Chronik | Österreich
29.08.2017

Gletscherleiche: Tiroler Polizei identifiziert Deutschen mit gefundenen Ausweisen

1974 riet ein Hüttenwirt dem Deutschem von einer Solo-Tour über den Gletscher ab. Nach 43 Jahren gab der Alpeiner Ferner den Mann wieder frei.

26. August 1974: Konrad J. erkundigt sich bei Horst Fankhauser über eine Tour, die über den Alpeiner Ferner in den Stubaier Alpen führt. "Ich habe ihm gesagt, dass es nicht klug ist, alleine über den Gletscher zu gehen", erinnert sich der Senior-Wirt der Franz-Senn-Hütte (2147 Meter). Doch der Deutsche schlug den Rat in den Wind, brach auf und verschwand. Dass sich der heute 73-jährige Fankhauser noch an das Gespräch erinnert, hat einen guten Grund: "Es gab damals eine große Suchaktion, an der ich beteiligt war." Doch die blieb erfolglos.

27. August 2017: Fast auf den Tag genau 43 Jahre nach dem Verschwinden des damals 36-jährigen Deutschen geht Jörg Tremmel aus Stuttgart gemeinsam mit einem Bergführer und einem weiteren Alpinisten nach dem Abstieg von der Ruderhofspitze (3473 Meter) über den Alpeiner Ferner. Es ist 13 Uhr, als die Gruppe auf der anderen Seite des Gletschers etwas aus dem Eis ragen sieht. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass es sich um die Beine einer bereits mumifizierte Leiche handelt, die kopfüber im Gletscher steckt.

Im Eis erfroren

Die Polizei hat am Dienstag bestätigt, dass es sich, wie bereits vermutet, um den seit 1974 vermissten Deutschen handelt. "Auf einem gefundenen Ausweis und auf einem Fahrzeugschein stand der Name des Mannes", sagt Sabine Reinthaler, Sprecherin der Landespolizeidirektion Tirol. Auch wenn ein DNA-Abgleich noch aussteht, bestehe somit praktisch kein Zweifel, dass es sich bei dem Gefundenen um einen Deutschen aus Rheinland-Pfalz handle. Eine Obduktion ergab, dass der Mann an Unterkühlung gestorben ist.

"Ich bin froh, dass für die Angehörigen nun die Ungewissheit zu Ende ist. Mit ihr zu leben, dürfte schlimmer sein, als zu wissen, was geschehen ist", sagt Tremmel, der gemeinsam mit seinen Tour-Partnern die Leiche gefunden hat. "Zunächst sind wir natürlich erschrocken", erzählt er. Aber rasch sei klar gewesen, dass es sich um einen Bergsteiger handelt, der bereits lange tot sein musste.

Das Gletschereis hat die Ausrüstung des Toten teilweise regelrecht konserviert. Die Schuhe seien wie neu gewesen, erzählt Tremmel. Auf dem Pickel habe man noch den Namen des Kaufhauses lesen können, in dem er gekauft wurde. Und auch die Uhr des Mannes, dessen letzte Stunde vor 43 Jahren geschlagen hat, wurde gefunden.

Im heurigen Hitze-Sommer wurde, wie berichtet, bereits eine ganze Reihe von Vermissten, von Alpengletschern wieder frei gegeben - Jahrzehnte nach ihrem Tod.