Josef Pröll (re.) hat für eineinhalb Jahre den Vorsitz im Dachverband „Jagd Österreich“

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Chronik Österreich
07/18/2021

Wie die Wölfe den Wildbestand verändern

Josef Pröll nimmt als Sprachrohr von 130.000 Jägern zur emotionalen Debatte um die Raubtiere Stellung.

von Patrick Wammerl

Wenn die Behörde einen Problemwolf tatsächlich zum Abschuss frei gibt, wird es wohl ein Jäger sein, der die undankbare Aufgabe übernehmen und den Abzug ziehen muss. Sonst ist man seitens der Jägerschaft aber tunlichst bemüht, nicht in das emotionale Streitthema hineingezogen zu werden.

„Es ist eine Entwicklung, die absehbar war. Hauptbetroffen ist nicht die Jagd, sondern sind die Almbauern, Landwirte und jetzt sogar der Tourismus. Als wir vor Jahren darauf hingewiesen haben, wurden wir nur schief angesehen und belächelt“, sagt Josef Pröll.

Der Landesjägermeister von Niederösterreich ist seit 1. Juli Präsident und Vorsitzender von „Jagd Österreich“ – die Dachorganisation aller Landesjagdverbände.

Pröll vertritt damit die nächsten eineinhalb Jahre die Interessen von 130.000 Jägern und Jägerinnen im Land und ist ihr Sprachrohr.

Verordnung zum möglichen Abschuss von Problemwölfen

Niederösterreich war 2018 das erste Bundesland, in dem die Landesregierung eine Verordnung zum möglichen Abschuss von Problemwölfen erließ. Tierschützer stiegen auf die Barrikaden und schoben den Jägern den schwarzen Peter zu, dass sie nur „schießgeil“ auf die Raubtiere wären und sie nur deshalb ins Visier nehmen wollen. Doch die Argumente gingen ins Leere. Denn den Auftrag zum Abschuss kann nur die Behörde erteilen und bis heute ist kein Tier offiziell geschossen worden.

„Freilich stehen wir der Zunahme des Wolfsbestandes sehr kritisch gegenüber. Aber wir lassen uns in diese emotionale Debatte nicht hineinziehen“, hat Pröll aus den Anfeindungen in Niederösterreich gelernt. Die Jagd sei nur insofern betroffen, dass sich überall dort, wo der Wolf auftritt, das Habitat deutlich verändere, so Pröll.

So viele Tiere töten die Wölfe in Österreich

Bestes Beispiel seien das Wolfsrudel und ein paar Einzeltiere, die es sich seit Jahren auf dem reich gedeckten Gabentisch des Truppenübungsplatzes Allentsteig (NÖ) gemütlich gemacht haben. „Die Wölfe haben den Muffelbestand in dem Gebiet quasi ausgerottet“, erklärt Pröll. Die Wildschafe waren für die Beutegreifer die leichteste Beute.

Seit 2019 läuft am Bundesheergelände ein Wolfsmonitoring-Forschungsprojekt des Instituts für Wildtierkunde und Ökologie an der Veterinärmedizinischen Universität Wien zusammen mit Förstern des Übungsplatzes. Dabei hat man errechnet, dass die Raubtiere pro Jahr etwa 50 Stück Rotwild, 120 Stück Wildschweine und bis zu 350 Rehe jagen und töten. Das entspricht in etwa 16.000 Kilo Wild.

Dadurch komme es natürlich zu einer massiven Beunruhigung des Wildbestandes. „Das ist alles nicht so tragisch, wie die Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Bei den Almbauern geht es um ihre Lebensgrundlage und das wirtschaftliche Überleben“, sagt der Präsident von „Jagd Österreich“. Mit der Rückkehr des Wolfes in Österreich sei von Anfang an klar gewesen, dass es Verlierer dieser Entscheidung geben wird, so Pröll.

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