Viele offene Fragen rund um den Wolf

© APA - Austria Presse Agentur

Chronik Österreich
08/11/2021

Kärnten: Heuer angeblich schon 70 Nutztiere von Wölfen gerissen

Sechs Wölfe wurden in Kärnten nachgewiesen, es handelt sich um zwei Populationen: „Wölfe keine Pandabären“

Heuer sind bereits mehr als 70 Nutztiere in Kärnten gerissen worden, die wahrscheinlich auf das Konto von Wölfen gehen. Das erklärte Roman Kirnbauer, Wildbiologe und Wolfbeauftragter des Landes Kärnten, gegenüber der APA.

Die jüngsten Verdachtsfälle wurden von der Achomitzer Alm und von Oberdrauburg gemeldet, berichtet der ORF Kärnten. So viele Wolfsrisse hat es laut Kirnbauer in den letzten zehn Jahren nicht gegeben: „Es nimmt zu und wird auch weiterhin zunehmen.“

Dies liege an den Wolfspopulationen in Unteritalien, die sich „prächtig vermehren“, so Kirnbauer. Es gebe dort mittlerweile zehn bis 15 Rudel. Inwieweit diese in Kärnten heimisch sind, sei unklar. „Momentan halten sie sich bei uns auf.“ Aber Wölfe wanderten große Strecken und erst die Beobachtung über die nächsten Jahre würde zeigen können, ob man von „heimischen Wölfen“ sprechen könne.

Mittels DNA-Untersuchung konnten bisher sechs Wölfe nachgewiesen werden, fünf davon aus der italienischen, einer aus der dinarischen Population.

Bezüglich der Möglichkeiten, die Risse zu verhindern, ist der Experte zurückhaltend. Da gebe es mehrere bekannte Optionen. Die von den Almbauern geforderten Abschüsse würden demnach keinen dämpfenden Effekt auf die Ausbreitung haben: „Aus wildbiologischer Sicht, wenn man sich die europaweiten, also überregionalen, Zahlen der Wölfe ansieht, kann man eigentlich nicht von einer gefährdeten Tierart sprechen.“ Aber: „Ob es die Risse vermeiden wird, ist eine andere Sache.“

Jedoch sei der Wolf ein opportunistisches Lebewesen, sehr intelligent und sehr anpassungsfähig. Er habe enormes Potenzial bei der Lebensraumbeanspruchung und der Vermehrungsrate. „Was die Bedrohung angeht ist der Wolf kein Pandabär.“

Der Wolfsexperte des WWF Österreichs, Christian Pichler, stimmt zwar zu, dass der Wolf in Europa nicht vom Aussterben bedroht sei. In der EU gebe es rund 12.000 Wölfe. Doch der Gedanke des Wolfschutzes sei nicht, dass es in einem Land sehr viele gebe und in den anderen gar keine.

„Jedes Land ist verpflichtet, den Erhalt zu schaffen“, so Pichler. In Deutschland gebe es 100 bis 130 Rudel, in Slowenien 14. „In Österreich sind es zwei, im Osten.“ Man sei damit weit weg von seinen rechtlichen Verpflichtungen. „Österreich kann sich nicht rausreden. Die anderen Länder haben einiges getan, investieren Geld und unterstützen die Bauern.“ Sonst würden irgendwann auch die anderen Länder sagen, man brauche keine Wölfe. Es sei wie beim Klimawandel: „Jeder muss bei sich selbst anfangen.“

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