Gift in Hipp-Brei: Polizei nahm Tatverdächtigen in Salzburg fest
Über den Verdächtigen wurde die U-Haft verhängt.
Eine dramatische Wende gibt es im Fall rund um die Erpressung des bekannten Babynahrungsherstellers Hipp in Bayern. Ermittlern ist in internationaler Zusammenarbeit in der Causa nach zwei Wochen ein Durchbruch gelungen.
Wie bekannt geworden ist, steht der brisante Kriminalfall vor der Klärung. Die Polizei hat am Samstag einen dringend Tatverdächtigen festgenommen, bestätigt Helmut Marban von der Landespolizeidirektion Burgenland.
Ein zweites mutmaßlich manipuliertes Hipp-Glas wird im Burgenland weiterhin gesucht.
Die Festnahme erfolgte laut Marban durch Beamte des Landeskriminalamtes Burgenland mit Unterstützung des Bundeskriminalamts. "Der 39-Jährige wird derzeit einvernommen. Zum jetzigen Zeitpunkt können daher weder Details zur verdächtigen Person noch zu den weiteren Ermittlungsschritten bekanntgegeben werden", so Marban.
Bekannt ist mittlerweile, dass der Zugriff der Polizei im Bundesland Salzburg erfolgte. Der Verdächtige befand sich laut Marban zunächst in Polizeigewahrsam und soll im Laufe des Sonntags in die Justizanstalt Eisenstadt überstellt werden. Die Staatsanwaltschaft Eisenstadt stellte auch bereits einen Antrag auf Untersuchungshaft.
Auf die Spur des Verdächtigen sind die Ermittler durch gezielte Datenforensik gekommen. Die elektronische Spur des Erpresserschreibens habe wertvolle Hinweise gebracht, so die Polizei. Der 39-Jährige wurde vor seiner Festnahme am Samstag bereits tagelang verdeckt observiert. Dabei erhärtete sich auch der Tatverdacht gegen ihn, hieß es aus Ermittlerkreisen.
Täter wollte zwei Millionen Euro
Ende März war bei der Firma Hipp ein Erpresser-Schreiben per E-Mail eingelangt. Weil es allerdings in einem allgemeinen Mail-Ordner landete, der nicht permanent überprüft wird, wurde das Schreiben erst am 16. April entdeckt. Die Frist der Erpresser für die Überweisung von zwei Millionen Euro war zu diesem Zeitpunkt schon zwei Wochen verstrichen und der Täter hatte Ernst gemacht und vergiftete Hipp-Gläschen in Umlauf gebracht.
In Österreich wurden in einer Spar-Filiale in Eisenstadt zwei vergiftete Gläser Karotten-Kartoffelbrei verkauft. Während eines davon von Eltern im burgenländischen Schützen am Gebirge entdeckt und der Fund gemeldet wurde, war das zweite Glas unauffindbar.
Im sichergestellten Hipp-Glas wurden laut Gutachten der Staatsanwaltschaft Eisenstadt 15 Mikrogramm Rattengift festgestellt. Um welche Art von Rattengift es sich dabei genau handelt, wurde aus ermittlungstaktischen Gründen bisher nicht bekannt gegeben. Ermittelt wird wegen vorsätzlicher Gemeingefährdung und versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung.
In internationaler Zusammenarbeit der Polizeibehörden wurde in dem Fall die Soko "Glas" gegründet. Beteiligt daran sind das Bundeskriminalamt in Österreich, das Landeskriminalamt Burgenland sowie Kriminalbeamte aus Ingolstadt.
Bisher fünf manipulierte Gläser gefunden
Die burgenländische Polizei hatte bis zuletzt gehofft, auch das zweite vergiftete Glas mit Babybrei zu finden - einerseits, um Gefahren abzuwenden, und andererseits als Beweismittel im Ermittlungsverfahren. Die Suche in Krankenhäusern, Alters- und Pflegeeinrichtungen, Kindergärten und -krippen sowie bei Familien mit Kleinkindern aus der Umgebung verlief bislang ohne Erfolg. Auch die ungarischen Behörden wurden informiert, falls die Babynahrung von Personen aus dem Grenzgebiet gekauft wurde.
Die deutschen Behörden ermitteln in dem Fall wegen des Verdachts der versuchten Erpressung des Babykostherstellers. In Österreich, Tschechien und der Slowakei wurden bisher insgesamt fünf manipulierte Babynahrungsgläser vor dem Verzehr sichergestellt. Der Rückruf der Hipp-Produkte bei Spar war in der Nacht auf 18. April öffentlich geworden.
Tödliche Dosis?
Im Zuge des Ermittlungsverfahrens will die Staatsanwaltschaft Eisenstadt klären, welche Folgen ein Verzehr der vergifteten Babynahrung gehabt hätte. Ein ergänzendes Gutachten soll die Auswirkungen auf den Körper eines Kleinkindes und die Frage klären, ob die Dosis tödlich hätte sein können.
Der Täter hatten in seinem Erpresser-Schreiben detailliert erklärt, sechs giftige Gläser unter die Verkaufsware zu mischen – zwei in Tschechien, zwei in der Slowakei und zwei in Österreich. Die Gläser waren mit einem weißen Sticker und einem roten Kreis darin markiert.
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