Chronik | Österreich
15.06.2018

Grenzmanagement: Das teure Geisterdorf

Riesige Einsatzübung in Spielfeld mit neuer Grenzgruppe wird nach Protesten um einen Tag verschoben.

„Ja, alles beim Alten“, bestätigt der Polizeisprecher geduldig – und meint die Situation in Spielfeld: Die Zelte stehen noch, die Bürocontainer, die Toiletten. Und ja, die Anlage koste immer noch Geld. Laut parlamentarischer Anfrage aus 2017 drei Millionen Euro pro Jahr. Neuere Zahlen gibt es nicht, oder sie werden nicht veröffentlicht.

Spielfeld, ein Ortsteil von Straß in Steiermark, ist das Synonym für „ Grenzmanagement“: Hier wurde die erste derartige Einrichtung hochgezogen, aber da war die Flüchtlingswelle schon im Verebben. Am 20. Jänner 2016 ging es in Betrieb, um Asylwerber geordnet abzufangen. Damit sollten Szenen wie aus dem Oktober 2015 verhindert werden, die die Behörden überforderten: Bis zu 8000 Menschen drängten damals über Spielfeld täglich ins Land. Doch seit die Staaten am Balkan ihre Grenzen dicht gemacht haben, ist es still geworden: Der letzte Flüchtling kam vor mehr als zwei Jahren an  - am 6. März 2016.

Seither steht ein Geisterdorf an der Grenze. Immerhin, die Bürocontainer werden von den Beamten der Grenzpolizei genützt. In knapp zwei Wochen wird das Grenzmanagement aber wieder hochgefahren, allerdings bloß für eine Übung: FPÖ-Innenminister Herbert KicklsPuma“, die neue Grenzschutztruppe, soll proben, ob sie einen großen Flüchtlingszustrom bewältigen kann.

Für 25. Juni terminisiert, wurde die Riesenübung mit Hunderten Polizisten und Soldaten auf den nächsten Tag verschoben: Nachbar Slowenien war verschnupft, der 25. Juni ist dort ein Feiertag. Generell hält Slowenien Österreichs Planspiel für überzogen: 2017 seien bloß 39 Asylwerber an Slowenien zurückgewiesen worden.