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Chronik | Österreich
06/28/2019

Gefahr für Kinder: Raupen-Invasion im Märchenwald

Vergnügungspark im Burgenland teilweise gesperrt / Immer mehr Fälle mit Kindern in Wien

Es war einmal eine kleine Raupe. Mit ihren kleinen Härchen sah sie  putzig aus... Doch damit ist das Märchen auch schon zu Ende. Denn die Raupe des Eichenprozessionsspinners entpuppt sich als nicht ungefährlich und kann schwere allergische Reaktionen auslösen.

Nachdem sich in Wien zuletzt Fälle von betroffenen Kindern  gehäuft haben, musste jetzt im Familypark im burgenländischen St. Margarethen sogar ein Teil – der Märchenwald – vorsorglich für Besucher gesperrt werden. Damit sei man einer Empfehlung der Bezirkshauptmannschaft gefolgt, sagt Park-Sprecherin Lisa Wagner-Körmendi.

Die umherfliegenden Brennhaare der Eichenprozessionsspinner sind giftig und können zu Atemnot, Hautreizungen und im schlimmsten Fall zu allergischen Schocks führen.

Drei bis vier eMails habe man von Besuchern bekommen, die nach einem Besuch im Familypark über stärkere Hautausschläge klagten. Ein Kind musste wegen Atemproblemen im Spital behandelt werden. Ob sie sich diese tatsächlich dort zugezogen haben, könne man aber nicht beurteilen: „Wir hatten  in unserer Erste-Hilfe-Station bisher keinen einzigen Fall wegen des Eichenprozessionsspinners“, sagt Wagner-Körmendi. Die Härchen würden in der Luft schwirren, eine allergische Reaktion sei – ähnlich wie bei einem Wespenstich –  kaum kontrollierbar.

Man bekämpfe die Raupen schon seit dem Frühjahr täglich und habe die Situation gut im Griff. Weil im Märchenwald die meisten Eichen stehen, habe man sich aber dazu entschlossen, die Arbeiten dort zu intensivieren. Attraktionen des Familyparks seien von der Sperre nicht betroffen.
 

Luftröhre geschwollen

In Wien mussten in den vergangenen Tagen gleich mehrere Kinder wegen Hautausschlägen behandelt werden. Auch die Töchter von Barbara M. – die Mädchen sind 11 und 17 Jahre alt – sind betroffen. Die Schülerinnen des Gymnasiums Rainergasse im vierten Bezirk hatten am Donnerstag mit der Schule einen Ausflug in den Prater unternommen. „Die Ältere  hatte eine geschwollene Luftröhre, die Jüngere geschwollene Augen“, sagt  die Mutter.

Sie kritisiert nun die Behörden, die ihrer Meinung nach eine Gesundheitswarnung herausgeben hätten müssen.
Im Prater, auf der Donauinsel und im Schlosspark Schönbrunn bekämpfen die Wiener Stadtgärten (MA42) die Raupen  mit Spritzmitteln.  Besonders belastete Bereiche sind gesperrt. Einen Befall  im öffentlichen Raum  solle man bei der MA42 ( 01/4000-42483) melden.

Die gefräßigen Raupen stoppen allerdings nicht an den Toren Wiens: Laut dem Verein „Natur im Garten“ sind auch Teile des Weinviertels, des Wienerwalds sowie des Wiener Beckens betroffen. Richtig dramatisch ist die Situation in Deutschland, dort mussten bereits Autobahnen gesperrt werden.

Allergische Reaktion

Die Haare des Eichenprozessionsspinners  können starken Juckreiz, Ausschlag und in seltenen Fällen asthmatische Anfälle auslösen. Besonders gefährdet sind Kinder. Gernot Hoch vom Bundeszentrum für Wald empfiehlt, dass sich Personen, die stärker auf die Gifthärchen  reagieren, von befallenen Wald- und Parkbereichen fernhalten. Für andere bestehe  keine Gefahr, sofern sie sich nicht direkt unter eine Eiche setzen oder unmittelbar darunter etwas berühren.

Die giftigen Haare sind weniger als einen Millimeter groß und daher unsichtbar. Auch Monate nach der Verpuppung der Raupen bleibt die Gefahr bestehen, da sich die Haare in der Umgebung festsetzen. Als „Erwachsener“ ist der Eichenprozessionsspinner ein unscheinbarer und harmloser Nachtfalter.

Kahlschlag der Spinner und Zünsler

Der Eichenprozessionsspinner ist nicht die einzige Raupe, die derzeit für Ärger sorgt. Im Waldviertel bei Eggenburg im Bezirk Horn sowie bei Loosdorf im Bezirk Melk frisst sich der Schwammspinner durch die Wälder. Er ist für  Menschen zwar harmlos, allerdings frisst er Eichenblätter im großen Stil. „Die Bäume vertragen den Kahlfraß ganz gut. Meistens löst sich das Problem von selbst und die Raupen sterben aus Nahrungsmangel oder weil Krankheiten ausbrechen“, erklärt Gernot Hoch, Leiter des Instituts für Waldschutz am Bundesforschungszentrum für Wald. Deshalb wird auch nicht gegen den massiven Raupenbefall (zuletzt so stark vor rund 15 Jahren) vorgegangen.

Andere Raupen haben es auf Maispflanzen abgesehen. Der Maiszünsler stellt in der Landwirtschaft derzeit eine ernste Bedrohung dar. Die Raupe frisst die Blüten und Fruchtstände sowie das Mark der Stängel der Maispflanzen. Als natürlicher Feind gilt die Schlupfwespe. Die Nützlinge werden derzeit auf  Feldern in Niederösterreich ausgebracht. Drohnen sind dafür als  moderne (und effiziente) „Erntehelfer“ im Einsatz: „Etwa 110.000 Schlupfwespen werden pro Hektar  in nur vier Minuten ausgebracht“, erklärt Josef Sieder, Direktor der Landwirtschaftlichen Fachschule Phyra in Niederösterreich.