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Chronik Österreich
11/12/2021

Flugpolizei-Chef: "Wir brauchen für manche Einsätze am Berg stärkere Hubschrauber"

Der Chef der Flugpolizei, Christian Stella, über die Zukunft der Flugeinsatzstelle Klagenfurt und gemeinsame Shoppingtouren mit dem Heer.

von Anja Kröll

Ihr erstes Jahr als neuer Chef der Flugpolizei geht zu Ende. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Christian Stella: Ich war überrascht, von der Professionalität, mit der hier gearbeitet wird. Es ist unglaublich, wie sich die Abteilung entwickelt hat. Aber wir haben auch gesehen, dass wir einige Baustellen zu bearbeiten haben. Wie das Beispiel Klagenfurt zeigt, wo es keinen Hangar für die Piloten gibt. Zugleich haben wir das größte Projekt, das es jemals bei der Flugpolizei gab, indem wir mit dem Flugbetrieb und der lizenzierten Wartung nach Wiener Neustadt übersiedeln.

 

Was auch als Baustelle bezeichnet werden kann, ist die Außenwahrnehmung der Flugpolizei.

Ja, das kann man so nennen. Die Flugpolizei war eine Abteilung, die unverständlicherweise nicht gut wahrgenommen worden ist. Beziehungsweise wurde sie nur dann wahrgenommen, wenn etwas passiert ist. Aber nicht, wenn wir, wie ein Notarzt oder die Rettung, rettend unterwegs waren.

Sie haben die Flugpolizei bei Ihrem Antritt als Tafelsilber des Innenministeriums bezeichnet. Glänzt dieses Tafelsilber mittlerweile wieder?

Wir sind auf einem guten Weg. Mir ist es bei dieser Aussage nicht so sehr um die Außenwirkung gegangen, sondern um die Motivation unserer eigenen Mannschaft. Man kann das - überspitzt dargestellt -, mit der Bawag vergleichen. Dort haben sich die Mitarbeiter nach dem Bawag-Skandal auch geschämt, zu sagen, dass sie dort tätig sind. Für die Identität der Menschen ist es aber wichtig, dass sie einen gewissen Status genießen.

Sie haben die Probleme mit der Flugeinsatzstelle (Fest) Klagenfurt angesprochen. In den Bau der neuen Fest in Wiener Neustadt werden rund 22 Millionen Euro investiert. In Kärnten sitzen Flugpolizisten nach dem Abriss der baufälligen Anlage im Jahr 2020 in Baucontainern. Wann soll sich das ändern?

Wir sind eng mit dem Bundesheer in Kontakt, um eine Lösung zu finden. Der Truppenübungsplatz Atschalas, der einmal im Gespräch war, ist noch nicht die Lösung. Das Bundesheer hat andere Überlegungen. Aber das ist alles noch in der Schwebe. Wir wollen sicher nächstes Jahr eine Entscheidung treffen.

Das Bundesheer kauft Transporthubschrauber des Typ Leonardo an. Auch bei der Polizei stehen Ankäufe im Raum. Wäre eine gemeinsame Shoppintour denkbar?

Unsere Hubschrauber waren beim Waldbrand auf der Rax sehr hilfreich. Aber Waldbrände in Österreich werden nicht weniger werden. Daher würde es Sinn machen, wenn wir uns den ein oder anderen Mehrzweckhubschrauber anschaffen.

Was würde dann mit den nun aktiven Eurocoptern passieren?

Die Eurocopter bleiben bestehen, sie machen für viele Einsätze Sinn. Aber ab einer gewissen Höhe braucht ein Hubschrauber vor allem Reserven und hier hat ein Leonardo im Vergleich zu anderen Hubschraubern deutlich bessere. Wir brauchen für manche Einsätze am Berg stärkere Hubschrauber. Das ist einfach sinnvoll.

Von welcher Stückzahl reden wir?

Größere Hubschrauber benötigen eine völlige andere Art der Wartung, zu der auch zusätzliches Personal gehört. Mein Zugang ist: Es macht keinen Sinn ein oder zwei Hubschrauber zu kaufen, denn ein Hubschrauber ist nicht wie ein Auto, wo man einmal im Jahr zum Pickerl fährt. Ein Hubschrauber hat fixe und vor allem viele Wartungsintervalle. Und wenn man davon ausgeht, dass man Hubschrauber zum Personentransport haben möchte, insbesondere auch unter dem Gesichtspunkt von Terrorlagen, und man platziert einen Hubschrauber im Osten und einen im Westen, dann wären dies laut meiner Rechnung mindestens vier Hubschrauber. In der ersten Phase.

Gibt es dafür einen Zeithorizont?

Nein. Aber wir hoffen, dass wir uns bei Anschaffung des Bundesheeres anhängen können. Was natürlich eine Frage des Budgets ist. So ein Hubschrauber kostet mit allem drum und dran zwischen 14 und 15 Millionen Euro.

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