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Chronik Österreich
09/13/2019

Großangelegte Erdbebenübung in der Steiermark

Über 1.000 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, Polen, Ungarn und Slowenien sind bis Sonntag im Einsatz.

Ein Erdbeben mit einer Magnitude von 6,8 im Raum des steirischen Eisenerz, rund 15.000 Betroffene, etwa 1.000 Tote, rund 300 Menschen unter Trümmern, etwa 4.000 Menschen obdachlos - die Einsatzkräfte schaffen das nicht mehr, Österreich ruft um Hilfe. Dies ist der Kern einer Katastrophenschutzübung des Roten Kreuzes mit internationaler Beteiligung, die bis Sonntag in der Obersteiermark stattfindet.

Was sich angesichts der herbstlich-friedlichen Obersteiermark am Freitag, dem ersten Großübungstag, völlig übertrieben anhört, ist in starken Erdbebengebieten ein beängstigend nahes und realistisches Szenario - man rufe sich Beben wie in L'Aquila, Friaul oder Skopje in Erinnerung. Die internationale Übung wird vom Roten Kreuz Steiermark und Österreich zusammen mit dem Land Steiermark, kofinanziert von der EU, zusammen mit ausländischen Rot-Kreuz-Organisationen abgehalten.

400 Hilfskräfte aus 5 Ländern

Rund 1.000 Personen aus fünf Ländern sind laut dem steirischen Rettungskommandanten Peter Hansak im Einsatz. 600 davon in der Übungsleitung, als Darsteller, Figuranten - die Verletzte darstellen - oder Logistiker. Etwa 400 Hilfskräfte aus Österreich, Slowenien, Polen, Ungarn und Deutschland arbeiten 30 verschiedene real dargestellte Szenarien ab, von der Bergung von Menschen aus eingestürzten Gebäuden, entgleisten Zügen, Busunfällen und sogar aufgrund des Bebens in einer Höhle eingeschlossenen Menschen.

Von den heimischen Einsatzorganisationen ist das Rote Kreuz federführend, beteiligt sind Polizei, Bundesheer, Höhlenrettung, Bergrettung und der Landesfeuerwehrverband. Deutsche und Ungarn stellen zwei Feldspitäler zur Versorgung der leichteren Fälle, das Sim Center im ehemaligen LKH Eisenerz dient als Erstversorgungszentren und Einsatzleitung für die Übenden. Die EU hat ein "Civil Protection Team" (Zivilschutz) zur Unterstützung und Beratung entsandt. Slowenen und Polen unterstützten die heimischen Höhlenretter bei der Bergung von Eingeschlossenen in einer Höhle.


Ein Notarzthubschrauber steht für drei Tage zur Verfügung, gesamt verwandelten 70 Fahrzeuge das beschauliche Eisenerz fast real in eine Stadt in einem Katastrophengebiet. Aus anderen Bundesländern wurden 18 Rotkreuzfahrzeuge in der Nacht auf Freitag hinzugezogen - sie übernahmen zur Entlastung der steirischen Helfer den Regeldienst des Roten Kreuzes in Leoben, als Teil des Übungsszenarios: "Wir hoffen, die Leobener waren nicht verwirrt, dass plötzlich burgenländische Ambulanzen sie gefahren haben", sagte Rettungskommandant Hansak.

Für die Übung hat man sich einiges einfallen lassen: "Es geht uns nicht um ein spektakuläres, sondern realistisches Szenario", so Hansak. Man habe einige technische Innovationen wie Virtual Reality einfließen lassen, zusammen mit dem hohen Grad an Freiwilligen von 75 Prozent der Teilnehmer sei dies wahrscheinlich auch der Grund, warum die EU die Großübung mitfinanziere. Die gesamte Übung werde evaluiert, die Erfahrungen werden in künftige Übungen und reale Einsätze einfließen. Laut Hansak habe die Vorbereitung rund eineinhalb Jahre in Anspruch genommen.