Radfahren hat sich in Niederösterreich zu einem wichtigen touristischen Zweig entwickelt. In den Ausbau des Angebotes werden Millionen investiert

© Getty Images/amriphoto/iStockphoto

Chronik Österreich
07/13/2021

Handydaten dokumentieren Radboom in Niederösterreich

1,1 Millionen Radtouristen strampelten im Vorjahr auf dem Donauradweg durch NÖ. Mobilfunksignale liefern erstmals valide Besucherdaten

von Patrick Wammerl

Es war im Sommer 2020, als das Land Niederösterreich coronabedingt Informationen über Besucherströme und Kapazitätsprobleme für beliebte Ausflugsdestinationen bekommen wollte. Anonymisierte Handydaten gaben schließlich Auskunft darüber, wo sich gerade Massen tummelten und gegebenenfalls eingegriffen werden musste.

Diese Technik machte sich auch in einem anderen Themenbereich bezahlt. Erstmals bekamen das Land und Touristiker in Niederösterreich valide Daten über die tatsächliche Zahl an Radtouristen – sonst eine schwer messbare Gruppe. Aus Erfahrungsberichten, Marktanalysen und Auskünften von Beherbergungs- oder Gastronomiebetrieben war klar, dass der Radtourismus nicht erst seit Corona einen massiven Boom in Niederösterreich erlebt. Aber wie viele Personen tatsächlich mit dem Bike durchs Land radeln, dazu gab es meist nur Schätzungen. Im vergangenen Sommer setzte NÖ das erste Mal eine exakte Analyse anhand von Handydaten und Bewegungsströmen ein.

Beliebte Route aus Tschechien

Mit 1,1 Millionen touristischen Radfahrten von 1. April bis 30. September 2020 wurde der Donauradweg am stärksten befahren. Auf fast eine halbe Million Fahrten kommt der Eurovelo 9, der von Breclav in Tschechien durch das Weinviertel nach Wien führt. Die Kamp-Thaya-March-Route (KTM), der Traisental Radweg und der Triesting-Gölsental-Radweg erreichen auch noch mehr als 100.000 Radfahrten pro Saison. „Wir sind stolz darauf, dass wir hier mit der Verwendung anonymisierter Mobilfunksignale Vorreiter auf diesem Gebiet sind – diese Herangehensweise ist österreichweit einzigartig“, erklären Tourismuslandesrat Jochen Danninger und der Geschäftsführer der Wirtschaftsagentur ecoplus, Helmut Miernicki.

Mit einem 4.200 km weiten Streckennetz und 245 beschilderten Radwegen hat Niederösterreich im Bundesländer-Vergleich das längste Netz für Radfans zu bieten. Der Tourismus auf zwei Rädern ist zu einem wesentlichen Wirtschaftsfaktor geworden. Laut Danninger profitieren davon Gastronomie, Beherbergungsbetriebe, die regionale Wirtschaft und letztlich der Wirtschaftsstandort insgesamt. Neben den klassischen Radwegen spielt mittlerweile auch das Mountainbike-Angebot eine Rolle. In vier der sechs Tourismusdestinationen (Mostviertel, Waldviertel, Wiener Alpen und Wienerwald) werden verschiedenste Routen und Trails laufend weiterentwickelt. Bis 2023 werden 3,5 Millionen Euro durch die ecoplus-Regionalförderung in den Ausbau investiert, beispielsweise für den Lückenschluss der Wexl-Trails zwischen St. Corona und Mönichkirchen am Wechsel.

7,5 Millionen Euro sind es, die in den kommenden fünf Jahren in Optimierungen des Ybbstal-, KTM-, Triestingau- und des Triestingtal-Gölsental-Radweges fließen. Zu dem Maßnahmenpaket zählen Asphaltierungen, die Erweiterung der Beschilderung und der Bau neuer Rastplätze und Infopoints an den Strecken. Eines der neuen Projekte umfasst eine verbesserte Trassenführung für den Ybbstal-Radweg. Gefahrenstellen werden beseitigt und neue Radwegbrücken gebaut.

Radeln auf aufgelassenen Bahntrassen

Dass sich Investitionen auch auszahlen, habe man nun durch die handybasierte Besucherstromanalyse bestätigt, heißt es aus Danningers Büro. Seit 2016 wurden aufgelassene Bahntrassen im Rahmen eines Sonderprojekts für 17 Millionen Euro in die Thayarunde und den Ybbstalradweg umfunktioniert. Heute sind diese Strecken nicht nur als Niederösterreichs Top-Radrouten klassifiziert, sondern zählen auch zu den beliebtesten Strecken im Land.

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