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Chronik Österreich
04/08/2021

Flugreisen: Tausende sitzen nach Corona-Absagen auf Ticketkosten

Die Pandemie ruinierte viele Reisepläne. Für zahlreiche Passagiere war das mit hohen Kosten verbunden.

von Markus Strohmayer

Als Gerhard Böhm im Jänner 2020 mit der portugiesischen Airline TAP einen Flug nach Lissabon buchte, konnte er nicht ahnen, dass eine Pandemie Städtetrips für mehr als ein Jahr nahezu unmöglich machen würde. Noch weniger hätte er gedacht, dass er eineinhalb Jahre nach der Buchung noch auf die Rückerstattung der Ticketpreise in der Höhe von 464 Euro warten müsste.

Der 57-Jährige ist bei Weitem kein Einzelfall. Thomas Hirmke, Leiter der Rechtsabteilung beim Verein für Konsumenteninformation (VKI), spricht von Tausenden Flügen, die nach der Annullierung nicht refundiert wurden. Er bezieht sich dabei lediglich auf Reisen mit Wien als Startflughafen. Diese Schätzung scheint legitim, wenn man bedenkt, dass allein der VKI seit Ausbruch der Pandemie knapp neun Millionen Euro für 17.000 Betroffene erkämpft hat.

Urlaub in Quarantäne

Dabei handelte es sich lediglich um AUA- und Lauda-Motion-Kunden. Schwieriger wird die Situation bei ausländischen (Billig-)Airlines. Ähnlich wie Böhm wartet nämlich auch Michaela Suklitsch noch auf die Rückerstattung von 350 Euro.

Zwar gilt auch für sie das EU-Fluggastrecht, welches besagt, dass Passagiere einen Anspruch auf Erstattung des Ticketpreises haben, wenn ein Flug durch die Airline gecancelt wird. Suklitschs Situation ist aber kompliziert, da ihr Flug stattfand. Problem an der Sache: Für ihr Zielland Portugal bestand höchste Reisewarnstufe.

Dem ungarischen Airliner Wizz Air soll das egal gewesen sein: „Wir haben bis zum Abflug nicht erfahren, ob geflogen wird. Ich bin Risikopatientin, für mich war das gar keine Debatte. Stornoversuche wurden ignoriert.“ Besonders ärgerlich: Für Portugal gab es eine 14-tägige Quarantänepflicht. Vom Städtetrip hätten die Pensionistin und ihr Mann also de facto nichts gehabt.

Entschädigung

Fluggäste haben Anspruch auf eine Entschädigung, wenn ein Flug mindestens drei Stunden verspätet am Endziel ankommt oder sie nicht mindestens zwei Wochen vor dem Abflug über die Annullierung informiert wurden. Die Entschädigung kann bis zu 600 Euro betragen.

Rückerstattung

Selbst wenn sich ein Flugausfall nicht für eine Entschädigung qualifiziert (etwa wenn mehr als 14 Tage vor dem Abflug über den Ausfall informiert wurde), muss die Fluggesellschaft entweder den vollen Ticketpreis erstatten oder für einen Ersatzflug sorgen – Letzteres ist während der Corona-Pandemie allerdings unwahrscheinlich.

Gutscheine

Die EU hat Vorschläge zur Einführung einer Akzeptanzpflicht von Gutscheinen (welche manche Airlines aufgrund der Corona-Situation forderten) abgelehnt. Fluggesellschaften dürfen zwar weiterhin Gutscheine anbieten, der Kunde muss aber schriftlich zustimmen, dass er damit einverstanden ist. Die Airline darf also nicht statt der Rückerstattung/Entschädigung einfach Gutscheine ausstellen.

In beiden Fällen laufen Gerichtsverfahren, Suklitsch und Böhm hoffen noch auf ihr Geld. Ohne Hilfe wären sie aber verloren gewesen, wie sie anmerken. Häufig reagieren Fluglinien nicht auf Anfragen, schicken Links, die ins Nichts führen oder bieten befristete Gutscheine, anstatt den Preis zurückzuzahlen.

Davon kann Melanie Maller ein Lied singen. Sie wandte sich schlussendlich an die Agentur für Passagier- und Fahrgastrechte (apf), die sich wie der VKI um derartige Fälle kümmert. Auch hier wurden seit Corona-Ausbruch bereits mehr als eine Million Euro für 1.800 Passagiere erkämpft, die ihre Reisen nicht antreten konnten.

Im Kreis geschickt

Eine immense Summe, die sich aber relativiert, nimmt man nur die Situation von Maller her. Sie musste mehr als ein halbes Jahr auf 3.900 Euro warten. Und das obwohl die Situation klar war. Der Thailand-Urlaub mit ihrer Familie konnte nicht stattfinden, weil zur damaligen Zeit schon Rückholaktionen durchgeführt wurden.

Die AUA stellte sich anfangs dennoch quer, da sie den Flug über eine Buchungsplattform erstanden hatte. Dort war lange niemand erreichbar, dann wurde sie zurück zur Airline geschickt. Schließlich holte sie sich Unterstützung. Mittlerweile hat sie ihr Geld, hofft aber, dass andere nicht so lange bangen müssen: „Wir haben eine Ausnahmesituation, dafür kann niemand was. Bei 3.900 Euro darf man sich aber eine Antwort erwarten. Es hätte ja gereicht, wenn mir gesagt hätte, dass ich mein Geld sicher bekomme.“

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