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Chronik Österreich
07/08/2021

"Feuer frei": Wölfen soll es rascher an den Kragen gehen

Mit der Änderung des Jagdgesetzes wird der Abschuss des Wolfes in Tirol erleichtert. Salzburg will nachziehen, Kärnten setzt konkrete Schritte

von Anja Kröll

Es war einer der letzten Punkte auf der Tagesordnung des Tiroler Landtags. Doch die Emotionen um die Thematik, gehen seit Wochen hoch. Die Rede ist vom Wolf.

Wie eine Lösung im Umgang mit den sogenannten großen Beutegreifern, Wolf Bär und Luchs, aussehen könnte, will die schwarz-grüne Landesregierung in Tirol am Donnerstag mit der Änderung des Almschutz- und Jagdgesetzes beschließen.

Kuratorium gibt bindende Empfehlungen

Die zwei zentralen Aspekte: ein weisungsfreies Kuratorium wird künftig bindende Maßnahmen – von der Besenderung über die Vergrämung bis hin zur Entnahme (sprich Abschuss) – für die Landesregierung empfehlen. Zweitens: Die Tiroler Almen werden hinsichtlich ihrer Eignung für Herdenschutzmaßnahmen (vor allem Zäune, aber auch Hunde) kategorisiert.

Am Ende steht eine Art Landkarte, aus der hervorgeht, in welchen Gebieten Herdenschutz jedenfalls möglich ist, in welchen Bereichen nur bestimmte Arten von Herdenschutz umsetzbar sind und wo Herdenschutz undenkbar ist. Treten die beiden letzteren Fälle ein, handelt es sich um sogenannte Weideschutzgebiete, in denen es schneller grünes Licht für den Abschuss von Problemwölfen geben wird.

Kärnten setzt kommende Woche konkrete Schritte

Genau dieser Ruf, nach einem raschen, unbürokratischen Abschuss des Wolfes, wird auch in anderen Bundesländern immer lauter. Wohl nicht ganz zufällig kam aus Kärnten, pünktlich mit Donnerstag, die Forderung von Bauern nach einer Änderung des Jagdgesetzes. Im Gailtal waren erst kürzlich elf Schafe, vermutlich von zwei Wölfen gerissen worden.

Josef Obweger, Obmann des Almwirtschaftsverbandes Kärnten: „Wir reden hier von Almen, wo ein Herdenschutz nicht möglich ist. Eine Widmung nach Weideschutzgebieten wie in Tirol wäre auch in Kärnten ein vernünftiger Ansatz.“ Und genau dieser Antrag auf Weideschutzgebiete wird kommenden Montag in der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Kärnten eingebracht, wie Sprecher Wilfried Pesentheiner bestätigt. „Es besteht absoluter Handlungsbedarf. Die Bauern treiben ja kein Wolfsfutter auf die Almen, sondern Tiere für die Produktion hochwertiger Lebensmittel“, sagt Pesentheiner.

Und Obmann Obweger fügt hinzu: „Wir können nicht ein Jahr auf einen Bescheid für den Abschuss eines Problemwolfs warten. Dann ist der Wolf weg.“ Er spricht damit einen Fall in Salzburg an, wo genau dies vor Jahren passiert ist.

Demo der Bauern in Salzburg

Apropos Salzburg: Dort waren erst Donnerstagmittag Bauern bei einer Demonstration durch die Innenstadt gezogen. In Rauris sorgen Wölfe seit Wochen für Schafrisse.

Salzburg will mit einem Fünf-Punkte-Aktionsprogramm gegen den Wolf vorgehen. Darin ist auch der Umgang mit Problemwölfen geregelt. Entwickelt werden soll ein zweistufiger Notfallplan. Schritt eins: Vergrämen. Schritt zwei: Abschießen. Eine Kategorisierung der Almgebiete wie in Tirol sei ebenfalls denkbar, hieß es aus dem Büro von Landesrat Josef Schwaiger. „Allerdings sind die Almen in Salzburg weit zerstreut“, betonte ein Sprecher.

Wo endet Wolfsrevier?

Viele Experten sehen genau diesen Umstand als Knackpunkt, wenn es um das Thema Landkarte für Weideschutzgebiete, sprich Wolfsabschüsse geht. Zehn bis 20 Kilometer wandere ein Wolf täglich. „Wie sinnvoll ist es da ein Schema drüberzulegen? Die Größe der Dimensionierung hängt stark von der Regionalität ab“, sagt Johann Huber, zuständig für Herdenschutzberatung im Salzburger Alm- und Bergbauernverein. 300.000 Euro an Förderungen wurden für Herdenschutzmaßnahmen im vergangenen Jahr ausgeschüttet.

Die Wolfspopulation würde sich in Salzburg jährlich um 50 Prozent vermehren. „Das ergibt irgendwann eine exponentielle Zunahme, das kennt man ja von Corona. Doch wir diskutieren immer noch die Entnahme einzelner Tiere. Ein Wolf, der gegen die Regeln verstößt, muss weg“, sagt Huber. Dass die Thematik komplex ist, dessen sei man sich bewusst. „Darum wird auch nicht ein Schritt zur Lösung reichen. Der Wolf ist ein verherrlichtes Tier, das die meisten aus dem Universum-Film kennen, das macht es nicht leichter“, sagt der Herdenschutzbeauftragte.

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