© APA/EPA/HERBERT P. OCZERET

Flüchtlingskrise
09/14/2015

Millionen Kinder auf der Flucht

Weltweit mussten rund 20 Millionen Kinder ihre Heimat verlassen. Vier der 71 Toten im Kühl-Lkw auf der Ostautobahn waren Kinder.

von Ricardo Peyerl, Wilhelm Theuretsbacher, Thomas Orovits

Am ärmsten sind immer die Kinder: Dieser Satz gilt ganz besonders für Kinder auf der Flucht. Von den weltweit mehr als 40 Millionen Vertriebenen ist laut Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen die Hälfte noch im Kindesalter. Allein in Syrien sind laut UN-Kinderhilfswerk UNICEF 5,6 Millionen Minderjährige vom Krieg betroffen, zwei Millionen haben in Nachbarländern wie Jordanien oder der Türkei Zuflucht gefunden.

Aber immer mehr Eltern machen sich mit ihren Kindern auch auf die beschwerliche Reise über den Balkan Richtung Westeuropa. Über Wochen, mitunter gar Monate nehmen die Strapazen kein Ende – für manche werden sie zum tödlichen Martyrium.

Vier Kinder waren unter den 71 Toten im Kühltransporter, den Schlepper Ende August auf der Ostautobahn bei Parndorf einfach stehen ließen, nachdem die Flüchtlinge qualvoll erstickt waren. Neben drei acht- bis zehnjährigen Buben war auch ein kleines Mädchen unter den Toten. Dass es schon laufen konnte, lässt sich vermuten, aber wie hieß dieses Mädchen, woher kam es?

Identifizierung

Das wissen die Ermittler noch nicht, sagt Gerald Pangl, Sprecher der burgenländischen Polizei. Nach Abschluss der Obduktion aller Leichen sei indes klar, dass das Kind mit seinen Eltern im Todes-Lkw war, aber die Identität dieser Familie ist ebenso noch ungeklärt wie die der anderen Opfer. Dass sie aus Syrien, dem Irak und Afghanistan stammten, legen die im Lkw sichergestellten Reisedokumente nahe. Eine endgültige Abklärung liefert aber erst eine DNA-Überprüfung. Die Ermittler werten derzeit Hunderte Anrufe bei einer nach der Auffindung der Leichen eingerichteten Hotline in der Landespolizeidirektion aus.

Anrufer aus dem Nahen und Mittleren Osten, die Verwandte oder Freunde unter den Toten vermuten, wurden um Fotos ihrer Lieben gebeten, aber auch um Merkmale, die bei der Identifizierung der Toten helfen könnten. Im Einsatz ist auch ein Kriminalisten-Team für "Disaster Victim Identification", das etwa nach dem Tsunami 2004 in Ostasien Leichen identifiziert hat. Wie kann man die Identität des kleinen Mädchens aus dem Transporter klären? Man müsse über die Eltern weitermachen, erklärt Edith Tutsch-Bauer, Leiterin der Salzburger Gerichtsmedizin. "Man muss einen Vater, Bruder, eine Mutter von einem Elternteil finden. Es sind ja 500 Mails von Verwandten bei der Hotline eingegangen, die Angehörige vermissen". Die Botschaft im jeweiligen Heimatland lasse dann einen Mundhöhlenabstrich machen, der zum Vergleich nach Österreich geschickt werde, so die Gerichtsmedizinerin.

Vielleicht gelingt es so zumindest, dass das kleine Mädchen nicht namenlos bleibt.

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