungsdaten seiner Smartwatch und des Handys. Diese sollen zeigen, dass er die vergifteten Gläser nicht in den Supermarktregalen in Tschechien, der Slowakei und im Burgenland platziert hat. Datenforensiker sind bereits dabei, alle sichergestellten Geräte auszuwerten.

Der Vater von drei Kindern kam erst vor einigen Jahren in den 4.000-Einwohner-Ort St. Gilgen. Die Gemeinde ist stark vom Tourismus geprägt.

Womit der Verdächtige aufgefallen ist

Daher ist es auch nicht ungewöhnlich, dass immer wieder Arbeitskräfte aus dem Ausland zuziehen. Er sei aber besonders auffällig gewesen, wie der KURIER in St. Gilgen erfuhr. So habe der Tatverdächtige zum Beispiel einen eigenen Sportverein für Kinder gründen wollen, obwohl es im Ort und Umgebung bereits mehrere Vereine gibt. Im Ort sei das nicht bei allen Bewohnern gut angekommen, obwohl er immer sehr, sehr freundlich war, wie dem KURIER von Ansässigen versichert wurde.

Auch für seine drei Kinder habe er immer versucht, noch bessere Möglichkeiten zu schaffen, sei sogar Elternsprecher in der Schule gewesen.

Leben im Luxus

Was der Verdächtige beruflich macht, habe in der Gemeinde immer für Diskussionsstoff gesorgt. Seine Kinder chauffierte der 39-Jährige mit teuren Luxusautos herum. Er erweckte dadurch nach außen den Anschein, sehr wohlhabend zu sein. Dass er beim Babynahrungs-Hersteller Hipp in Gmunden arbeitet, sei bekannt gewesen.

In der Gemeinde glaubten aufgrund seines Auftretens viele, dass er dort eine Chefposition inne hat. Tatsächlich war er aber eher im mittleren Management tätig, bevor er im Februar 2026 die Arbeit verlor.

Geldnot als Motiv?

Dass der Jobverlust der finanziellen Situation eines Familienvaters stark zusetzen kann, ist klar. Es kann zu diesem Zeitpunkt nur gemutmaßt werden, ob eventuell Geldnot in Verbindung mit Rachegedanken der Grund gewesen sein könnte, Hipp-Gläser zu vergiften.

Zusätzlich zu den Problemen bei Hipp soll parallel auch die Beziehung des 39-jährigen Familienvaters stark gelitten haben. Erst kürzlich soll es zur Trennung von der Mutter der gemeinsamen Kinder gekommen sein.

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