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Chronik Österreich
05/03/2020

Gestrandet in Valencia: Zwei Punkerinnen wollen heim

Valentina und Victoria erzählen vom rauen Alltag in Spanien. Seit vier Wochen gibt es für die beiden kein Weiterkommen mehr.

von Nikolaus Tuschar

Punk sein: Das heißt für Valentina und Victoria grenzenlose Freiheit. „Unabhängigkeit“ wie es Valentina formuliert – doch gibt es die in Zeiten von Corona noch? Seit Wochen sitzen die 24-jährige Österreicherin und die 26-jährige Deutsche samt ihren fünf Hunden in Valencia fest. Punks, die nun abhängig vom Staat sind. Eine Ironie und doch auch ein bisschen ein Sinnbild für den Knacks, den unser aller Freiheit während der Corona-Krise bekommen hat.

Jetzt haben die beiden nur mehr einen Wunsch: „Heim.“ Doch das ist in Zeiten wie diesen gar nicht so einfach. Kontakt mit den österreichischen und deutschen Behörden hat es schon des Öfteren gegeben. Und das, wo doch Punks den Staat eigentlich ablehnen. „Aufgrund der Ausgangsbeschränkungen ist es die einzige Möglichkeit heimzukommen“, erzählt die Kärntnerin Valentina. Vor allem mit geringen finanziellen Mitteln und fünf Hunden.

Der Vorschlag der Behörden: Die Hunde sollten in ein Tierheim kommen, während die beiden über Barcelona ausreisen könnten. Die Tiere sollten nach der Krise abgeholt werden. Für die Frauen ist das aber unvorstellbar. „Die Hunde lasse ich nur über meine Leiche in einem spanischen Tierheim,“ sagt Valentina. Die jungen Frauen gehen hier nicht fort nicht ohne ihre Hunde.

Spanien im Ausnahmezustand

Die Situation vor Ort wird allerdings immer prekärer. Viel ist nicht mehr von der spanischen Lockerheit geblieben. Der Ton der Straße – er wird rauer. Tina hat ein Video gemacht – zu sehen, ein Mann, der ordinäre Gesten macht. Auch mit Ziegelsteinen sind die beiden hier in Valencia schon beworfen worden.

Dabei hatte alles wie jedes Jahr begonnen. Start der Reise war dieses Mal Freiburg Anfang Januar. Der Plan: Samt Hunden (seit sie Welpen sind, sind sie Teil der „Familie“) quer durch Frankreich, entlang der Küste Spaniens nach Portugal.

Diese Form des Lebens kennen die beiden bereits seit fünf Jahren. Wenn es ihnen in unseren Gefilden zu kalt wird, geht es gen Süden. Sie nennen das Ösi und Ossi on Tour. Trampend, zu Fuß – und wenn genug Geld vorhanden ist – auch das ein oder andere Stück mit der Bahn.

Doch seit dem Beginn der Krise ist alles anders – der Wunsch nach Unabhängigkeit durch die Einschränkungen auf einmal jäh begrenzt.

„Wir sind hier aufs Rote Kreuz und auf Anrainer, die uns Essen für uns und Futter für die Hunde bringen, angewiesen.“ Freunde aus der Heimat halten sie mit Überlebenspaketen über Wasser – vor allem Guthabenkarten werden verschickt.

Das Geld geht ihnen aus. Ihre Einnahmequellen wie das Jonglieren und das Verkaufen von selbst gemachten Armbändern sind wegen der behördlichen Auflagen versickert. Die Bewohner von Valencia sind aber trotz Ausgangssperren hilfsbereit, sagen die beiden.

Kritik gibt es an den Behörden und der Polizei, die sie ihrer Meinung nach im Stich lassen und ihnen Steine in den Weg legen würden: Denn sie haben schon zahlreiche Versuche unternommen, auf eigene Faust heimzukommen.

„Das lässt die Polizei allerdings nicht zu und droht mit dem Gefängnis,“ erzählt Valentina. Nun sitzen Valentina und Victoria bereits seit vier Wochen in Valencia fest. Unter einem Museumsvordach, wo sie von der Polizei hingeschickt worden waren. Davor hatten sie es geschafft, nach zwei Wochen Alicante mit dem Zug ein Stück weiterzukommen, wurden aber kurze Zeit später des Zuges verwiesen. „Nur eine Hundeschnauze pro Nase“, sagte der Schaffner. Bei fünf Hunden geht sich das nicht aus.

Wenig hilfreich seien auch die österreichische und deutsche Botschaft gewesen. „Die Guardia civil (spanische Polizeieinheit, Anm.) hat uns zumindest die Weiterfahrt nach Valencia organisiert,“ erklärt Victoria. Die Botschaften hätten den beiden nur Bescheinigung ausgestellt, dass man sich am Rückweg befände.

Unter dem Vordach stehen Valentina und Victoria unter ‘‘Hausarrest‘‘. Verlassen dürfen sie ihr zugewiesenes Quartier nur für Spaziergänge mit den Hunden und, um zum Supermarkt zu gehen.

Die Situation unter dem Dach verschärft sich zusehends. „Insgesamt schlafen hier 12 bis 14 Männer,“ erzählen die jungen Frauen. Diese würden sich den ganzen Tag „besaufen“. Das führe zu Spannung, es kommt täglich zu Schlägereien und Übergriffen: „Am Wochenende kam es direkt vor unseren Augen zu einem Streit zwischen zwei Männern, wo einer den anderen ,angestochen‘ hat,“ erzählt Valentina.

 

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