Katastrophen, Hochwasser, Niederösterreich

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Hochwasser
06/08/2013

Flut-Helfer: Sonderurlaub erst nach Intervention

Freiwillige Helfer leisten im Kampf gegen die Flut Tausende unbezahlte Arbeitsstunden. Viele Firmen geben ihren Mitarbeitern dafür bezahlten Sonderurlaub. Die Wiener Linien reagierten erst auf Druck der Politik und des KURIER.

von Martin Bernert, Wolfgang Atzenhofer, Markus Foschum, Philipp Kienzl, Gilbert Weisbier

Einen kurzfristigen Personal-Engpass hatten die Wiener Linien dieser Tage zu bewältigen: Rund hundert Mitarbeiter mit Wohnorten in Niederösterreich sind Mitglieder in freiwilligen nö. Feuerwehren und hatten um Dienstfreistellung angesucht, damit sie gegen das Hochwasser ankämpfen können – für einige Tage war das Füllen von Sandsäcken und Auspumpen von Kellern dringlicher, als das Lenken von U-Bahnen und Bussen.

Das war bei früheren Großeinsätzen kein Problem: Wie auch andere Betriebe im Einflussbereich der Stadt Wien hatten die Wiener Linien in Katastrophenfällen bisher großzügig Dienstfreistellungen für Feuerwehr-Mitglieder erteilt.

„Keine Freistellungen“

Diesmal war alles anders: „Derartige Einsätze sind auf Urlaubsbasis möglich, automatische Freistellungen gibt es keine“, sagt Freitagfrüh Answer Lang, Sprecher der Wiener Linien. Wer helfen will, darf das also, muss sich dafür aber Urlaub nehmen.

Als Begründung für den Paradigmenwechsel nannte Lang schlechte Erfahrungen, die man beim Hochwasser 2002 gemacht habe: „Damals hatten sich so viele Mitarbeiter freigenommen, dass wir Probleme hatten, den Betrieb aufrecht zu erhalten.“

Zudem gebe es auch in Wien leichtes Hochwasser. Dies sei zwar für die Wiener Linien kein großes Problem, erfordere aber erhöhten Personaleinsatz, sagt Lang: „Obwohl wir die Dringlichkeit kennen, können wir diesmal keine Freistellungen gewähren. Priorität hat die Aufrechterhaltung des Betriebs in Wien.“

Diese Entscheidung dürften die Wiener Linien gefällt haben, ohne zuvor Vertreter ihres Eigentümers, der Stadt Wien, zu kontaktieren. Entsprechend überrascht war man im Rathaus, als der KURIER im Büro der für Öffis zuständigen Stadträtin Renate Brauner nachfragte.

Weisung

Eine Stunde später war alles anders: „Wir erkennen die betrieblichen Notwendigkeiten der Wiener Linien an. Trotzdem hat die Stadträtin soeben mit Wiener-Linien-Geschäftsführerin Alexandra Reinagl telefoniert und verfügt, eine Lösung für jene Kollegen zu finden, die im Hochwasser-Einsatz stehen“, sagt Brauners Sprecher Ferdinand Pay.

Kurz darauf hatten die Wiener Linien einen Kompromiss parat, „weil es unserem Eigentümer, der Stadt Wien, wichtig ist, eine Lösung zu finden“, erklärte Answer Lang. Mitarbeiter, die im Katastrophen-Einsatz stehen, werden dafür einen Tag dienstfrei gestellt.

Vorbildlich

Dass es anders geht, beweisen viele Firmen. Sie gewähren ihren Mitarbeitern auch ohne Druck von außen großzügige Freistellungen für Hochwasser-Einsätze: Bei der Asfinag etwa – bei der sich viele Mitarbeiter bei der Feuerwehr engagieren – ist es in derartigen Fällen üblich, Mitarbeitern zwei Tage Sonderurlaub zu gewähren. „Im aktuellen Fall haben wir das für jeden, der freiwillig im Hilfseinsatz tätig war, auf vier Tage erhöht. Schließlich geht es um eine gute Sache“, sagt Asfinag-Sprecherin Alexandra Vucsina-Valla.

Bezahlte Freizeit für jene, die selbst durch das Hochwasser Schaden erlitten haben und jene, die bei Einsatzorganisationen gegen die Fluten ankämpfen, gewährt der Amstettener Umdasch-Konzern seinen 2000 Mitarbeitern. Vergangenen Dienstag, als das dramatische Ausmaß der Flut absehbar wurde, gab Vorstandschef Andreas Ludwig seinen Mitarbeitern grünes Licht. Armin Blutsch, Vizepräsident des Österreichischen Feuerwehrverbandes, nennt das Verhalten des Umdasch-Konzerns als beispielhaft.
Dass zwei seiner Lastwagenfahrer mit den Schwerfahrzeugen seiner Firma in Weißenkirchen in der Wachau beim Aufbau des Hochwasserschutzes mitgeholfen haben, ist für Baumeister Franz Schütz selbstverständlich. „Da ist so üblich. Da schauen wir nicht auf die Arbeitsstunden. Wir haben ja das eigene Büro auch ausräumen müssen. Alle helfen zusammen.“
„In Zeiten wie diesen müssen wir zusammenhalten. Für mich ist das selbstverständlich“, schildert Gerald Resel aus Hainburg. Der selbstständige Brandschutztechniker zögerte keine Sekunde, als einer seiner drei Mitarbeiter um Freistellung ansuchte. „Er ist seit Montag im Feuerwehreinsatz, um Hainburg vor dem Hochwasser zu schützen. Ich bin sehr froh, dass die Freiwilligen mit soviel Engagement gegen die Wassermassen ankämpfen. Da darf man ihnen doch keine Steine in den Weg legen“, sagt Resel.

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