© Montoya/TAORP

freizeit Leben, Liebe & Sex
05/03/2020

Der Weg nach Hause führt über den Atlantik

Ein 20-jähriger Wiener steuert eine teure Rennjacht mit einer zusammengewürfelten Crew nach Europa.

von Susanne Bobek

Eigentlich ist es fast unglaublich, was sich seit Beginn der Corona-Krise in der Karibik und auf dem Atlantik abspielt. Tausende Segler sitzen weltweit fest. Sie dürfen in keinen Hafen einlaufen, müssen ihre Lebensmittel mit Beibooten an irgendwelchen Stegen abholen und zahlen für ein Ei bis zu einem US-Dollar. Viele segeln deshalb über den Atlantik zurück nach Europa. Auch weil demnächst in der Karibik die Hurrikan-Saison beginnt.

Voriges Wochenende kam ein niederländisches Segelschulschiff aus der Karibik zurück. Die Schüler hätten an praktischen Beispielen in der Karibik Umweltschutz und Nachhaltigkeit studieren sollen. Dann waren sie mit ihren Lehrern eingepfercht auf einem engen Boot in der rauen See des Atlantik unterwegs. Bei meterhohen Wellen wurden sie jeden Vormittag drei Stunden unterrichtet, am Rest des Tages war auch manchmal Kotzen angesagt.

Derzeit befindet sich gerade eine österreichische Rennjacht auf ihrem Rückweg aus der Karibik. Der erst 20-jährige Weltklassesegler Oliver Kobale aus Wien bringt vermutlich morgen, Montag, eine bunt zusammengewürfelte Mannschaft in den Hafen von Scheveningen in den Niederlanden.

Die Niederlande sind derzeit eines der wenigen Länder, dass Rückkehrer überhaupt aufnimmt. In Spanien und Portugal sind die Häfen noch immer geschlossen.

Allein auf der Rennjacht

Oliver Kobale hatte Pech. Er musste mit dem Fotografen Micky Montoya auf der millionenschweren Rennjacht „Sisi“ des „The Austrian Ocean Race Projects“, kurz TAORP, in St. Maartens bleiben. Seine Crewmitglieder waren gerade heimgeflogen, doch die neue Mannschaft kam nicht mehr an.

Kobale studiert Maschinenbau an der TU Graz, er ist aber Segelprofi. Sein amerikanischer Freund Micky Montoya aus Wisconsin, hat ein klitzekleines Handycap. Der 33-Jährige ist zwar sportlich, aber absolut kein Segler. Und ohne eingespielte Crew kann man ein Boot dieser Dimension nicht über den Atlantik bringen. Die Sisi ist eine VO65 Rennjacht mit 65 Fuß, ist also 22 Meter lang und 5,6 Meter breit, wiegt 12.500 Kilo und hat eine Masthöhe von 30,3 Metern.

Spartanische Ernährung

Oliver Kobale musste sich also eine neue Crew zusammensuchen, was zunächst schier unmöglich schien, da alle Häfen in der Karibik geschlossen waren. Selbst das Herumfahren auf den Inseln wurde zum Problem. Die Sisi lag in St. Maartens in der Simpson Bay auf niederländischer Seite. Kobale und Montoya wohnten in einem Appartement auf der französischen Seite der Insel. Also zogen sie auf ihr Boot und ernährten sich spartanisch.

In Kärnten sitzt Julian Kircher, der Leiter des Segelprojekts TAORP, das beim härtesten Offshore-Segelrennen, dem Ocean Race an den Start gehen will: „Die Krise hat uns einen ordentlichen Dämpfer verpasst. Viele Sponsoren können nicht mehr zahlen, doch das ist jetzt alles noch Nebensache. Wichtig ist, dass die Crew gesund in Holland ankommt.“ Gemeinsam mit Stephany Sigott hat Kircher in der Karibik über Wochen nach Seglern gesucht „Wir haben gewusst, dass ein paar gute Leute in der Karibik sind. Und so haben wir wie wild herumtelefoniert. Aber einige wollten nicht weg oder konnten ihre Boote nicht im Stich lassen“, sagt Stephany Sigott.

Am Ende fand sich dann doch eine Crew: Marc van Dongen, Nikki Eijtjes und Matthew John Brokaar aus den Niederlanden wurden in St. Maartens an Bord genommen. Die beiden Österreicher Lisa Mailänder, 26, aus Grödig und David Höllinger, 32, aus Gmunden schlugen sich von St. Vincent zur Sisi durch. August Luure aus Estland wurde von der Sisi in Antigua abgeholt. „Dafür haben wir eine Sondergenehmigung erhalten. Die Sisi durfte nicht in Antigua anlegen. Aber ein Motorboot brachte den erfahrenen Segler an Bord“, sagt die Kärntnerin Stephany Sigott. Am 18. April setzte Kapitän Oliver Kobale die Segel. Die Überfahrt war „anspruchsvoll“.

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