Chronik | Österreich
12.12.2017

Föhnsturm: Schulen teils geschlossen, Stromausfälle

Der Föhnsturm sorgte in weiten Teilen Österreichs für Feuerwehreinsätze. Der Völkermarkter Bezirkshauptmann löste Zivilschutzalarm aus, Kindergärten und Schulen in Südkärnten wurden geschlossen. Fast 100 Feuerwehreinsätze auch in Niederösterreich. In Salzburg wurde eine Frau schwer verletzt.

In Niederösterreich kam es aufgrund des Föhnsturms in der Nacht auf Dienstag zu zahlreichen Feuerwehreinsätzen. Der Wind tobte hier mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h. Dem Landeskommando zufolge rückten insgesamt 85 Feuerwehren mit nahezu 900 Mann aus. Dabei mussten vor allem umgestürzte Bäume beseitigt werden, die teilweise auch in Leitungen gestürzt waren. Die Bezirke Bruck an der Leitha, Mistelbach, Gänserndorf, Mödling und Tulln waren besonders stark betroffen, Verletze habe es nicht gegeben. In Neulengbach und in der Gegend um Alland und Heiligenkreuz kam es am Montagabend außerdem zu Stromausfällen.

Steiermark

Ein Föhnsturm von mehr als 100 km/h hat in der West- und Südsteiermark zu großräumigen Stromausfällen geführt. In den Bezirken Deutschlandsberg, Leibnitz und Voitsberg waren Dienstagfrüh rund 10.000 Haushalte ohne elektrische Versorgung, teilte die Energie Steiermark mit. Rund 100 Monteure rückten zum Einsatz aus, um die von umgefallenden Bäumen zerstörten Leitungen zu reparieren.

Erschwert werde die Situation durch die zahlreichen umgestürzten Bäumen auf den Straßen, die es oftmals nicht möglich machen, dass die Arbeiter zu den Schäden vordringen können. Viele Gebiete waren Dienstagvormittag noch nicht erreichbar.

Kärnten

Im Bundesland Kärnten verzeichneten die Feuerwehren bis Dienstagmittag rund 500 Einsätze. Wegen des Föhnsturms hat der Bezirkshauptmann des Kärntner Bezirks Völkermarkt am Dienstag in den frühen Morgenstunden Zivilschutzalarm gegeben. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, die Häuser nur in dringenden Fällen zu verlassen, Kindergärten und Schulen bleiben im gesamten Bezirk Völkermarkt sowie in der Stadt Ferlach geschlossen. 6.000 Haushalte waren ohne Strom.

Die ganze Nacht über tobte der Föhnsturm vor allem im südlichen Unterkärnten mit unverminderter Heftigkeit. Besonders stark betroffen war die Gemeinde Bad Eisenkappel, worauf Bezirkshauptmann Gerd-Andre Klösch gegen 4.30 Uhr Zivilschutzalarm gab. Nach Rücksprache mit Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) wurde entschieden, dass im Bezirk Schulen und Kindergärten geschlossen bleiben. "Für Kinder, die nicht daheimbleiben können, weil es keine Betreuung gibt und die deshalb in die Schule kommen, gibt es einen Notdienst, sie werden also betreut", sagte Klösch zur APA. Er habe zudem bereits einen Assistenzeinsatz des Bundesheeres angefordert. In der Früh tagte der Landes-Koordinationsausschuss, um die Einsätze zu koordinieren.

Ebenso heftig betroffen war der Bezirk Klagenfurt-Land, im besonderen die Gemeinden Köttmannsdorf, Ludmannsdorf, Maria Rain, Feistritz im Rosental, St. Margareten und Zell-Pfarre. Sämtliche Feuerwehren des Abschnitts Rosental waren die ganze Nacht im Dauereinsatz. Genauso schlimm war die Situation in Ferlach. Die Loiblpass-Straße wurde ab Unterloibl bis zum Loibltunnel gesperrt, das beschloss ein während der Nacht in der Gemeinde eingerichteter Krisenstab. Die Stadtgemeinde war in den frühen Morgenstunden nach Angaben der Polizei auch von Klagenfurt via Auto nicht erreichbar, die Loiblpass-Straße auf Höhe Wegscheide nahe der Hollenburg (Gemeinde Maria Rain) für den gesamten Verkehr gesperrt.

Grund dafür waren zahlreiche umgestürzte Bäume im Hollenburger Wald, die am Montagabend auf die Straße stürzten. Dabei wurden zahlreiche Pkw getroffen und teils schwerbeschädigt. Der Verkehr kam völlig zum Stillstand, einer Einsatzgruppe der Polizei gelang es, vorerst alle Personen aus dem Gefahrenbereich zu lotsen, während immer wieder Bäume niederkrachten. Eine 30 Meter hohe Fichte traf ein Polizeiauto und das Fahrzeug eines auf gleicher Höhe stehenden 59-Jährigen aus Spittal/Drau. Während der Spittaler und sein Beifahrer unverletzt blieben, wurde ein im Polizeifahrzeug sitzender Beamter bei dem Unfall verletzt. Er wurde ebenso wie eine zweite verletzte Person von der Rettung ins Spital gebracht.

Salzburg

Auch im Salzburger Pongau wurde eine Frau schwer verletzt. Der Föhn hatte schon am Montag für teilweise schwere Schäden in den Salzburger Gebirgsgauen gesorgt. Im Gasteinertal etwa verzeichnete die Freiwillige Feuerwehr binnen zwölf Stunden zwei Dutzend Einsätze. Die Bewohner wurden hier den ganzen Tag über angehalten, in ihren Häusern zu bleiben. Am Abend fuhr eine 68-jährige Urlauberin mit ihrem Mann im Auto auf einer gesperrten Straße ins Kötschachtal, als ein Baum auf ihren Wagen stürzte. Um zum Unfallauto zu gelangen, mussten sich die Einsatzkräfte den Weg freischneiden: „Die Bäume lagen kreuz und quer“, teilte Roland Pfund von der Bergrettung der APA mit. Die Wetterstation in Bad Gastein verzeichnete Böen bis zu 119 km/h.

"Höhepunkt überschritten"

Für den Dienstag gab die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) vorsichtige Entwarnung. "Es bleibt zwar noch stürmisch, der Höhepunkt des Föhnsturms ist aber überschritten", hieß es in der Früh auf APA-Anfrage.

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